Bereits im Sommer 2024, als sich Trump im Wahlkampf um die Präsidentschaft mit der Demokratin Kamala Harris konfrontiert sah, setzte er auf diese Strategie: «Alles, was wir tun müssen, ist, unseren Gegner als Kommunisten oder Sozialisten definieren oder als jemanden, der unser Land zerstören wird.»
Historiker Dallek hält die Bezeichnung linker Demokraten als Kommunisten für unzutreffend. Dennoch geht er davon aus, dass dadurch die Vorstellung heraufbeschwört wird, dass es sich um radikale linke Personen handle. «Ich denke, es impliziert, dass sie irgendwie unamerikanisch sind», sagt er.
Was denken die Menschen in den USA?
Um sich der Frage anzunähern, ob oder in welchem Ausmaß das Bedrohungsszenario in der amerikanischen Wählerschaft auf fruchtbaren Boden treffen könnte, hilft ein Blick auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des britischen Magazins «The Economist».
Die nach Angaben des Instituts repräsentative Befragung unter rund 1.600 erwachsenen US-Bürgerinnen und Bürgern ergab Mitte Juli, dass nur eine Minderheit von knapp einem Fünftel Kommunisten in den USA aktuell für eine große Bedrohung hält. Jeweils etwa ein Viertel sieht darin demnach eine mäßige beziehungsweise geringe Bedrohung, während ein Drittel der Befragten keinerlei Gefahr ausmacht. Aufgeschlüsselt nach verschiedenen Gruppen zeigt sich folgende Tendenz: Vor allem ältere und konservative Befragte halten Kommunisten in den USA eher für eine große Bedrohung.
Experte: Trump- und Wechselwähler könnten beeinflusst werden
Historiker Dallek, der auch Wahlkämpfe untersucht, geht davon aus, dass die Warnung vor einer angeblichen kommunistischen Bedrohung Trumps Kernwählerschaft mobilisieren könnte. «Manchmal gehen Trump-Wähler nicht zur Wahl, wenn er nicht auf dem Stimmzettel steht», sagt er über den US-Präsidenten. Dallek hält es für möglich, dass Trump-Anhänger sich entscheiden, wählen zu gehen, weil sie befürchten, dass ein «Kommunist» oder «Sozialist» gewinnen werden könnte.
Bei den Wahlen Anfang November wird das gesamte Repräsentantenhaus und rund ein Drittel des Senats neu gewählt. Aktuell halten Trumps Republikaner in beiden Parlamentskammern knappe Mehrheiten. Sollte sich das auch nur in einer der Kammern ändern, können Demokraten Gesetzesvorhaben blockieren und Trumps Regierung mit Ermittlungen in Ausschüssen unter die Lupe nehmen.
Was ist wichtiger: Angst vor Kommunismus oder hohe Benzinpreise?
Experte Dallek weist neben Trump-Anhängern noch auf eine zweite Gruppe, die die Strategie möglicherweise beeinflussen könnte: Wechselwähler. Ihre von beiden großen Parteien umkämpften Stimmen sind oft die, auf die es am Ende ankommt. Das Etikett «Kommunist» könnte einige von ihnen dazu bewegen, sich gegen die Demokraten zu entscheiden, um kein Risiko einzugehen.
Trump will mit seiner Strategie Kritikern zufolge auch von eigenen Problemen wie seinem unpopulären Iran-Krieg, seiner umstrittenen Zollpolitik und der hohen Inflationsrate ablenken. Für die infolge des Iran-Kriegs deutlich höheren Benzinpreise, auf die viele Wähler sehr genau gucken, dürfte Trump jedenfalls kaum das Feindbild Kommunismus verantwortlich machen können.
Von Franziska Spiecker, dpa
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