«Es gibt neue Arrangements und Projekte, die einfach nur herumliegen und Staub ansetzen», erzählte er gerade in einem auf seiner Website veröffentlichten Interview. «Der Vertrieb kann nur eine bestimmte Menge auf einmal bewältigen. Zwei Platten pro Jahr wäre schwierig, eine ist machbar.»
Zuletzt veröffentlichte er im Juni «Remembering Now», sein erstes Album mit Eigenkompositionen seit drei Jahren. Auch diese Songs hatten schon eine Weile herumgelegen. «Das hätte schon vor langer Zeit herauskommen sollen», berichtete Morrison. «Es liegt einfach an Prioritäten und dem richtigen Timing.»
Musikalischer Workaholic
Nur wenige Musiker sind auf ihre alten Tage so produktiv wie George Ivan Morrison. Der Sänger, der am 31. August 1945 in Belfast geboren wurde, war schon immer eine Art Workaholic. Eine wahrnehmbare längere Pause gab es für ihn kaum, seit sein Vater dem damals Elfjährigen eine Gitarre kaufte und damit den Grundstein für eine große Musikerkarriere legte.
Schon im zarten Alter von zwölf Jahren gründete Morrison seine erste Band. Nach der Gitarre lernte er Saxofon zu spielen. Später kam der Gesang dazu - und das eher unbeabsichtigt. «Ursprünglich war ich gar kein Sänger, aber niemand anders konnte singen», erzählte Morrison dem «Independent», «so wurde ich dann der Leadsänger.»
Die umfangreiche Plattensammlung des Vaters - mit allem von Blues, Gospel und Jazz bis zu Folk und Country - war eine wichtige Inspiration. Seine Vorbilder hießen Mahalia Jackson, Ray Charles und Muddy Waters, aber auch Woody Guthrie und Hank Williams.
Keine Kopie von einer Kopie
Mit der Zeit entwickelte er seinen eigenen Stil. «Niemand will eine Kopie von einer Kopie», betonte er im «Guardian», «man muss der Musik seinen eigenen Stempel aufdrücken.» Das ist dem Eigenbrötler, der mitunter als stur und verschwiegen wahrgenommen wird, gelungen. Vielen gilt Morrison als der beste weiße Rhythm-&-Blues-Sänger.
Die Schule beendete Morrison ohne Abschluss. Sein Geld verdiente er zunächst als Fensterputzer. Später sang er darüber. Doch schnell trug sein musikalisches Talent erste Früchte. Mit der Gruppe The Monarchs tourte «Van The Man» schon als Teenager durch Deutschland. In Köln nahmen sie sogar eine erste Single auf. Als Bezahlung soll es Cognac gegeben haben.
Später gelangen Morrison mit der von ihm gegründeten Band Them trotz mehrerer Besetzungswechsel in zwei Jahren einige Hits, darunter «Here Comes The Night», «Mystic Eyes» und die Coverversion des Bluesklassikers «Baby, Please Don't Go». Deren B-Seite «Gloria» wurde ein Überraschungserfolg. Jimi Hendrix, Patti Smith und die Doors, die zeitweise Vorband von Them waren, coverten «Gloria» später.
Schwerer Start als Solokünstler
Mit «Brown Eyed Girl» gelang ihm 1967 der erste eigene Hit. Doch der Start in die Solokarriere war beschwerlich. Morrison war fast pleite, als 1968 sein zweites Album «Astral Weeks» erschien. Die progressive Mischung aus Folk, Jazz und Soul klang zwar ganz anders als das launige «Brown Eyed Girl», doch sie wurde ein Erfolg und gilt als wegweisend für Morrisons Karriere.