Gewann beim Filmfest in Venedig den Hauptpreis: Jim Jarmusch. (Archivbild)
Alessandra Tarantino/Invision/AP/dpa
Gewann beim Filmfest in Venedig den Hauptpreis: Jim Jarmusch. (Archivbild)
Neu im Kino

Blicke statt Worte: Jarmuschs Venedig-Gewinner

Jim Jarmuschs «Father Mother Sister Brother» erzählt mit lakonischem Humor und Starbesetzung von sprachlosen Familien. Was den Gewinner des Goldenen Löwen, der jetzt ins Kino kommt, ausmacht.

Es gibt diese Momente am Familientisch, in denen alles gesagt scheint - und doch nichts ausgesprochen wird. Man reicht das Salz, man fragt nach dem Job, man nickt. Zwischen Eltern und ihre erwachsenen Kinder passt oft kein Streit mehr, sondern nur noch eine höfliche Stille. 

Genau in diese Risse schaut Jim Jarmusch in seinem Film «Father Mother Sister Brother», der jetzt in die deutschen Kinos kommt. Er entdeckt dort ein ganzes Universum aus Blicken, Pausen und verpassten Sätzen. 

Ein stiller Film, der mit Tragikomik berührt

Der US-amerikanische Kultregisseur gewann dafür beim Filmfest Venedig den Goldenen Löwen. Cate Blanchett, Adam Driver, Tom Waits, Charlotte Rampling und Vicky Krieps gehören zur Starbesetzung. 

In drei Episoden blickt Jarmusch (73) in «Father Mother Sister Brother» auf verschiedene Familiendynamiken. Entstanden ist ein stiller Film, der mit seiner Tragikomik berührt - und der manche Zuschauer wohl an eigene Familienerlebnisse erinnern dürfte.

FATHER MOTHER SISTER BROTHER | Official Trailer | Coming Soon
FATHER MOTHER SISTER BROTHER | Official Trailer | Coming Soon

Eine Familie in New Jersey

Im ersten Teil stehen Tom Waits, Adam Driver und Mayim Bialik im Mittelpunkt. Das Setting: das auf den ersten Blick verlottert wirkende Haus eines eigenbrötlerischen Vaters (Waits) in New Jersey. Seine erwachsenen Kinder besuchen ihn - und schnell wird klar, dass solche Treffen selten stattfinden.

Verstockt sitzen sie am Couchtisch und bemühen sich um Smalltalk über Gesundheit und Arbeit. Immer wieder stoßen sie mit Wasser und Tee an: «Auf die Familie!» Der Vater erkundigt sich nach der Partnerin seines Sohnes - ahnungslos, dass die beiden längst getrennt sind. Die vermeintliche Armut des Vaters wird zum Gesprächsthema.

Doch dann blitzt etwas an seinem Handgelenk auf - eine Rolex? Gefälscht, behauptet er. Erst als die Kinder gehen, wird klar: Die Uhr ist echt und der Vater alles andere als arm. Über seine Designermöbel hatte er alte Decken gelegt, seinen BMW unter einer Plane versteckt. Unbekümmert setzt er sich hinter das Steuer, um das Geld, das ihm sein Sohn gerade zugesteckt hat, auf den Kopf zu hauen.

Eine Familie in Dublin

Der zweite Teil spielt in Dublin. Cate Blanchett und Vicky Krieps spielen die Töchter einer strengen Mutter (Rampling). Der jährliche Afternoon Tea steht an - elegant gedeckt, geschmackvoll eingerichtet, aber voller Spannung. Die Mutter ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, ihre Kälte steht im Kontrast zu den Töchtern.

Die eine Tochter wirkt chronisch pleite und sympathisch verpeilt (Krieps mit pastellrosaner Fransenfrisur), die andere etwas verstockt, als hätte sie ihr Leben lang zurückstecken müssen (Blanchett). Wieder kommt kein rechtes Gespräch zustande. Die eine Tochter zeigt stolz ihre gefälschte Rolex und erzählt einen Witz, um die Anspannung zu lösen. Alle sind erleichtert, als das Treffen vorbei ist. 

Eine Familie in Paris

Die dritte Episode erzählt von zwei Geschwistern (Indya Moore und Luka Sabbat), die kürzlich ihre Eltern bei einem Flugzeugabsturz verloren haben. In Paris treffen sie sich in der leer geräumten elterlichen Wohnung. Sie durchstöbern Erinnerungsstücke - und merken, dass sie ihre Eltern vielleicht gar nicht so gut kannten, wie sie dachten.

«Father Mother Sister Brother» ist ein lakonischer Film, der Gefühle andeutet, aber nie ausspricht. Statt eines spannenden Plots setzt er auf Situationskomik. Formal ist er bis ins Detail durchdacht, es gibt wiederkehrende Motive und Sätze. 

Ehrung in Venedig für Jarmuschs Gesamtwerk?

Für diese Ästhetik wird Jarmusch schon lange verehrt. Nicht nur Festivalgänger, auch Stars wie Blanchett und Bialik bezeichneten sich in Venedig als Fans. Als der Filmemacher zur Pressekonferenz kam, brachen Journalisten und andere Gäste in regelrechten Jubel aus. Und mehrere Menschen, auch aus dem Filmteam, bezeichneten Jarmuschs Kultfilm «Night on Earth» als einen ihrer Lieblingsfilme. 

Vermutlich war die Auszeichnung Jarmuschs in Venedig auch als Ehrung für sein Gesamtwerk zu verstehen. Denn ganz so stark wie etwa «Night on Earth» ist «Father Mother Sister Brother» trotz vieler gelungener Szenen nicht. Mitunter ist der Film so unaufgeregt, dass er ins Langatmige kippt.

Von Lisa Forster, dpa
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