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Prozess nach tödlicher Amokfahrt in Trier gestartet

Fast neun Monate nach der tödlichen Amokfahrt in Trier hat heute der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Am 01. Dezember 2020 soll der 51-jährige Angeklagte mit seinem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast sein, um möglichst viele Menschen zu töten. Er selbst will im Prozess schweigen.

Fünfacher Mord und 18-facher versuchter Mord

Die Anklageschrift zeigt die immensen Ausmaße der Tat: Der 51-Jährige muss sich wegen fünffachen Mord und versuchtem Mord in 18 Fällen vor Gericht verantworten. Während des ersten Dezembers 2020 soll der Angeklagte in der Trierer Innenstadt im Zickzack gezielt auf Passanten zugefahren sein. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur teilte Oberstaatsanwalt Eric Samel zum Prozessbeginn mit, dass es sich um eine Anklageschrift von riesiger Tragweite handelt: "Das ist auf jeden Fall ein außergewöhnlicher Prozess in seiner Dimension, was Umfang und das Leid angeht, das angerichtet worden ist. Es ist auf jeden Fall ein Prozess, der erfahrene Ermittler nicht kalt lässt. Der Angeklagte selbst möchte zur Anklage keine Stellung beziehen. Beim Prozessauftakt teilte der 51-Jährige mit: "Ich will selbst keine Aussage machen." "Weder zur Person noch zur Sache," fügte draraufhin seine Verteidigerin Martha Schwiering hinzu.

 

"Allgemeiner Gesellschaftshass"

Samal bezeichnete die Amokfahrt im Laufe des Prozessauftakts als heimtückisch. Der Angeklagte habe die "Arg- und Wehrlosigkeit" der Fußgänger gezielt ausgenutzt. Der Angeklagte sei alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und von seinem eigenem Leben frustriert gewesen. Mit dem Hintergrund "Er entwickelte einen allgemeinem Gesellschaftshass" habe er sich am 01.12.2020 in sein Auto gesetzt, sagte der Oberstaatsanwalt im Laufe des Prozesses. "Es wird ein emotionaler Prozess" erklärte Anwalt Otmar Schaffarczyk, der die Nebenklage des Bruders der getöteten Senioren vertritt, der Deutschen Presse-Agentur.

 

Schockzustand in Trier

Bei der Amokfahrt kamen fünf Personen ums Leben: Ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater (45) und drei Frauen im Alter von 73, 52 und 25 Jahren fielen der Tat zum Opfer. Darüber hinaus wurden zahlreiche Passanten verletzt und 300 Zeugen stark traumatisiert. Das Verbrechen hat Trier und das ganze Land zutiefst geschockt und in Trauer versetzt.

 

Prozess unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen

Der Prozessbeginn in Trier fand unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen statt: Der Angeklagte saß hinter einer Scheibe aus Panzerglas, während die 14 Anwälte der Nebenkläger im Gerichtsaal Platz genommen hatten. Zum Prozessauftakt, bei dem lediglich die Anklage verlesen werden soll, kamen nur wenige Angehörige oder Hinterbliebene der Opfer. Das Ende der Gerichtsverhandlungen ist auf den Januar 2022 festgelegt. Bis dahin sollen "mindestens" 26 Termine nötig sein. 291 Zeug*innen sollen die Ereignisse aufklären, wie Samel mitteilte.
 

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Lange Schlange vor dem Eingang zum Gericht, viele Polizist*innen und Feuerwehr sind zur Sicherung vor Ort.

 

Quelle: dpa