Bei KNDS rollt Betrieb um Panzer-Produktion an
Im Nordsaarland rückt der Bau des neuen Transportpanzers Patria näher. Wie der Fahrplan aussieht - und was der Auftrag für den Standort bedeutet.
Im Nordsaarland rückt der Bau des neuen Transportpanzers Patria näher. Wie der Fahrplan aussieht - und was der Auftrag für den Standort bedeutet.
Das Rüstungsunternehmen KNDS im saarländischen Freisen will bereits Ende des Jahres erste Patria-Transportpanzer an die Bundeswehr ausliefern. Diese Panzer kommen im Herbst noch aus finnischer Produktion, werden aber in Freisen mit speziellen Rüstsätzen der Bundeswehr ausgestattet und endmontiert, wie der Geschäftsführer der KNDS Deutschland Maintenance GmbH, Christoph Cords, sagte.
«Parallel bauen wir die komplette Serienfertigung auf, und Ende 2027 werden dann die ersten Fahrzeuge, die vollständig in Freisen gebaut worden sind, ausgeliefert.» Insgesamt geht es um zunächst fast 900 Panzer im Gesamtwert von rund zwei Milliarden Euro: Rund 350 habe die Bundeswehr laut Cords fest bestellt, weitere knapp 550 sollten folgen. Bis 2040 stehe eine Stückzahl von 2.500 bis 3.000 im Raum.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte Ende 2025 das finnische Rüstungsunternehmen Patria beauftragt, den Transportpanzer zu bauen. Vor kurzem unterzeichneten dann Patria und KNDS Deutschland Maintenance einen Rahmenvertrag für den Bau der Radpanzer für die Bundeswehr.
«Das ist für uns eine große Sache», sagte Cords der Deutschen Presse-Agentur. Bisher kümmert sich die Firma darum, Militärfahrzeuge vor allem der Bundeswehr zu warten, zu reparieren und hochzurüsten. In Hallen finden sich Schützenpanzer vom Puma über den Leopard bis Marder sowie Radfahrzeuge wie Boxer, Dingo, Fuchs und Fennek. 2025 seien 700 Fahrzeuge instandgesetzt worden.
KNDS investiert fast 100 Millionen Euro
Mit dem Patria entwickele sich KNDS «von einem Systeminstandsetzer zu einem Produktionsbetrieb für gepanzerte Radfahrzeuge», betonte Cords. Vor allem bedeute der Großauftrag Wachstum: Denn neben der Serienproduktion stehe eine regelmäßige Instandsetzung der Radpanzer ins Haus. «Sie kommen dann alle zwei bis vier Jahre wieder her zur Wartung», sagte er.
Daher wird die Fläche erweitert. Noch dieses Jahr gebe es den Spatenstich für den Bau von zwei neuen Hallen für Stellplätze. Diese sollten Anfang bis Mitte 2028 fertig sein. Die Produktion des Patria werde in eine bereits bestehende Halle einziehen. Weitere Flächen zum Ausbau gebe es bereits. Insgesamt investiere KNDS bis 2035 knapp 100 Millionen Euro in den Standort.
Patria soll den Fuchs ablösen
Aktuell werden bereits die ersten Vorserienfahrzeuge, die die Bundeswehr Anfang des Jahres erhalten hat, in Freisen nachgerüstet. Der Patria soll den bisherigen Transportpanzer Fuchs ablösen. Spannend sei, welchen Namen der Patria mal bekommt. «Fast alle Fahrzeuge bei der Bundeswehr haben Tiernamen.»
Das Fahrzeug werde zunächst in vier verschiedenen Varianten gebaut, wie Cords sagte. Denkbar sei, dass in Freisen künftig auch für andere Länder produziert werde. Denn die Produktion des Transportpanzers ist im Rahmen des multinationalen Common Armoured Vehicles System (CAVS)-Programm beschlossen worden, an dem insgesamt sieben Ländern in Europa beteiligt sind.
Zahl der Mitarbeitenden bei KNDS wächst
Man sei zudem dabei, Unterlieferanten für die Serienproduktion im Saarland, aber auch bundesweit zu finden, sagte Cords. Beispielsweise für Hydraulik, Elektrik und Abgasrohre. «Je mehr wir qualifizieren können, desto mehr Wertschöpfung bleibt in Deutschland.»
2025 gab es am Standort Freisen gut 600 Beschäftigte, jetzt sind es 785. Fast die Hälfte stammt aus dem angrenzenden Rheinland-Pfalz. Ende nächsten Jahres geht Cords von 1.000 Mitarbeitenden aus, 2030 von 1.200 plus. Fünf Jahre später könnten es dann 2.000 bis 3.000 sein - abhängig von den Planungen der Bundeswehr.
Es sei kein Problem, Fachkräfte zu finden, sagte der Geschäftsführer. Es gebe etliche, die unter anderem aus der auch im Saarland schwächelnden Automobil- oder der Zulieferindustrie gewechselt seien - weil sie ihren Job verloren haben. «Wir haben Leute übernommen von Bosch, ZF, Thyssenkrupp und auch von Ford - und es werden immer mehr.»
Ministerpräsidentin freut sich über neue Arbeitsplätze
«Der Patria-Auftrag bedeutet einen großen Schub für KNDS und Hunderte neue gut bezahlte Arbeitsplätze im Saarland», sagte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) der dpa. Die Verteidigungsindustrie sei neben Ansiedlungen wie Vetter aus der Pharmabranche eine Chance für das Saarland, unabhängiger von der Automobilindustrie zu werden. «Auch wenn das für viele befremdlich ist, wir müssen uns mit Verteidigung und Rüstungsindustrie stärker befassen. Als Regierungschefin nutze ich jede Chance für Arbeitsplätze im Saarland.»
Von Birgit Reichert (Text) und Oliver Dietze (Foto), dpa
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