Unerschütterlicher Glaube an das Gute
Doch die junge Frau lässt sich nicht abschrecken - weder von Äußerlichkeiten noch von persönlichen Beleidigungen. Ihre unfassbar positive Ausstrahlung und ihr unerschütterlicher Glauben an das Gute wirken in der deprimierenden Umgebung fast fehl am Platz - und gleichzeitig umso wohltuender. Selbst Hugo kann sich dem irgendwann nicht mehr entziehen. Vielleicht weil es ihm wie allen geht - mit einer Sehnsucht nach Liebe, Nähe und Zugehörigkeit?
Wie Lena es schafft, den alten Mann zu «knacken», ihn zum Schreiben zu bewegen und dazu, sich wieder auf Gefühle einzulassen, das ist herrlich mitzuerleben - und schauspielerisch grandios. Ebenso wie Lars Eidinger in seiner Rolle als abgedrehter Amtsleiter.
Herausforderungen für die Zuschauer
Allerdings wird man als Zuschauer auch gefordert - vor allem am Anfang. Denn zunächst muss es einem irgendwie gelingen, sich auf diese besondere Atmosphäre und eigenwilligen Bilder des Filmes einzulassen, die mitunter mal märchenhaft, mal surrealistisch daherkommen.
Zudem wird man emotional hin- und hergeworfen: von amüsanten und rührenden Momenten über skurrile Situationen bis zu bildgewaltigen, bedrohlichen Szenen.
Das Schreiben scheint Hugo Drowak irgendwann tatsächlich die Kraft zu geben, sein trostloses Leben verändern zu wollen. Aber wie lange wird das Blau des Himmels durchblitzen können? Immer mehr wird er von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt. Gut, wenn man in solch einer «Drecksloch-Siedlung» dann noch an Engel glauben kann.
Von Katja Sponholz, dpa
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