Sensation in London: Zweiter Mensch weltweit von HIV geheilt

Zum zweiten Mal weltweit ist ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei. Wie Wissenschaftler am Dienstag mitteilten, waren dem Mann vor fast 19 Monaten Stammzellen eines Knochenmark-Spenders mit einer seltenen genetischen Veränderung transplantiert worden.

Erster HIV-Patient vor rund zehn Jahren geheilt

Seit 2008 gilt der Amerikaner Timothy Ray Brown als der erste und bisher einzige von einer HIV-Infektion geheilte Mensch. Der als „Berliner Patient“ bekannt gewordene Brown unterzog sich in Berlin im Benjamin-Franklin-Krankenhaus einer Stammzellentherapie und ist seit der Behandlung virenfrei, dennoch habe er mit neurologischen Störungen zu kämpfen. Das transplantierte Spender-Knochenmark wies damals eine genetische Veränderung auf, die daraufhin eine weitere Infektion mit HIV verhinderte – so nun auch bei dem neu bekannt gewordenen Fall des sogenannten „Londoner Patienten“.

Wie die FAZ berichtet, habe der 2008 behandelnde Arzt von Timothy Ray Brown versucht, die Heilung des "Berliner Patienten" zu reproduzieren. „Leider sind einige der Patienten, die die gleiche Behandlung erhalten hatten, früh an Komplikationen oder Rückfällen ihrer Krebserkrankung verstorben“, teilte der Mediziner gegenüber der Zeitung mit.


 


 

Zweiter HIV-Patient seit 19 Monaten virenfrei

 

Nun teilten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature“ am Dienstag mit, dass zum zweiten Mal weltweit ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei ist. Dem sogenannten "Londoner Patient", der an Blutkrebs erkrankt war, wurden wie dem „Berliner Patient“ Stammzellen eines Knochenmark-Spenders mit einer seltenen genetischen Veränderung transplantiert. Mit Erfolg: Seit fast 19 Monaten wurden laut dem Bericht keine HI-Viren mehr bei dem Mann nachgewiesen, berichtet die FAZ. Von einer dauerhaften Heilung wollen die Londoner Mediziner jedoch nicht sprechen, weil die Studienlage noch sehr dünn sei. Die Stammzellen-Transplantation wurde bei dem zweiten HIV-Patienten eigentlich nur durchgeführt, um zusätzliche Krebserkrankungen zu bekämpfen.

 

 

 

Stammzellen-Transplantation kein Allheilmittel

 

Deutsche Wissenschaftler messen dem am Dienstag erschienen Artikel in der Fachzeitschrift große Bedeutung bei, jedoch mahnen sie auch zur Vorsicht. Eine Stammzellen-Transplantation werde auch zukünftig keine Option für die Heilung von HIV-Patienten darstellen, wenn die Transplantation nicht durch andere Grunderkrankungen erforderlich sei.

 

Bei dieser Art der Behandlung handele sich um einen massiven Eingriff, der „angesichts einer in der Regel gut verträglichen und langfristig wirksamen antiviralen Therapie nicht vertretbar wäre, wenn er nicht aus anderen medizinischen Gründen indiziert wäre“, wird der Direktor der Abteilung Virologie am Universitätsklinikum Heidelberg, Hans-Georg Kräusslich, von der FAZ zitiert.

 

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