Die Ansprüche an Ministerinnen und Minister machen die Position nicht attraktiver, sagt der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne. (Archivbild)
Franziska Höhnl/dpa-Zentralbild/dpa
Die Ansprüche an Ministerinnen und Minister machen die Position nicht attraktiver, sagt der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne. (Archivbild)
Schwierige Kabinettsumbildung

Will niemand mehr Minister werden? Fragen an einen Experten

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich auf der Suche nach einem neuen Verkehrsminister eine Abfuhr geholt. Auch sein künftiger Gesundheitsminister hatte Zweifel. Ist der Job unattraktiv geworden?

Die Kabinettsumbildung gestaltet sich für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schwierig. Der CDU-Finanzpolitiker Fritz Güntzler sagte dem Vernehmen nach erst für das Amt des Bundesverkehrsministers zu, überlegte es sich dann aber anders - und machte mangelndes Fachwissen geltend. «Ein Torwart sollte nicht Linksaußen spielen», hieß es aus Koalitionskreisen. Merz muss also weiter nach einem Nachfolger für Verkehrsminister Patrick Schnieder suchen.

Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann äußerte im vergangenen Jahr Zweifel, ob er als Gesundheitsminister Erfolg hätte. Heute traut sich Linnemann das Amt zu. Aber es bleibt die Frage: Ist es schwieriger geworden, Menschen für ein Ministeramt zu gewinnen? Der Chemnitzer Politologe Benjamin Höhne gab der Deutschen Presse-Agentur einige Antworten: 

Frage: Welche Fachkenntnis braucht man für ein Ministeramt?

Antwort: Persönliche Fachkenntnis ist nie verkehrt. Sie wird aber nie die gesamte Themenbreite eines Ministeriums abdecken können. Wichtiger sind politische und administrative Fähigkeiten. Man braucht politisches Verhandlungsgeschick, politische Durchsetzungskraft, insbesondere durch eine Hausmacht in der eigenen Partei, und Kommunikationsfähigkeiten. Die beiden ersten Eigenschaften bringen Seiteneinsteiger nicht mit und sind deshalb im parteipolitischen System der Bundesrepublik oft auch keine sonderlich erfolgreichen Minister.

Frage: Kritiker bemängeln bisweilen, bei der Verteilung von Regierungsämtern gehe es nur um Postenschieberei unter Parteikollegen. Ist da was dran? 

Antwort: Nein, die Personalsuche in der ersten Politikerreihe einer Partei ist ein übliches und bewährtes Verfahren. Vertrauen zum Kanzler ist für die Zusammenarbeit in der Bundesregierung essenziell.

Frage: Wird Ministern womöglich immer mehr abverlangt, so dass man sich das «nicht mehr antut»?

Antwort: Der Kommunikationsdruck, insbesondere in Social Media, und die Angriffe unterhalb der Gürtellinie, vor allem von Rechtsaußen, haben zugenommen. Beides macht diesen Job sicherlich nicht attraktiver.

Frage: Die Partei BSW hat die Idee einer «Expertenregierung», also Fachleute von außen. Wäre das eine bessere Lösung?

Antwort: Das kann eine Option in einer Situation sein, bei der die traditionelle Regierungsbildung über Parteien an Grenzen gerät. Allerdings müssen auch Expertinnen und Experten am Ende des Tages politische Entscheidungen treffen und knappe Ressourcen zuweisen. So kann ein bestimmter finanzieller Betrag eben nur einmal ausgegeben werden, zum Beispiel für die Sanierung der Straße oder eben der Schiene.

Zur Person: Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne (48) studierte in Trier und lehrte unter anderem in Berlin, Potsdam, Halle-Wittenberg und Magdeburg. Derzeit ist er Professor an der TU Chemnitz mit den Forschungsschwerpunkten Parteien, Partizipation und politische Einstellungen.

Von Verena Schmitt-Roschmann, dpa
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