Geburtshelfer: Ehemann???

Könnte es bald zur Regel werden, dass Ehemänner ihre Kinder selbst auf die Welt bringen müssen?

Geburt Shuttersstock 480x

Bild: Shutterstock

Mangelware: Hebamme

Unbezahlbare Haftpflichtversicherungen und grundsätzlich steigende Kosten hat in den vergangenen Jahren für viele selbstständige Hebammen das Aus bedeutet. Das hat zur Folge, dass immer mehr Frauen in Kliniken entbinden müssen und außerdem vor dem Problem stehen, keine Nachsorge-Hebamme zu finden. Viele selbstständige Hebammen haben sich deshalb in eine Festanstellung in Krankenhäuser und Kliniken begeben, um ihrer Berufung weiter nach gehen zu können.

Wenig Geld für viel Verantwortung

Anja Lehnertz war die letzte selbstständige Hebamme in Rheinland-Pfalz - genauer im Raum Trier, die ihre Selbstständigkeit Ende 2014 an den Nagel hängen musste. Im Trierischen Volksfreund sprach sie über die exorbitant hohen Kosten, die eine Hebamme zu tragen hat und, was "Frau" im Schnitt verdient:

Derzeit beträgt die Versicherungssumme für Hebammen mit Geburtshilfe etwa 6000 Euro pro Jahr - zu viel für nahezu alle selbstständigen Hebammen. Begleiten sie eine Geburt in einer Klinik bekommen sie im Schnitt 289 Euro pro geborenem Kind und zusätzlich noch 30 Euro Haftpflichtversicherungsausgleich pro Geburt. Durchschnittlich verdient eine selbstständige Hebamme etwa 24.000 Euro pro Jahr, ein offizieller Stundenlohn von gerade einmal 7,50 Euro.

Anja Lehnertz arbeitet seit Anfang des Jahres halbtags in einer Klinik und betreibt nebenher noch eine Hebammenpraxis, die Müttern vor und nach der Geburt zur Seite steht.

Hebamme Shutterstock 480x

Bild: Shutterstock

Bundesweiter Hebammen-Notstand

Andrea Lautwein, Familiengesundheits- und Kinderkrankenschwester im Trierer Klinikum Mutterhaus, sagte im Interview mit dem Trierischen Volksfreund:

"Für einen guten Start ins Kinderleben ist es sehr wichtig, dass ausreichend Hebammen und Fachkräfte zur Verfügung stehen, die junge Familien begleiten und beraten."

Die Landesregierung und das Gesundheitsministerium haben in den vergangenen Monaten signalisiert, Hebammen zur Seite stehen zu wollen und auf Dauer auch eine finanzielle Hilfestellung zu geben.

Unterstützung bei der Vergütung?

Johanna Bock, Sprecherin des Gesundheitsministeriums, äußerte sich ebenfalls:

"Wir sind der festen Überzeugung, dass die Vergütung der Hebammen so gestaltet sein sollte, dass freiberuflich tätige Hebammen ihren anspruchsvollen und wichtigen Beruf ausüben können und von den Honoraren auch gut und angemessen leben können."

Hoffentlich wird es bald Hilfe und Unterstützung für das Hebammenhandwerk geben: wenn die Länder oder der Bund nicht eingreifen, muss man sich über flächendeckende Nachwuchsschwund nicht wundern.