Die Vorführung des 70-mm-Imax-Films ist aufwendig. (Archivbild)
Petr David Josek/AP/dpa
Die Vorführung des 70-mm-Imax-Films ist aufwendig. (Archivbild)
Kino

Wie Nolan es sich vorstellt? Hype um das «Odyssee»-Format

Christopher Nolan setzt bei «Die Odyssee» auf analoge Filmtechnik. Doch nur wenige Kinos können das Originalformat zeigen. Jetzt fragen sich viele: Wie kann man das Filmepos nun am besten schauen?

Gerade läuft «Die Odyssee» von Christopher Nolan in den Kinos und viele Vorstellungen sind schon ausverkauft, teilweise Wochen im Voraus. Doch fast so viel wie um den Inhalt diskutieren Menschen momentan darüber, in welchem Kino und in welchem Format man das Epos bloß schauen sollte. 

In den sozialen Medien kursieren viele Memes und Videos dazu. Manche machen sich zum Beispiel darüber lustig, «Die Odyssee» einfach auf dem Bildschirm einer kleinen Küchenwaage oder durch ein Mikroskop zu schauen. Dazu schreiben sie: «As Nolan intended», auf Deutsch: «Wie Nolan es beabsichtigt hat».

Das ist natürlich eine ironische Anspielung auf das tatsächliche Wunschformat des Hollywood-Regisseurs («Interstellar», «Oppenheimer»). Denn Nolan hat «Die Odyssee» auf Imax-70mm-Film gedreht, also analog mit speziellen Kameras. Dieses Format zeigen nur noch wenige Kinos auf der Welt. 

Dem Film und dem Unternehmen Imax beschert dieser Meta-Hype um das vermeintlich beste Format gerade viel Aufmerksamkeit. Doch kann man in Deutschland das Epos so sehen, wie es sich Nolan vorstellt? Muss man das überhaupt? Einige Fragen und Antworten.

Wie hat Nolan «Die Odyssee» überhaupt gedreht?

Nolan gilt als Liebhaber des analogen Films. «Die Odyssee» drehte der Regisseur vollständig mit besonderen Filmkameras des Unternehmens Imax. Das gilt allgemein als schwieriges und sehr kostspieliges Unterfangen, da die Kameras laut und schwer sind. 

Nolan ließ für den Dreh eine Art Schallschutzsystem um die Kamera bauen, damit auch Dialogszenen aufgenommen werden konnten. Das Budget für den beinahe drei Stunden dauernden Film soll angeblich bei 250 Millionen US-Dollar liegen. 

Hauptdarsteller Matt Damon erklärte der Deutschen Presse-Agentur, wie die Dreharbeiten für ihn abliefen. Es sei technisch anspruchsvoller gewesen, weil die Kameras laut seien. «Das kann ablenkend sein, besonders wenn man zum ersten Mal damit arbeitet. Es fühlte sich so an, als wäre ich wieder 17 Jahre alt und stünde zum ersten Mal am Set.»

Hinzu kommt der hohe Filmverbrauch, denn eine Imax-Filmrolle ist nur rund zweieinhalb bis drei Minuten lang. «Wenn man also eine Szene dreht, in der man fünf, sechs oder sieben Minuten miteinander spricht, muss die Kamera zwei- oder dreimal neu geladen werden, nur um überhaupt einen einzigen Take der Szene aufnehmen zu können», so Damon. 

Was ist Imax? 

Imax ist ein Kinoformat, mit dem Filme besonders groß und detailreich auf der Leinwand gezeigt werden können. Dazu gehören etwa spezielle Kameras für die Aufnahme, aber auch Projektoren, Leinwände und Tonsysteme. Das gleichnamige, in den 60ern gegründete Unternehmen will laut eigenen Angaben «das weltweit intensivste Kinoerlebnis» schaffen.

Die meisten Imax-Kinos weltweit arbeiten mit digitalen Projektoren. Nur noch rund 40 hingegen können Filme bei der Imax-Vorführung auf klassischem 70mm-Film zeigen, wie Nolan es bevorzugt. Dabei läuft eine Filmrolle durch den Projektor. Diese analoge Technik gilt als besonders aufwendig und als Nischenformat. Die meisten dieser Filmtheater gibt es in Nordamerika.

Was bedeutet 70 mm? 

