Wenn Englands Fußballer bei der WM ein Spiel gewinnen, ist «Wonderwall» nicht weit. Der Kult-Song der Britpop-Band Oasis dröhnt aus den Boxen, Zehntausende Fans auf den Rängen singen leidenschaftlich mit, auch Kapitän Harry Kane und seine Teamkollegen kosten den besonderen Moment aus. Das erste spontane gemeinsame Singen des Songs sei «einer meiner schönsten Momente überhaupt im England-Trikot» gewesen, sagte Kane in einem Podcast.
Der Hit aus den Neunzigern ist so populär wie Oasis selbst. Was gar nicht so viele wissen: Die legendären Brüder Liam und Noel Gallagher haben selbst so ihre Probleme mit der Hymne, die England nun zum ersehnten ersten Titel seit 1966 begleiten soll. Die besten Geschichten um «Wonderwall» und seine Schöpfer:
Die Widmung von «Wonderwall» war eine Notlüge
«Because maybe, you're gonna be the one that saves me. But after all, you're my wonderwall»: Der Songtext von «Wonderwall» handelt von der Hoffnung, dass eine besondere Person Halt gibt und einen emotional retten könnte. Die Zeilen stammen von Noel Gallagher. Der erzählte einst, der Song sei seiner damaligen Freundin und späteren Frau Meg Mathews gewidmet. Eine Notlüge, wie er Jahre später (und nach der Scheidung) der BBC anvertraute: Die Medien hätten ihm die Deutungshoheit genommen. «Und wie sagt man seiner Frau, dass es nicht von ihr handelt, wenn sie es einmal gelesen hat?»
Die Gallaghers selbst mögen das Lied (eigentlich) nicht besonders
Liam Gallagher sagte dem «Far Out Magazine» einmal: «Am Anfang mochte ich den Song nicht. Ich fand ihn irgendwie seltsam.» Selbst der Songschreiber, sein Bruder Noel, fremdelt bis heute: Auf die Frage, warum er glaube, dass ausgerechnet «Wonderwall» als erster Oasis-Hit die eine Milliarde Streams geknackt habe, sagte er dem Magazin «MOJO»: «Ich habe keine Ahnung. Das ist kaum zu glauben. "Wonderwall" ist einer meiner am wenigsten geliebten Songs, weil er nicht fertig ist. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich wahrscheinlich einen anderen Song als unser Markenzeichen auswählen. Wahrscheinlich "Some Might Say".»
Nach dem Zittersieg der Engländer gegen die DR Kongo schrieb Liam Gallagher aber: «Komm schon, England. Komm schon, "Wonderwall".» Noel sagte der «Sun» schon nach dem ersten WM-Spiel: «"Wonderwall" gehört den Menschen und es war ein magischer Moment zwischen den Menschen und den Spielern.»