Die Oscars wurden in Los Angeles verliehen.
Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
Die Oscars wurden in Los Angeles verliehen.
Film

Politthriller «One Battle After Another» holt sechs Oscars

Gleich sechs Auszeichnungen gehen an den Politthriller von Paul Thomas Anderson, der von militanten Aktivisten in den USA erzählt. Der Vampirfilm «Blood & Sinners» verpasst dagegen den Rekord.

Der Politthriller «One Battle After Another» von Paul Thomas Anderson hat gleich sechs Oscars gewonnen, darunter den Oscar als bester Film. Das Werk mit Schauspieler Leonardo DiCaprio erzählt von militanten linken Aktivisten in den USA, die vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen angeführt werden.

Regisseur Anderson wurde damit nach etlichen Nominierungen erstmals selbst ausgezeichnet - sowohl als bester Regisseur als auch für das beste adaptierte Drehbuch. Mit 13 Nominierungen war der Film als einer der Favoriten ins Rennen gegangen.

Noch mehr Nominierungen hatte das Vampirdrama «Blood & Sinners» - das Südstaatendrama von Regisseur Ryan Coogler hatte 16 Nominierungen, so viele wie kein anderer Film in der Geschichte. Der Film gewann schließlich fünf Auszeichnungen, etwa für das beste Originaldrehbuch, die beste Filmmusik und den besten Hauptdarsteller Michael B. Jordan.

Wer die Schauspielpreise gewonnen hat

Jordan spielt in «Blood & Sinners» eine Doppelrolle. Er setzte sich unter anderem gegen Hollywoodstar Timothée Chalamet durch, der für seine Rolle als Tischtennisspieler in «Marty Supreme» nominiert war.

Die Auszeichnung für die beste Hauptdarstellerin ging an die irische Schauspielerin Jessie Buckley - sie spielt im Drama «Hamnet» die Frau des Dichters William Shakespeare, die um ihren Sohn trauert.

Hollywoodstar Sean Penn gewann den Oscar als bester Nebendarsteller für «One Battle After Another», war selbst aber nicht anwesend. Der 65-Jährige gewann damit nach «Mystic River» und «Milk» seinen dritten Oscar. Als beste Nebendarstellerin wurde die US-Amerikanerin Amy Madigan für den Horrorfilm «Weapons – Die Stunde des Verschwindens» ausgezeichnet.

Deutsche verpassen den Oscar

Das norwegische Drama «Sentimental Value» von Regisseur Joachim Trier wurde als bester internationaler Film prämiert. Der Film, der auch aus Deutschland mitproduziert wurde, erzählt vom komplizierten Verhältnis eines Vaters zu seinen Töchtern. Der deutsche Beitrag «In die Sonne schauen» hatte es in diesem Jahr nicht in die Endrunde geschafft.

Auch die Deutschen Michael Ralla und Guido Wolter gingen bei der 98. Oscarverleihung leer aus. Sie waren mit einem Team für die visuellen Effekte von «Blood & Sinners» nominiert. In dieser Kategorie gewann allerdings der Fantasyfilm «Avatar: Fire and Ash».

O’Brien macht Peniswitz als Seitenhieb gegen Trump

Moderator Conan O’Brien führte durch die mehr als dreistündige Show. Zum Auftakt scherzte er über Künstliche Intelligenz - er werde der letzte menschliche Gastgeber der Academy Awards sein - und spielte ironisch auf die politische Lage und mit einem Seitenhieb auch auf US-Präsident Donald Trump an. Auch den Skandal um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein griff er auf.

O'Brien sagte im Laufe der Gala: «Wir melden uns live aus dem Hat-einen-kleinen-Penis-Theater. Mal sehen, ob er da seinen Namen davor setzt.» O'Brien spielte damit offenbar auf die umstrittene Umbenennung des «Kennedy Center», eines der wichtigsten Kulturzentren der USA, in «Trump Kennedy Center» an. Die Verleihung fand im Dolby Theatre in Hollywood statt.

Lustig machte er sich über Schauspieler Chalamet. Die Sicherheitsvorkehrungen seien extrem streng, sagte O’Brien. «Mir wurde gesagt, dass es Bedenken hinsichtlich Angriffen sowohl aus der Opern- als auch aus der Ballettwelt gibt». Chalamet hatte neulich gesagt, niemand interessiere sich mehr für Oper und Ballett.

Zur Verleihung im Dolby Theatre kamen unter anderem Leonardo DiCaprio (mit Schnauzbart), Regisseur Steven Spielberg, die Schauspielerinnen Sigourney Weaver und Demi Moore und die frühere «Vogue»-Chefin Anna Wintour, die mit Anne Hathaway («Der Teufel trägt Prada») auch eine Kategorie präsentierte.

Bewegender Auftritt von Barbra Streisand

Barbra Streisand erinnerte mit einem bewegenden Auftritt an ihren früheren Filmpartner Robert Redford. Sie lobte ihn als brillanten Schauspieler und Mann mit Rückgrat. Sie vermisse ihn sehr, sagte die 83-Jährige, die einen Ausschnitt des Titelsongs aus ihrem gemeinsamen Film «So wie wir waren» sang.

Während der Verleihung wurde auch an andere verstorbene Filmschaffende erinnert, darunter Schauspielerin Diane Keaton und Regisseur Rob Reiner («Harry und Sally»), der gemeinsam mit seiner Frau getötet worden war - unter Mordverdacht steht der Sohn des Paares.

Erstmals geht Oscar an Kamerafrau

Erstmals ging der Oscar für die beste Kameraführung an eine Frau: Die US-Amerikanerin Autumn Durald Arkapaw wurde für «Blood & Sinners» ausgezeichnet. Die US-Filmakademie sprach von einem historischen Erfolg. Zum ersten Mal wurde auch ein Oscar für das beste Casting vergeben, der an Cassandra Kulukundis für «One Battle After Another» ging.

Ungewöhnlich war, dass es in einer Kategorie einen Gleichstand gab, was nach Angaben der Akademie erst siebenmal passierte: Der Oscar für den besten Kurzfilm ging daher an «The Singers» und «Two People Exchanging Saliva».

Bester Dokumentarfilm wurde «Ein Nobody gegen Putin» von David Borenstein und Pavel Talankin, eine deutsche Co-Produktion. Die Oscars für den besten Animationsfilm und den besten Filmsong gingen an «KPop Demon Hunters» über eine Girlgroup. Das Drama «Frankenstein» von Regisseur Guillermo del Toro gewann drei Oscars für Kostümdesign, Maske und Szenenbild.

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