70 Millimeter bezeichnet ein analoges Filmformat, das deutlich breiter als ein klassischer 35mm-Film ist. Nur noch wenige Kinos in Deutschland können das Format in ihren Sälen projizieren, darunter die Lichtburg in Essen und der Zoo Palast. Das Berliner Filmtheater schreibt auf seiner Internetseite, 70 mm werde von vielen Filmfans als hochwertiger empfunden, da das Bild organischer wirke, mehr Tiefe besitze und eine besondere Detailfülle zeige. Notwendig seien spezielle Projektoren, erfahrenes Personal und aufwendig hergestellte Filmkopien, weshalb 70mm-Vorstellungen heutzutage selten seien.

Kann ich «Die Odyssee» hier so schauen, wie Nolan es sich vorstellt? 

Die kurze Antwort lautet: nein. In Deutschland kann kein Film derzeit auf Imax-70mm-Film im Bildformat 1,43:1 im Kino gezeigt werden. Dafür gibt es andere Möglichkeiten, die Irrfahrten des Odysseus hierzulande zu sehen. Viele Filmtheater zeigen das Epos zum Beispiel im digitalen Imax-Format, in Dolby Cinema, einige auch auf analogem 70mm- beziehungsweise 35mm-Film.

Der vielleicht wichtigste Unterschied bei den verschiedenen Formaten liegt im Bildausschnitt. Auf der Internetseite des Films kann man sich anschauen, wie sich der Ausschnitt je nach Format verändert. Bei 70mm- oder 35mm-Vorführungen fallen etwa die Seitenverhältnisse schmaler im Vergleich zum Original aus, dafür hat man immerhin das analoge Erlebnis.

Sollte man den Film im Originalformat sehen - und wie begehrt sind diese Vorstellungen?

Darüber wird gerade diskutiert. Einige Medien haben sogar Ratgebertexte geschrieben, wie man den Film denn nun schauen kann. Als Cineast und Analog-Fan dürfte man sich über das Originalformat wohl am meisten freuen. Allerdings sind die Tickets für den Kinobesuch teurer und derzeit oft über Wochen ausverkauft. Außerdem müsste man von Deutschland aus reisen: In Europa verfügen nur wenige Kinos über die speziellen Projektoren, darunter etwa in Brüssel, Prag und London. Viele Fans zieht es in diese Städte.

Ein Autor des Magazins «Forbes» fasst es daher pragmatisch zusammen: «Letztendlich ist dies ein Film, den man im Kino sehen sollte – nicht zu Hause und nicht auf dem Handy. Wenn Sie also Ihr Sofa verlassen und sich den Film ansehen, egal in welchem Format, haben Sie die richtige Entscheidung getroffen». 

Eine Autorin der «Los Angeles Times» sieht das ähnlich. Sie schreibt in Anspielung auf eine Filmszene: Wenn sie noch von einer Person höre, die behaupte, man könne «Die Odyssee» nur in Imax-70 mm wirklich erleben, fange sie an, «Cineasten in Schweine zu verwandeln». 

Selbst wenn das Format wunderbar für Filmfans sei, führt sie aus, sei es kein tragfähiges Geschäftsmodell, Filme sollten für alle zugänglich sein. «Die Odyssee» sei - egal in welchem Format -, ein «episches Abenteuer mit emotionalen Untertönen».

Wieso zeigen eigentlich nur wenige Kinos Filme auf Imax-70 mm?

Imax-Chef Richard Gelfond sagte dem US-Magazin «Variety», das Problem sei, dass seit etwa 50 Jahren keine neuen Imax-Filmprojektoren für das spezielle Format hergestellt würden. Deshalb rüste man die noch vorhandenen entsprechenden Filmprojektoren nach und baue sie um. «Ein Teil unserer Strategie besteht darin, zu prüfen, wie weit wir damit kommen können», sagte er.

Wie häufig kommt es vor, dass analog gedreht wird?

Analoge Imax-Kameras sind aufwendig in der Handhabung, weshalb sie eher selten zum Einsatz kommen. Abgesehen vom speziellen Imax-Format werden Filme immer mal wieder auf andere Weise analog gedreht. Dazu gehören etwa der Oscar-Gewinner aus dem Jahr 2025 «Anora» von Sean Baker oder Brady Corbets «The Brutalist». Auch der Politthriller «One Battle After Another» von Paul Thomas Anderson, der dieses Jahr bei den Oscars gewann, wurde analog gedreht.

Von Sabrina Szameitat, dpa
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