Im Gefängniskrankenhaus in Wittlich gibt es auch Pflege-Hafträume. (Archivbild)
Harald Tittel/dpa
Im Gefängniskrankenhaus in Wittlich gibt es auch Pflege-Hafträume. (Archivbild)
Justiz

Alt im Gefängnis - Wie Senioren in Haft untergebracht werden

Alter schützt vor Strafe nicht - auch betagte Menschen sitzen in Rheinland-Pfalz hinter Gittern. Was bedeutet das für den Alltag in der Haft - und sind die Einrichtungen vorbereitet?

Mehr als 30 Jahre nach der Ermordung der US-amerikanischen Touristin Amy Lopez ist der mutmaßliche Täter 81 Jahre alt. Er steht derzeit wegen Mordes vor dem Landgericht Koblenz. An diesem Freitag könnte der Deutsche, der die Tat gestanden hat, sein Urteil bekommen.

Der Mann war Ende Februar 2026 in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen worden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft in Wittlich. Mit Rollator war er zum Prozessauftakt im Gerichtsaal erschienen.

Mit Blick auf das Alter des Angeklagten stellt sich die Frage: Wie werden ältere Gefangene in Haftanstalten untergebracht? In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich, dem landesweit größten geschlossenen Vollzug, gibt es besondere Plätze für Menschen mit Pflegebedarf.

Für Pflegeabteilung in JVA Wittlich gibt es Warteliste

Anfang dieses Jahres ist in der JVA eine neue Pflegeabteilung des Landes eröffnet worden - für Gefangene aus den Haftanstalten in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Es sei die einzige ihrer Art in den Ländern, so Leiter Jörn Patzak. Derzeit sei die Abteilung mit fünf Gefangenen voll belegt.

Es gebe regelmäßig Anfragen aus anderen Anstalten. «Nach ärztlicher und vollzuglicher Prüfung werden die Gefangenen über eine Warteliste nach und nach aufgenommen, sobald Plätze frei werden», sagt Patzak. Generell aber sei die Abteilung für Gefangene mit Pflegegraden ausgelegt.

Hier haben Gefangene größere Räume, Pflegebetten, barrierefreie Badezimmer, einen Alarmknopf und eine Gemeinschaftsküche. Im normalen Haftraum gebe es keine Dusche, nur ein Waschbecken mit kaltem Wasser. Und er sei zu klein, um sich darin mit dem Rollstuhl bewegen zu können.

In den Vollzugsanstalten fehlt medizinisches Personal

«Natürlich ist es so, dass ältere Menschen mehr Gebrechen oder mehr Krankheitsbilder haben. Dem muss man dann auch ein Stück weit Herr werden», sagt René Müller, Bundesvorsitzender des Bunds der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD). Insbesondere bei pflegebedürftigen Gefangenen werde es jedoch kritischer, da in den Vollzugsanstalten das medizinische Personal fehle.

Wenn sich die Inhaftierten nur noch schlecht oder gar nicht alleine fortbewegen können, erhöhe das natürlich auch den Betreuungsaufwand. «Manches wird aufgrund von Krankheit oder Gebrechlichkeit nicht mehr in der Anstalt behandelt, sondern muss dann in auswärtigen Krankenhäusern behandelt werden.» Dadurch erhöhe sich der Personalbedarf für Ausführungen.

«Ein Stück weit sind sie also schon arbeitsintensiver», sagt Müller mit Blick auf ältere Insassen. Das führe dann auch zu einer höheren Arbeitsbelastung für die Beamten. Besondere Schulungen für den Umgang mit pflegebedürftigen Häftlingen gebe es jedoch nicht, das könnten die Beamten auch gar nicht leisten, so Müller. «Wir wären ja schon froh, wenn wir unsere jetzigen Aufgaben vernünftig erledigen könnten. Stichwort: zu geringer Personalbestand, viel zu viele Aufgaben.» Außer Wittlich sei ihm keine JVA bekannt, die darauf vorbereitet sei.

Auch im Gefängnis gibt es immer mehr ältere Menschen

Auf dem Gefängnisgelände in Wittlich gibt es im Justizvollzugskrankenhaus noch vier weitere Pflege-Hafträume, die für Menschen mit hohen Pflegegraden sind. Hier sei aufgrund einer Entlassung zurzeit ein Platz frei. «Dieser wird über die Warteliste umgehend wieder belegt», sagt der JVA-Leiter.

In Wittlich gebe es zurzeit zwei Gefangene im Alter von über 80 Jahren in der JVA, beide auf der Pflegeabteilung. Der demografische Wandel mit einer alternden Bevölkerung erreiche zwangsläufig auch die Gefängnisse. Die JVA Wittlich sei derzeit mit knapp 600 Gefangenen belegt.

Sechs Gefängnisinsassen 80 Jahre und älter

In den rheinland-pfälzischen Gefängnissen gibt es insgesamt sechs Personen im Alter von 80 Jahren oder älter. Dabei handelt es sich nach Angaben des Justizministeriums ausschließlich um Männer im Alter von 80, 81, 81, 82, 83 und 86 Jahren.

Ein höheres Lebensalter alleine mache aber weder automatisch eine besondere Behandlung erforderlich noch bedeute es, dass eine gemeinsame Unterbringung mit anderen älteren Gefangenen von den Betroffenen gewünscht werde. Maßgeblich bleibe stets die individuelle Situation und Bedarfslage der jeweiligen Person, erklärte das Justizministerium. 

Zusätzliche Stellen geschaffen

Neben dem Standort JVA Wittlich stehe in der JVA Diez die Umsetzung des dort entwickelten Konzepts für ältere Gefangene im bereits bestehenden Behandlungsflügel unmittelbar bevor. Soweit eine Unterbringung dort nicht möglich oder erforderlich ist, werden diese älteren Personen laut Ministerium gemeinsam mit anderen Gefangenen untergebracht.

Bei Umbaumaßnahmen in den Justizvollzugsanstalten würden die Belange älterer Menschen berücksichtigt, dabei gehe es vor allem um die Barrierefreiheit. Für die genannten Abteilungen gebe es zudem spezifische Behandlungskonzepte und es wurden nach Angaben des Justizministeriums zusätzliche Stellen geschaffen:

In der JVA Wittlich im Sozialdienst, im psychologischen Dienst, für Altenpflegekräfte sowie für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. In der Justizvollzugsanstalt Diez gehe es dabei um den Sozialdienst und den psychologischen Dienst.

Von den dpa-Korrespondenten
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