So politisch bleibt es nicht, viele Songs schlagen eine ganz andere Richtung ein. Da geht es um die Methoden, sein Leben zu ruinieren; um Leute, die einen hart nerven; um die abnehmende Lust auf Sex oder den Moment, in dem man sich an der Supermarktkasse verliebt, zumindest für den Augenblick.
Farin Urlaubs neues Album ist kein durchkomponiertes Gesamtwerk, sondern besteht aus einzelnen Songs, die er selbst eingespielt hat. «Es ist ein Reisealbum, ohne dass ich es so benannt habe. Aber es ist an drei unterschiedlichen Orten und spontan entstanden», erzählt er.
Sonst habe er bei einem Album zwei, drei Monate nichts anderes gemacht, als jeden Tag ins Studio zu gehen. «Diesmal habe ich einen Song gemacht, dann eine lange Pause, und dann ist mir der nächste eingefallen, und so weiter. Das war sehr interessantes und schönes Arbeiten.»
«Wir sterben alle irgendwann»
Stark ist etwa «Sonnenschein im Februar». «Die Sonne scheint und ich warte hier auf dich, vielleicht kommst du ja, vielleicht kommst du auch nicht», heißt es darin. Die Sonne tauche die Welt in zauberhaftes Licht. «Der Tag fängt jetzt schon gut an, ich hab ein Lächeln im Gesicht...» und «während ich hier warte, denke ich daran: Wir sterben alle irgendwann.»
Denkt er inzwischen häufiger über den Tod nach? «Es beschäftigt mich nicht ständig. Aber es ist schon so, dass ich jetzt mal mein Testament geschrieben habe», sagt der Musiker. Über die Jahre seien viele Leute gestorben, die ihm nahe gestanden hätten. «Als junger Mensch habe ich das immer weit weggeschoben. Aber darüber nachzudenken, finde ich eigentlich gut, weil es mich auch zwingt, die Sachen, die mir wirklich wichtig sind, jetzt zu machen, solange ich noch kann.»
Wie geht es weiter mit den Ärzten?
Mit den Ärzten geht es 2027 wieder auf Tour. Ob die Band auch nochmal ein Album herausbringen wird? Das bleibt offen. Die Toten Hosen haben neulich ihr letztes Album herausgebracht. Das allererste Lied auf dem Album hat dann tatsächlich Farin Urlaub eingesungen. «Und auch geschrieben», wie er betont. «Das war mein Wunsch.»
Er habe den Toten Hosen zwei Songs geschickt und - «kleine Exklusivinformation: Der andere Song ist jetzt auf meinem Soloalbum.» Welcher Song es ist, verriet er nicht. Es sei ein relativ kurzer Punksong gewesen, den er noch verlängert habe, damit man es nicht ganz leicht rausbekomme.
Wenn Urlaub nicht auf der Bühne steht oder neue Musik macht, dann reist er viel, daher auch der Künstlername, den er sich damals gab. In mehr als 150 Ländern ist er gewesen. Musik werde er wahrscheinlich bis zu seinem Tod machen, sagt Urlaub. Ob er die Musik in Zukunft noch rausbringen müsse, wisse er nicht, das werde auch dieses Album ein bisschen mitentscheiden.
Von Julia Kilian, dpa
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