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35 Jahre nach Tschernobyl: Spätfolgen auch in RLP messbar

Die radioaktive Wolke, die nach dem Reaktorunglück vom 26. April 1986 über Europa zog, hat auch Rheinland-Pfalz stark belastet. Noch immer ist das radioaktive Isotop Cäsium-137 nachweisbar: Vor allem bei Wildschweinen!

Über die Erde in die Nahrung der Schweine

Cäsium-137 zerfällt in etwa 30 Jahren zur Hälfte. Das Landesuntersuchungsamt (LUA) wird also nicht nur in diesem Jahr, sondern in vielen weiteren Jahren die Auswirkungen des Reaktor-GAUs im Fleisch von rheinland-pfälzischen Wildschweinen nachweisen können: 

Auf den sauren Waldböden gelangt das dort gebundene radioaktive Cäsium über die Versorgungswurzeln wieder in die Pflanzen - auch in die Pilze, die im Wald wachsen.

 

Hirschtrüffel - für Menschen ungenießbar

Wildschweine wühlen als Allesfresser einen erheblichen Teil ihrer Nahrung aus dem Boden und nehmen dabei auch hoch radioaktiv belastete, für den Menschen ungenießbare Hirschtrüffel auf. Dieser unterirdisch wachsende Pilz reichert Cäsium besonders gut an und ist für Wildschweine ein Leckerbissen.

 

Jedes Kilo Fleisch wird untersucht

In Rheinland-Pfalz hat das Land die Gebiete „Pfälzerwald“ und „Hochwald“ ausgewiesen. In den dortigen Jagdrevieren muss nach wie vor jedes Stück erlegtes Schwarzwild vor der Abgabe an den Verbraucher auf radioaktives Cäsium untersucht werden. Und tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass Schwarzwild wegen zu hoher radioaktiver Belastung nicht in den Verkehr gebracht werden darf.

Im Jagdjahr 2020/2021 ist dies nach den bislang vorliegenden Zahlen bei 75 von insgesamt 1767 untersuchten Tieren der Fall gewesen. 

 

Flächendeckende Testungen auch bei Ost und Gemüse

Aber nicht nur das Wildschwein steht unter Beobachtung: Etwa ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl wurde das bundesweite Integrierte Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Umweltradioaktivität (IMIS) eingeführt. Seither misst das LUA flächendeckend und regelmäßig alle möglichen in Rheinland-Pfalz erzeugten Lebensmittel wie zum Beispiel Gemüse, Obst, Fleisch und Milch. So wird sichergestellt, dass auch kleinste Veränderungen der Radioaktivität in Lebensmitteln gefunden werden.

 

Keine Grenzwertüberschreitungen - Cäsium ist gebunden im Boden

Bei diesen Proben wurden in den letzten Jahren keine Überschreitungen des Grenzwertes festgestellt. Dies ist erklärbar: Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist radioaktives Cäsium so fest im Boden gebunden, dass es von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen und damit in die Nahrungskette kommen kann.

 

 

Quelle: LANDESUNTERSUCHUNGSAMT RHEINLAND-PFALZ