Unverkennbarer Stones-Sound
Vom Start weg hat die neue Platte den unverkennbaren Stones-Sound. Los geht es mit dem krachenden Bluesrocker «Rough And Twisted», mit dem Jagger und Co. zu ihren musikalischen Anfängen zurückkehren.
Darauf folgt die stadiontaugliche Midtempo-Hymne «In The Stars» mit ihrem lebensbejahenden Refrain und einem Gitarrenriff, das irgendwie vertraut klingt, zwischen «Start Me Up» und «Rock And A Hard Place». So poppig klangen die Stones schon lange nicht mehr.
Typisch für die Stones ist die neue Platte äußerst vielseitig. «Man möchte möglichst viele verschiedene Stilrichtungen auf einem Album haben», erklärt Jagger das Rezept dafür, dass ein Album frisch und zeitlos klingt. In diesem Fall sei das «Rock, Dance, Country, Balladen und alles dazwischen.»
Die markanteste Dance-Hymne des Albums ist «Never Wanna Lose You», angetrieben von einer pulsierenden Basslinie und einem unwiderstehlichen Groove. Hingegen ist «Hit Me In The Head» ein krachender Rocksong.
Erinnerung an Brian Wilson und politische Untertöne
«Back in Your Life» ist eine melancholische, emotionale Ballade. Bei seinem ausgedehnten Gitarrensolo wurde Wood vom Tod zweier seiner Helden inspiriert - Beach Boy Brian Wilson und Soullegende Sly Stone.
«Beide waren wichtige Einflüsse in meinem Leben und es war ein schwerer Verlust, dass sie beide in einer Woche gestorben sind», so Wood. «Ich dachte vor allem an Brian. Und auf einmal war es, als würde die Gitarre für mich wie von selbst spielen.»
Nach langer Zeit sind auch wieder politische Untertöne vernehmbar. Die Country-Folk-Ballade «Ringing Hollow» wirkt zunächst wie ein gewöhnliches Liebeslied - bis man feststellt, dass es sich bei der Verflossenen um die USA handelt. «Lady Liberty sieht nicht so gut aus, wenn sie das Gesicht verzieht», singt Jagger.
Zudem erlaubt er sich bei «Mr Charm» einen Seitenhieb gegen den «verrückten Mogul Mr. Musk».
Der Schwung der 60er Jahre
2023 begeisterten die Rolling Stones mit «Hackney Diamonds», ihrem ersten Studioalbum seit 18 Jahren. Nur drei Jahre später ist «Foreign Tongues» sogar noch stärker. «Genau das brauchen wir», sagt Ronnie Wood, «den alten Schwung, den die Stones damals in den Jimmy-Miller-Zeiten hatten.» Miller produzierte einst Klassiker wie «Let It Bleed» (1969) und «Exile on Main St.» (1972).
Für das 25. Stones-Album stand - wie schon bei «Hackney Diamonds» - Topproduzent Andrew Watt an den Reglern. Der 35-Jährige produzierte auch das jüngste Album von Paul McCartney, «The Boys of Dungeon Lane». Der Ex-Beatle gastiert auf «Foreign Tongues» und spielt Bass bei «Covered in You».
Watt bringe jugendliche Energie, Begeisterung und musikalisches Know-how mit, schwärmt Wood. «Er kann das, was er sagt, auch musikalisch untermauern. Er kann ein wenig singen und ein paar Instrumente spielen. Er weiß also, wovon er spricht - deshalb hören wir auf ihn.»