Hitzewelle: Erste Kraftwerke gehen in die Knie

Nach monatelanger Dürre und heißen Temperaturen erreichen wir heute den Zenit der Hitzewelle in Deutschland. Weil die Flusspegel sinken und Wassertemperaturen steigen, droht einer Reihe von Kraftwerken nun das Kühlwasser auszugehen. Erste Anlagen müssen bereits die Leistung drosseln.

Kraftwerksbetreiber kämpft mit Hitze

Die aktuelle Hitzewelle könnte laut einem Bericht der „Welt“ die Stromversorgung zu einer ungewöhnlich schweißtreibenden Angelegenheit machen. Weil Atom- und Kohlekraftwerke auf Kühlwasser aus Flüssen angewiesen sind und das langsam knapp wird, mussten erste Anlagen sogar schon ihre Leistung drosseln.

Im Karlsruher Rheinhafen kann ein Kraftwerksblock RDK 7 nicht mehr auf voller Leistung laufen – eine Einbuße von 140 Megawatt. Der Hintergrund: Umweltauflagen schreiben vor, dass der Fluss durch die Einleitung genutzten Kühlwassers nicht über einen bestimmten Wert hinaus erwärmt werden darf.

Auch der Kraftwerksbetreiber Steag in Essen kämpft mit der Hitze: Das Steinkohle-Kraftwerk Bergkamen A musste seine Leistung am Mittwoch um 150 Megawatt drosseln, weil die Lufttemperatur so hoch war, dass der Kühlturm des Kraftwerksblocks nur noch 30 Grad warmes und damit unbrauchbares „Kühlwasser“ ins System speisen konnte.

 

Gefährliche Wassertemperaturen bald erreicht

Dieselben Probleme könnten demnächst noch weitere deutsche und europäische Kraftwerke bekommen, wenn Trockenheit und Höchsttemperaturen so bleiben wie vorhergesagt. „In der Elbe, der Weser und dem Neckar sowie in der Schweizer Aare und der Loire in Frankreich nähern sich die Temperaturen schnell einem Niveau, ab dem Kraftwerke nicht mehr uneingeschränkt Kühlwasser aus den Flüssen entnehmen könnten“, zitiert das Fachportal „Montel“ Robin Girmes von der Agentur „EnergyWeather“.

An einzelnen Messstellen an der deutsch-niederländischen Grenze würden bereits Wassertemperaturen von 25 Grad Celsius gemessen. „Wenn das über 26 Grad geht – und das ist nur eine Frage von zwei bis drei Tagen – dann kommt es zu massiven Einschränkungen in den Beneluxländern.“

 

Angespannte Strom-Versorgungslage in Mannheim

Wie Kraftwerkssprecher Thomas Schmidt gegenüber der „Welt“ bestätigt, müsste das Großkraftwerk Mannheim in der kommenden Woche seine Leistung von 2000 Megawatt um 60 Prozent reduzieren – wenn sich der Rhein so erwärmt wie prognostiziert.

Weil es in Süddeutschland eine strukturelle Kraftwerke-Unterversorgung gibt, könnte dies tatsächlich zu einer angespannten Versorgungslage führen. Nach Welt-Informationen hat das Großkraftwerk Mannheim deshalb bereits bei der Landesregierung beantragt, trotz eventueller Erwärmung des Rhein-Wassers auf über 28 Grad zumindest noch den neusten Kraftwerksblock 9 mit rund 900 Megawatt Leistung weiter am Netz zu lassen. 2003 hatte es ein massives Fischesterben aufgrund von Rhein-Temperaturen über 28 Grad gegeben.

 

Welche Auswirkungen hat das auf mich?

Wenn in nächsten Wochen immer mehr Stromerzeuger Hitzefrei nehmen müssen, verteuert das tatsächlich den Strompreis für Großabnehmer. Am Spotmarkt der Energiebörse European Energy Exchange verdoppelte sich der Preis für eine Megawattstunde seit Monatsbeginn nahezu und stieg von knapp 35 auf fast 60 Euro an – Ausgang ungewiss.

Gleichwohl beteuerten Experten, dass wohl keine ernsten Versorgungsengpässe oder gar Stromausfälle zu erwarten sind. Von München aus überwacht im Auftrag der Stromnetzbetreiber und Aufsichtsbehörden ein so genannter „Regional Security Coordinator“ die Lage im europäischen Stromnetz. Diese wertet mit mehr als 50 Experten kontinuierlich Kraftwerks- und Verbrauchsdaten aus, um auf mögliche Engpässe im europäischen Stromnetz vorbereitet zu sein.