«Ticket ins Leben»: Komödie über die zweite Chance
Ein berühmter Chansonsänger auf dem Weg in die Schweiz, um sein Leben zu beenden – und eine chaotische Begegnung im Zug: «Ticket ins Leben» ist ein Film über eine Reise, die alles infrage stellt.
Ein berühmter Chansonsänger auf dem Weg in die Schweiz, um sein Leben zu beenden – und eine chaotische Begegnung im Zug: «Ticket ins Leben» ist ein Film über eine Reise, die alles infrage stellt.
Antoine Toussaint plant eine Reise dorthin, wo andere Urlaub machen: Genf. Sein Ziel ist aber kein Hotel, sondern eine Klinik – der Ort, an dem er sein Leben beenden will. Was als stiller Rückzug gedacht ist, wird jedoch schon im Zug nach Genf jäh unterbrochen: Victoire, eine impulsive Gefängnisinsassin im Hafturlaub, setzt sich ungefragt ihm gegenüber.
«Ticket ins Leben» handelt von Themen wie Krankheit, Lebensmüdigkeit, psychischer Erschöpfung und der Frage nach Selbstbestimmung am Lebensende, ohne sich im Dramatischen zu verlieren. Stattdessen setzt der französische Regisseur Jean-Pierre Améris («Die Sprache des Herzens», «Die anonymen Romantiker») auf Leichtigkeit, Humor und ein unerwartetes Chaos.
Krasse Gegensätze
Améris erzählt eine klassische «Gegensätze ziehen sich an»-Geschichte: Antoine, einst gefeierter Chansonsänger, stürzt nach einem Schlaganfall auf der Bühne in eine tiefe Lebenskrise und rutscht in eine Depression. Überzeugt davon, nie wieder auftreten zu können, reist er in die Schweiz – mit dem festen Entschluss, seinem Leben durch assistierten Suizid ein Ende zu setzen.
Victoire hingegen ist das pure Gegenteil: impulsiv, unberechenbar und voller überschäumender Energie. Aus Liebe zu ihrer Tochter überfällt sie mit einer Plastikpistole ein Juweliergeschäft, um ihr ein Schmuckstück zum 18. Geburtstag zu schenken, und macht sich anschließend auf den Weg zu deren Hochzeit – zu der sie allerdings nicht eingeladen wurde, weil sich die Tochter für ihre Mutter schämt.
Ein Zug und unendlich viel Chaos
Die größte Stärke des Films liegt klar im Zusammenspiel seiner beiden Hauptdarsteller. Valérie Lemercier («Aline - The Voice of Love») bringt als Victoire eine Mischung aus Energie, Verletzlichkeit und kontrolliertem Wahnsinn auf die Leinwand, die ihre Figur trotz aller Exzentrik glaubwürdig hält.
Gérard Darmon («Asterix & Obelix: Mission Kleopatra») hingegen spielt Antoine als gebrochenen, erschöpften Künstler, der sich langsam wieder ins Leben zurücktasten muss. Das Duo liefert sich pointierte Wortgefechte zwischen Zynismus, schwarzem Humor und verrückten Situationen.
Eine fragile Balance
«Ticket ins Leben» ist ein Film voller Widersprüche – und genau darin liegt seine Stärke, aber auch seine Schwäche. Améris wagt sich an ein heikles Thema: den Wunsch zu sterben, erzählt als romantische Komödie und zugleich als Liebeserklärung ans Leben. Dieses fragile Gleichgewicht gelingt nicht immer. Manchmal wirkt der Film fast zu vorsichtig, als wolle er niemanden verstören.
Améris setzt auf Menschlichkeit, auf verletzte Figuren, die sich gegenseitig zurück ins Leben ziehen. «Ticket ins Leben» (im Original «Aimons-nous vivants») ist weniger ein tiefgreifender Film über Sterbehilfe als vielmehr eine romantische Komödie über die Kraft menschlicher Begegnungen und die Möglichkeit eines Neuanfangs – und genau daraus bezieht er seinen Charme, auch wenn er nicht durchgehend überzeugt.
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