Polizei erhöht Sicherheitsvorkehrungen an jüdischen Einrichtungen

Nach den tödlichen Schüssen in der Nähe einer Synagoge in Halle an der Saale haben die Sicherheitsbehörden in Rheinland-Pfalz reagiert. Die Polizei habe ihre Präsens bei jüdischen Einrichtungen und Synagogen erhöht, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Mittwoch.

Polizeipräsenz an jüdischen Einrichtungen erhöht

Die Synagogen in Mainz, Worms und Osthofen nannte der Polizeisprecher als Beispiele. „Von Seiten der Beamten erfolgt eine Kontaktaufnahme zu den Verantwortlichen der jüdischen Einrichtungen/Synagogen.“ Aber auch in Mannheim und anderen Städten sieht man nur mehr Einsatzkräfte.

Die Ministerpräsidentin und kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer kündigte auf dem Twitter-Account der Landesregierung ebenfalls eine höhere Polizeipräsenz an. „Ich bin erschüttert über die schrecklichen Nachrichten aus Halle und in meinen Gedanken bei den Opfern, ihren Angehörigen und Freunden“, schrieb sie.

 

Zwei Menschen wurden getötet

Nach ersten Erkenntnissen sind durch die Schüsse in Halle zwei Menschen getötet worden. Am frühen Nachmittag meldete die Polizei die Festnahme einer Person. Die Hintergründe waren zunächst völlig unklar.
Unbestätigt ist auch, ob ein im Internet aufgetauchtes Bekennervideo und ein angebliches „Manifest“ tatsächlich vom mutmaßlichen Täter stammen.

 

Helmkamera übertrug schreckliche Bilder ins Internet 

Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wurde am Mittwochnachmittag festgenommen. Er hatte nach Angaben aus Sicherheitskreisen gegen Mittag versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Mehr als 50 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur. Nachdem der Anschlagsversuch scheiterte, soll der 27-jährige Deutsche vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. B. soll die Tat gefilmt und per Helmkamera live ins Internet übertragen haben, bevor er vom Tatort floh.

Nach der Tat tauchte ein Dokument im Internet auf, bei dem es sich nach Angaben einer Expertin um eine Erklärung des Angreifers zu handeln scheint. Das PDF-Dokument zeige Bilder von Waffen und enthalte einen Verweis auf das Live-Video, das von der Tat verbreitet worden sei, schrieb Rita Katz, Leiterin der auf die Beobachtung von Extremisten spezialisierten Site Intelligence Group, auf Twitter.

Das Video wurde nach Angaben der Streaming-Plattform Twitch von rund 2200 Menschen angesehen, bevor es dann nach 30 Minuten gelöscht wurde. Über den vor etwa zwei Monaten erstellten Account sei zuvor nur einmal etwas veröffentlicht worden.

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Bild: picture alliance/Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

 

Waffe war offenbar selbst gebaut

Eine noch höhere Opferzahl wurde möglicherweise von Defekten an mindestens einer Waffe des Täters verhindert. In dem angeblichen Tatvideo ist zu sehen, wie in mindestens zwei Fällen Ladehemmungen das Leben von Menschen zu retten scheinen. Der Täter setzte eine vermutlich im Selbstbau hergestellte Langwaffe, eine Pistole und Sprengsätze ein.

 

Zentralrat der Juden erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Der Präsident des Zentralrats der Juden erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. „Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös“, sagte Schuster. „Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt.“ Nur glückliche Umstände hätten ein Massaker verhindert, sagte Schuster in Würzburg weiter. «

 

Quelle: dpa