Im Zentrum steht ein glänzend aufgelegtes Duo: Isabelle Huppert als Marianne Farrère und Laurent Lafitte als Pierre-Alain Fantin.
Manuel Moutier/Neue Visionen Filmverleih/dpa
Im Zentrum steht ein glänzend aufgelegtes Duo: Isabelle Huppert als Marianne Farrère und Laurent Lafitte als Pierre-Alain Fantin.
Neu im Kino

Isabelle Huppert als reichste Frau der Welt

Viel Geld, viel Kontrolle – bis ein exzentrischer Künstler alles auf den Kopf stellt. «Die reichste Frau der Welt» ist eine bitterböse High-Society-Satire mit Isabelle Huppert in Höchstform.

Sie ist milliardenschwere Erbin eines Kosmetikkonzerns und lebt in einer Welt, die so präzise getaktet ist wie ein Uhrwerk. «Madame ist serviert», meldet der makellose Butler jeden Morgen, bevor er ihre Termine herunterbetet. Doch das perfekt kontrollierte System gerät ins Wanken, als Marianne auf Pierre-Alain trifft, einen Fotografen und Künstler mit zweifelhaftem Ruf. 

Mit «Die reichste Frau der Welt» inszeniert Thierry Klifa eine scharfzüngige, bitterböse Gesellschaftssatire über Macht, Geld und Selbsttäuschung. Im Zentrum steht ein glänzend aufgelegtes Duo: Isabelle Huppert als Marianne Farrère und Laurent Lafitte als Pierre-Alain Fantin. Sie, kontrolliert, kühl und um die sechzig, entdeckt spät im Leben einen Hauch von Freiheit. Er, exzentrisch und schamlos, bringt ihre Welt mit genüsslicher Provokation ins Wanken.

Wenn alles aus dem Takt gerät

Marianne führt den Konzern mit eiserner Hand: Öffentlichkeit ist Pflicht, Haltung Teil der Marke. Als ihre Tochter (Marina Foïs) sie dem Fotografen Pierre-Alain vorstellt, kippt dieses System.

Die wohlhabende Unternehmerin verfällt schnell dem Charme des gewandten Provokateurs, der gleichermaßen spöttisch wie schmeichelnd auftritt. 

Kinotrailer "Die reichste Frau der Welt" - Kinostart 23. April 2026
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Gefährliche Nähe

Die Beziehung entwickelt sich rasch zur Abhängigkeit. Marianne lässt ihn nicht nur an ihrem Vermögen teilhaben, sondern auch an ihrem Lebensstil – ohne jede erkennbare Grenze. Selbst seine kalkulierten Provokationen, sein demonstratives Anderssein, seine Eskapaden schrecken sie nicht ab: Er tritt mit seinem jungen Liebhaber auf, uriniert in die Rhododendren. 

Im Umfeld wächst die Besorgnis: Der Ehemann bleibt distanziert, da er sieht, wie seine Frau wieder auflebt, die Tochter reagiert zunehmend alarmiert.

Zwischen beiden entsteht ein toxisch-faszinierendes Machtspiel – irgendwo zwischen Bewunderung, Manipulation und emotionaler Abhängigkeit. Huppert selbst beschreibt im Interview der Deutschen Presse-Agentur diese Dynamik als Sog: Pierre-Alain sei für ihre Figur «wie ein hochprozentiger Alkohol» – einmal gekostet, kaum mehr zu entziehen. Genau darin liege der Reiz ihrer Rolle: ein Absturz in eine andere Version ihrer selbst.

Komplexer Justizfall

Klifa greift den sogenannten Bettencourt-Skandal als lose Inspiration auf – eine Affäre, die in den 2000er-Jahren Frankreich beschäftigte. Im Zentrum stand die L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, die dem Fotografen François-Marie Banier über Jahre hinweg Geschenke in Millionenhöhe zukommen ließ.

Ausgelöst durch eine Anzeige ihrer Tochter Françoise Bettencourt-Meyers wegen mutmaßlicher Ausnutzung ihrer geschwächten Mutter entwickelte sich daraus ein aufsehenerregender Justizfall. 2015 wurde Banier wegen «Missbrauchs von Schwäche» verurteilt.

Wie Huppert im Interview betonte, habe sie sich bei der Arbeit am Film nicht für den realen Fall interessiert, sondern vielmehr für die Begegnung der beiden und die Leichtigkeit, mit der sich diese entwickelt habe. «Es ist, als würde ein Teil von ihr im Kontakt mit dieser Person plötzlich ganz leicht und frei zum Ausdruck kommen.»

Gefährliche Spirale

Die Handlung des Films richtet ihren Fokus vor allem auf die immer weiter eskalierende Spirale von Exzessen, die die Beziehung zwischen Marianne und Pierre-Alain prägt. Die Dialoge sind dabei ein besonderer Genuss: Sie spielen sowohl mit dem provokanten Wesen von Pierre-Alain als auch mit Mariannes oft scharfzüngiger Direktheit und transportieren zugleich subtile Untertöne zu Themen wie Ehe, Geld und Macht.

Bitterer Humor

Zwischen Gesellschaftssatire und Boulevardkomödie pendelnd, schwankt der Ton zwischen bitterem Humor und melancholischer Tiefe. Hinter der glatten Oberfläche der High Society zeigt sich eine Welt aus Einsamkeit, Leere und inszenierten Beziehungen.

Gefühle werden hier zur Ware, Nähe durch Geld ersetzt. Klifa entlarvt diesen Mechanismus mit klarem Blick, ohne moralisch zu predigen, sondern indem er ihn genüsslich auseinander legt.

Mit «Die reichste Frau der Welt» gelingt ihm so hoch unterhaltsames Kino, getragen von einer Huppert, die zwischen Kälte und Verletzlichkeit eindrucksvoll glänzt.

Von Sabine Glaubitz, dpa
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