Seine erste eigene Boutique eröffnete Roberto Cavalli 1972 im südfranzösischen Saint-Tropez.
Luca Bruno/AP/dpa
Seine erste eigene Boutique eröffnete Roberto Cavalli 1972 im südfranzösischen Saint-Tropez.
Meister der «Animal Prints»

Italienischer Modedesigner Roberto Cavalli gestorben

Schlangenleder und Tigerfell - «Animals Prints» waren Roberto Cavallis Markenzeichen. Überhaupt hatte der Italiener ein Faible für Protz und exotische Muster. Nun ist der Designer gestorben.

Tierfell-Muster und exotische Optiken galten als das Markenzeichen von Roberto Cavalli. Insbesondere mit den sogenannten «Animal Prints» war der italienische Modemacher weltbekannt geworden. Seine Kleider mit ausgefallenen Mustern zierten in seiner mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden Karriere den Jetset. Mit seinem Faible für knallige Farben, erotische Schnitte und auch für Leder und Fell machte er sich in der Modewelt einen Namen. Der Italiener ist am Freitag im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

«Mit großer Trauer nehmen wir heute endgültig Abschied von unserem Gründer», hieß es in einem Instagram-Post des Modeshauses Roberto Cavalli. Cavallis Erbe werde durch seine Kreativität, seine Liebe zur Natur und seine Familie weiterleben. «Ruhe in Frieden, du wirst vermisst werden und du wirst von so vielen geliebt, dass dein Name weiterleben wird, ein Leuchtfeuer der Inspiration für andere und besonders für mich», schrieb der Creative Director, Fausto Puglisi.

Bereits seit geraumer Zeit sei Cavalli krank gewesen, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Sein Gesundheitszustand hatte sich demnach in den vergangenen Tagen verschlechtert, nun sei er im Kreise seiner engsten Familie gestorben.

Dazu gehören neben seiner schwedischen Lebenspartnerin Sandra Bergman Nilsson, mit der er seit etwa 15 Jahren zusammen lebte, seine insgesamt sechs Kinder. Vor knapp einem Jahr bekamen Bergman Nilsson und Cavalli noch ein Kind. Der Modeschöpfer war mehrfach verheiratet.

Armani zollt Respekt

Auch die internationale Modewelt trauert um eines ihrer bekanntesten Gesichter. «Roberto Cavalli war ein wahrer Künstler, wild und wunderbar in seiner Verwendung von Drucken, fähig, die Fantasie in verführerische Kleidung zu verwandeln», schrieb der Star-Designer Giorgio Armani auf der Online-Plattform X (vormals Twitter).

Er könne sich zwar keine Vision von Mode vorstellen, die weiter von seiner entfernt sei als die von Roberto. Dennoch habe Armani immer enormen Respekt für sein künstlerisches Werk gehabt.

«Meine Kleider waren natürlich nie vulgär»

Anders als viele seiner Kollegen wagte sich Cavalli, der bei kaum einem Anlass auf seine Sonnenbrille verzichtete, an schrille, exzentrische und erotische Muster und Schnitte heran. Seinen Kritikern war seine Mode zu ordinär und vulgär. Protz prägten seinen Stil: Ob Schlangenleder- und Tigerfell-Muster oder glitzerndes Bling-Bling - das war Roberto Cavalli.

Seine Liebe für Tiermuster erklärte Cavalli so: «Ich kopiere das Kleid eines Tieres, weil ich es liebe, Gott zu kopieren. Ich denke, Gott ist der fantastischste Designer.»

Auf die Kritik reagierte er gelassen. «Meine Kleider waren natürlich nie vulgär. Es kommt darauf an, wie man sie trägt. Wenn eine Frau vulgär im Kopf ist, kann auch das Kleid vulgär aussehen», sagte er einmal in einem Interview vor einigen Jahren.

1940 kam der nun verstorbene Modemacher in Florenz zur Welt. Bereits früh interessierte er sich für Mode. In seiner Familie spielte Kunst und Kreativität eine große Rolle. So gehörte sein Großvater Giuseppe Rossi zur Malergruppe Macchiaioli, deren Bilder die Uffizien zieren.

Brigitte Bardot war eine der ersten Kundinnen

Der Italiener verlor bereits als Kind seinen Vater Giorgio. Dieser war ein Vermesser und war 1944 im Zuge einer Racheaktion der deutschen Wehrmacht als Zivilist erschossen worden. Er wuchs daraufhin bei seiner Mutter unter ärmlichen Verhältnissen auf.

Im Alter von 17 Jahren schrieb sich Cavalli am Kunstinstitut seiner Heimatstadt ein. Mit 30 präsentierte er seine erste Prêt-à-porter-Kollektion. Seine erste eigene Boutique eröffnete der Italiener 1972 im südfranzösischen Saint-Tropez. Eine seiner ersten Kundinnen war dort die Schauspielerin Brigitte Bardot. Danach gelang es ihm auch, die Aufmerksamkeit des internationalen Jetsets auf sich zu ziehen.

Nur zeitweise Außenseiter

Die 1980er-Jahre erlebte er jedoch als Außenseiter der Haute Couture. Seine schrillen Kreationen passten nicht zu der Mode, die damals im Trend lag. Aber in den 1990er-Jahren gelang ihm ein Comeback. Er verbreiterte sein Sortiment, brachte ein Jeans-Label auf den Markt, Männerlinien und Kinderkollektionen, Schuhe, Accessoires und Bademoden.

Vor allem die Serie «Just Cavalli» war wieder bei Stars beliebt. Die Sängerinnen Shakira und Victoria Beckham trugen seine Kleidung. Nach der Jahrtausendwende kommerzialisierte er seine Marke weiter und eröffnete zahlreiche Boutiquen und Stores.

2007 entwarf er die Outfits für die Spice Girls und präsentierte in Zusammenarbeit mit der schwedischen Marke H&M eine Kollektion für ein breites Publikum. Vor etwa zehn Jahren geriet sein Unternehmen jedoch in stürmische Fahrwasser. 2016 verkaufte Cavalli das Unternehmen an einen Finanzinvestor.

Von Robert Messer, dpa
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