Ein Modell des U-Boots der Klasse 212CD. (Archivbild)
Christian Charisius/dpa
Ein Modell des U-Boots der Klasse 212CD. (Archivbild)
Marineschiffbau

Vor Nato-Gipfel: Kanada bestellt U-Boote in Deutschland

Das Werben Deutschlands um eine transatlantische U-Boot-Partnerschaft ist geglückt. Was die High-Tech-U-Boote der Klasse 212CD so besonders macht und warum TKMS jetzt neue Jobs in Wismar schafft.

Milliardenauftrag aus Kanada vor dem Nato-Gipfel: Der Kieler Marineschiffbauer TKMS soll bis zu zwölf U-Boote nach Nordamerika liefern. Wie Premierminister Mark Carney in Halifax mitteilte, setzt Kanada auf eine Zusammenarbeit mit Deutschland. 

Der deutsche Hersteller stach bei dem Geschäft, das Arbeitsplätze an der Ostseeküste sichert, einen südkoreanischen Konkurrenten aus. Carney verkündete die Entscheidung vor seiner Abreise zum Gipfel des Bündnisses in Ankara.

Die Bundesregierung hatte sich mit Blick auf die gemeinsame Abschreckung Russlands sowie die Sicherheitslage im Atlantik und der Arktis wiederholt für das Geschäft starkgemacht. Allein Verteidigungsminister Boris Pistorius reiste mehrfach zu Gesprächen nach Kanada, zuletzt im Mai.

Für TKMS ist es der größte U-Boot-Auftrag in der Unternehmensgeschichte. Kanada erhält von der Werft U-Boote des Typs 212CD. Dieses Modell haben Deutschland und Norwegen für die gemeinsame Nutzung entwickelt. Die Buchstaben «CD» stehen dabei für das gemeinsame Design («Common Design»). Diese Baugleichheit soll die Kosten verringern und eine einfache Zusammenarbeit ermöglichen, der sich nun Kanada als dritter großer Partner anschließt. 

«Wir wollen Seite an Seite für Sicherheit sorgen im Nordatlantik, dem hohen Norden und ja auch der Arktis», hatte Pistorius beim Besuch einer kanadischen Rüstungs- und Sicherheitskonferenz erklärt. Dabei geht es um den Schutz von Kommunikations- und Handelswegen über den Atlantik sowie möglichen Nachschubrouten des Bündnisses.

Der SPD-Politiker sagte aber auch: «Es geht um eine strategische Partnerschaft mit Kanada.» Im Hintergrund laufen Gespräche über umfangreiche Gegengeschäfte als Teil eines Gesamtpakets, das die deutsch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen stärken soll. 

Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Das Verhältnis ist aber seit dem neuerlichen Amtsantritt von US-Präsident Donald Trumps schwer belastet. Neben Zöllen wird das Verhältnis auch von Trumps mehrfach geäußertem Wunsch strapaziert, Kanada als 51. Bundesstaat einzugliedern. 

Vor der Entscheidung gab es harten Wettbewerb 

In den vergangenen Wochen und Monaten hatte das Rüstungsunternehmen TKMS im Wettbewerb mit dem koreanischen Anbieter Hanwha Ocean sein Werben intensiviert und diverse Kooperationen mit kanadischen Unternehmen verkündet, um die eigenen Chancen zu erhöhen. Bereits bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen im Mai hatte sich TKMS-Chef Oliver Burkhard zuversichtlich gezeigt: «Ich gehe davon aus, dass wir das gewinnen.» 

Zum Auftragsvolumen machten weder Kanada noch TKMS Angaben. Dies dürfte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aber allein für die U-Boote inklusive Service auf rund 20 Milliarden Euro belaufen. Wartung und Betrieb eingerechnet gehe es für die nächsten Jahrzehnte um ein Finanzvolumen von 100 Milliarden kanadischen Dollar (rund 62 Mrd. Euro), berichteten kanadische Medien.

Boote sollen in Kiel und Wismar gebaut werden

TKMS zählt zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Nach früheren Angaben von TKMS will Kanada die ersten neuen Boote spätestens 2035 in Betrieb nehmen. Zuletzt hatte sich aber angedeutet, dass eine erste Auslieferung früher erfolgen könnte.

Die High-Tech-Boote will die Werft sowohl am Stammsitz in Kiel als auch in der zweiten Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern bauen. Dort will das Unternehmen bis zu 1.500 Arbeitsplätze schaffen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 9.100 Beschäftigte, darunter rund 3.300 in Kiel. Weiterer Standort neben Kiel und Wismar ist Itajaí in Brasilien.

Die Auftragsbücher des Unternehmens waren bereits vor dem Rekordauftrag aus Übersee gut gefüllt. Die Werft profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Rüstungsgütern. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres - von Oktober 2025 bis März 2026 - erreichte der Auftragsbestand 20,6 Milliarden Euro. Das war bereits ein neuer Höchstwert. Bereits damit war TKMS bis in die 2040er Jahre hinein ausgelastet.

Neue U-Boot-Klasse

Durch die Bestellung erhöht sich die Zahl der Aufträge für die neue Klasse 212CD auf 24. Für Deutschland und Norwegen baut die Werft bereits jeweils sechs U-Boote. 

Deutschland nutzt aktuell sechs U-Boote der Vorgängerklasse 212A, die 56 Meter lang sind. Die neuen U-Boote werden dagegen etwa 72 Meter lang sein. Die neue Klasse verfügt über eine verbesserte Sensorik für die Erkennung möglicher Gegner unter und auf dem Wasser. Die Boote sollen mit jeweils 30 Besatzungsmitgliedern fahren. Sie sind laut TKMS speziell für den Einsatz in der Arktis und unter Eis ausgelegt.

Umsatz wächst bei TKMS - große Investitionen 

In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz bei TKMS um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, weil Aufträge nach Plan erfüllt worden seien. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern nahm bereinigt um 14 Prozent auf 60 Millionen Euro zu. Unter dem Strich verdiente TKMS 27 Millionen Euro, was einem Rückgang um 41 Prozent entsprach. Der Gewinnrückgang ist die Folge von Investitionen in den Ausbau des Unternehmens, etwa für Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb.

Von Carsten Hoffmann und André Klohn, dpa
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