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Rheinland-Pfalz: Mainz

Babys mit Fehlbildungen: Was steckt dahinter?

Was steckt hinter der Häufung von Neugeborenen mit fehlgebildeten Händen in Gelsenkirchen? Die Aufklärung dürfte kompliziert werden. Könnte ein nationales Fehlbildungs-Register für mehr Klarheit sorgen? Rheinland-Pfälzische Mediziner verweisen jedoch auf die fehlende Datengrundlage.

Nordrhein-Westfalen möchte sich  Überblick verschaffen

Nach einer ungewöhnlichen Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen an einer Gelsenkirchener Klinik will sich Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerium einen genaueren Überblick verschaffen.  In dem Bundesland werden nun alle Klinken abgefragt, ob dort ähnliche Fehlbildungen aufgefallen seien, sagte eine Sprecherin der Düsseldorfer Behörde am Samstag auf Anfrage. Man nehme die Berichte über solche Fälle „sehr ernst“.  „Darüber hinaus nehmen wir Kontakt mit den Ärztekammern, dem Bund und den anderen Bundesländern auf, um möglichen Ursachen mit aller Sorgfalt nachzugehen.“ Ob ein Melderegister der richtige Weg sei, gelte es gemeinsam zu prüfen, sagte die Sprecherin des Landesministeriums, das von dem CDU-Politiker Karl-Josef Laumann (CDU) geführt wird.

Im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen waren zwischen Mitte Juni und Anfang September drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Zuvor hatte es dort nach Angaben der Klinik jahrelang keinen einzigen Fall gegeben. Bei allen drei Kindern sei jeweils eine Hand betroffen. An dieser Hand seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt.

Rheinland-Pfälzische Mediziner verweisen auf fehlende Datengrundlage

Mediziner der Uniklinik Mainz verweisen auf die fehlende Datengrundlage. Das Geburtenregister der Uniklinik ist bundesweit eine von zwei Stellen, die längerfristig Daten über Fehlbildungen von Körperextremitäten gesammelt hat, über mittlerweile 25 Jahre hinweg, zu rund 100.000 Neugeborenen aus dem Stadtgebiet Mainz und Rheinhessen.

Der Befund: Statistisch gesehen kommen auf 10.000 Kinder sieben Fehlbildungen, im Zeitverlauf der Daten sieht Dr. Awi Wiesel von der Uniklinik keine Auffälligkeiten oder Veränderungen.

Zusammenhänge etwa mit Medikamenten, der Ernährung der Eltern, Umweltgiften oder Strahlung seien Spekulation. Ohne Vergleichsdaten lasse sich nicht entscheiden, ob und ab welcher Größenordnung eine über den Zufall hinausgehende Häufung von Fehlbildungen in Frage komme.

Regionale Daten werden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums für das Fehlbildungsregister Sachsen-Anhalt und das Geburtenregister „Mainzer Modell“ erhoben. Daten aus beiden regionalen Registern würden an das europäische Register EUROCAT gemeldet, das seit 1979 bestehe und derzeit Daten aus 23 europäischen Ländern enthalte.

Quelle: dpa / RPR1.