Bayern-Traumstart mit Zauberer Olise gegen Stuttgart
Jürgen Klopp kommt auf seine Kosten. Der Bundestrainer sieht Klasse und Tore im Eröffnungsspiel der 64. Bundesligasaison. Der Meister setzt sofort wieder ein erstes Zeichen.
Jürgen Klopp kommt auf seine Kosten. Der Bundestrainer sieht Klasse und Tore im Eröffnungsspiel der 64. Bundesligasaison. Der Meister setzt sofort wieder ein erstes Zeichen.
Trainer Vincent Kompany zeigte kurz die Siegerfaust, der überragende Michael Olise schlenderte entspannt zur Fankurve: Der FC Bayern hat auf die erneute Machtdemonstration zum Auftakt der 64. Bundesligasaison mit fast schon routinierter Selbstverständlichkeit reagiert. Und die Fans des Doublesiegers skandierten nach dem am Ende klaren 5:1 (1:0) gegen den VfB Stuttgart in typischer Mia-san-mia-Manier: «Wir gewinnen sowieso!»
«Es war sehr, sehr intensiv, vor allem in der ersten Halbzeit haben wir nicht so die Räume gefunden. Ich fand, Ende der ersten Halbzeit wurde es ein bisschen besser, da wurde es ein bisschen klarer», sagte Nationalspieler Joshua Kimmich bei Sat.1 über den deutlichen Qualitätsunterschied nach dem Seitenwechsel. Und Torschütze Aleksandar Pavlovic äußerte bei Sky: «Wir haben von Anfang bis Ende alles gegeben. Es ist oft gegen Stuttgart so, dass die Mitte der zweiten Hälfte ein bisschen einbrechen. Wir machen immer weiter und hören nicht auf.»
Vor den Augen des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp hatten die Münchner in einem intensiven Süd-Schlager zu Ligastart gleich wieder ein kraftvolles Statement gesetzt. Das Spiel lief ähnlich wie das DFB-Pokal-Finale vor drei Monaten, als die Stuttgarter lange Gegenwehr lieferten, am Ende in Berlin aber mit 0:3 unterlagen. «Weil sie die Dinger reinmachen», sagte Stuttgarts Stürmer Deniz Undav über den großen Unterschied zwischen beiden Teams.
Der FC Bayern baute damit eine Woche nach dem 2:1 im Supercup gegen Borussia Dortmund seine Serie von 15 Auftaktspielen ohne Niederlage aus. In der vergangenen Saison hatten die Bayern beim 6:0 gegen RB Leipzig direkt einen Knallstart hingelegt.
Neuers 600. Bayern-Pflichtspiel
Vor 75.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Arena begann die Partie hektisch. Dayot Upamecano (21.) erzielte dann die Bayern-Führung nach einer Ecke gegen widerspenstige Stuttgarter. Wie aus dem Nichts brachte der später unglückliche Josha Vagnoman (52.) die Schwaben zurück. Schlussmann Manuel Neuer hielt in seinem 600. Pflichtspiel für den FC Bayern noch hervorragend gegen Jeff Chabot, doch im Nachschuss war er machtlos.
Das ließen sich die Bayern aber nicht gefallen. Olise (55.) nach einem Traumpass von Kimmich und Vagnoman mit einem Eigentor (58.) stellten die wahren Kräfteverhältnisse auf dem Rasen wieder her. Der VfB-Verteidiger hatte Pech, als er bei einer ungefährlichen Hereingabe von Alphonso Davies auf dem durchnässten Rasen ausrutschte. Der Videoschiedsrichter kassierte dann ein weiteres Tor von Olise (63.) wegen Abseits. Das 4:1 und 5:1 besorgten aber noch Pavlovic (82.) und Luis Díaz (90.+2) jeweils auf Vorarbeit von Neuzugang Ismael Saibari.
Klopp beobachtet «etliche Kandidaten»
Bevor es mit der Action auf dem Rasen losging, wurden erst noch die «Fußballer des Jahres» geehrt. Es war ein Bayern-Dreierpack aus Giulia Gwinn, Vincent Kompany und Harry Kane. Mehr München geht nicht.
Mit dem Anpfiff um 20.32 Uhr konnte Klopp dann «etliche Kandidaten» für seinen ersten DFB-Kader begutachten. Darunter ist auch der neue Stuttgarter Stürmer Dzenan Pejcinovic, mit dem sich der Bundestrainer am Montag in Stuttgart treffen will, wie er im TV-Sender Sat.1 verriet.
Was Klopp außerdem sah, war ein heißes Spiel, indem die Stuttgarter vor allem in der ersten Hälfte einen kraftraubenden Ansatz wählten: Manndeckung gegen die Bayern-Stars. So verfolgte etwa Verteidiger Jeff Chabot Torjäger Kane über den gesamten Platz. Der neue VfB-Kapitän Deniz Undav musste im Duell mit Nationalmannschafts-Kapitän Joshua Kimmich ordentlich pumpen.
Olise an den Außenpfosten
Es war ein Plan von Trainer Sebastian Hoeneß, den seine Spieler mit Überzeugung erledigten. Anfangs stressten sie damit die Münchner und hielten sie auch vom eigenen Tor weg. Der Champions-League-Starter aus Schwaben hätte zu diesem Zeitpunkt sogar selber zuschlagen müssen. Tiago Tomas (12.) traf aus wenigen Metern aber nur die Oberkante der Latte.
Dieser Ansatz von Hoeneß trieb den Puls seiner Profis in die Höhe. Das ging zu Lasten eigener ruhiger Abschlüsse in der Offensive. Und es taten sich Räume auf. Mit einem feinen Freistoß an den Außenpfosten hatte Michael Olise (17.) noch Pech. Der anschließende Standard durch Upamecano brachte jedoch die Führung. Nach einer Ecke von Kimmich kam Vagnoman nicht hinterher.
Bredlow gegen Bayern
Ab der 25. Minuten reduzierte sich der Eröffnungsschlager vorerst auf ein Privatduell zwischen den Bayern und Schlussmann Bredlow. Der Ersatzmann von Dennis Seimen musste gegen Luis Diaz (26.), Nathaniel Brown (38.) und Konrad Laimer (42.) retten.
Klopp hatte auf ein «gutes Spiel und ganz viele Tore» gehofft. Der zweite Wunsch wurde ihm nach der Halbzeit erfüllt, als die Stuttgarter zwar nie aufsteckten, die dominanten Bayern aber nicht aufhalten konnten.
Von Martin Moravec und Klaus Bergmann, dpa
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