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Grillen auf dem Balkon: Erlaubt oder nicht?

Bei schönstem Sommerwetter wollen viele Mieter*innen ihren Balkon ausgiebig nutzen – natürlich auch zum Grillen. Doch was für die einen ein geselliger Abend ist, ist für die anderen mit Lärm- und oft auch Rauchbelästigung verbunden. Worauf man beim Grillen auf dem Balkon achten sollte. Wir geben einen Überblick!

Gibt es ein Grillrecht?

Die schlechte Nachricht vorweg: Es gibt kein Grundrecht aufs Grillen. ABER: Es gibt auch kein Gesetz, das verbietet den Grill anzuschmeißen. Nach Aussage des Deutschen Mieterbundes (DMB) ist Mieter*innen das Grillen „auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten grundsätzlich erlaubt.“

 

Ärger vermeiden

Wohnt man in einem Mehrparteienhaus ist gegenseitige Rücksichtnahme unter den Bewohner*innen besonders wichtig. Insbesondere die Nutzung des Balkons, die grundsätzlich rund um die Uhr gestattet ist, spielt hierbei eine große Rolle. Natürlich wollen Mieter*innen ihren Balkon bei schönstem Sommerwetter auch ausgiebig nutzen und gerne auch die nächste Grillparty darauf ausrichten. Doch gerade beim Thema Grillen kommt es immer wieder zu Ärger unter den Nachbar*innen.

Grundsätzlich gilt: Grillen auf dem Balkon ist erlaubt. Die Frage ist nur, um was für einen Grill es sich handelt, wo er steht und wie oft er benutzt wird. Zudem ist darauf zu achten, dass sich Mitbewohner*innen nicht beeinträchtigt fühlen. Daher kann es aus Gründen eines guten nachbarschaftlichen Verhältnisses empfehlenswert sein, seine Nachbar*innen vor dem Grillen zu informieren und um deren Einverständnis zu bitten.

 

Kann das Grillen verboten werden?

Vermieter*innen haben das Recht das Grillen auf dem Balkon zu verbieten. Dies kann über die Hausordnung festgelegt werden, die mit dem Mietvertrag zum Vertragsgegenstand wird. Hausbewohner*innen müssen sich daran halten - tun sie dies nicht, riskieren sie eine Abmahnung oder im schlimmsten Fall eine Kündigung. Das Landgericht Essen entschied bereits im Jahr 2002, dass in einem solchen Fall sogar eine fristlose Kündigung gestattet ist, weil der/die Mieter*in sich vertragswidrig verhält (Az.: 10 S 438/01). Das Verbot gilt übrigens dann sowohl für einen Holzkohle - als auch für einen Elektrogrill.

Wichtig: Das Grillverbot darf nicht nachträglich in einen bestehenden Mietvertrag aufgenommen werden. Um Ärger mit Mitbewohner*innen und Vermieter*innen zu vermeiden, sollte man vor dem Angrillen einen Blick in den bestehenden Mietvertrag und in die Hausordnung werfen. 

Auch für Wohnungseigentümer*innen können darüber hinaus Beschlüsse der Wohnungseigentümergemeinschaft relevant sein, die das Grillen betreffen und die dann zu beachten sind.

 

Hohe Rauchentwicklung kann zu Bußgeld führen

Wird das Grillen im Vertrag nicht ausdrücklich verboten, müssen Anwohner*innen unter Umständen trotzdem darauf verzichten. Beispielsweise wenn der Qualm in die Nachbarswohnung zieht, denn eine hohe Rauchentwicklung ist verboten. Wird dies nicht beachtet, kann laut "T-Online" eine Geldbuße fällig werden. „Der Geruch und die Rauchwolken können die Nachbarn stören", erklärt Volker Raststätter vom Münchner Mietverein.

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Wohnt man ganz oben und hat eine Dachterrasse. Zieht der Dunst nämlich nach oben, wird keiner beeinträchtigt und keiner kann sich beschweren.

Tipps, um lästigen Rauch zu vermeiden:

  • Elektro- oder Gasgrill verwenden. 
  • Mariniertes Fleisch vor dem Grillen abtupfen: Tropft Marinaden auf die Glut, entsteht Rauch. 
  • Aluschalen verwenden.
  • Grill nach der Benutzung ordentlich schrubben: Ein gereinigter Grill sorgt für weniger Qualm. Alte Essensreste auf dem Rost verbrennen sonst und führen zu Rauchentwicklung.
  • Auf gute Luftzufuhr achten: Bekommt der Grill genug Luft und kann der vorhandene Rauch gleichmäßig nach oben abziehen, qualmt es auch weniger.

 

Wie oft darf ich grillen?

Ist das Wetter so schön, würde man am liebsten jeden Tag Grillen - oder wenigstens am gesamten Wochenende. Aber wie oft darf man den Grill anwerfen? Eine einheitliche Regelung gibt es hierfür nicht. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Vorschriften, wie oft ein*e Mieter*in den Grill benutzen darf.

So halten Gerichte das Grillen auf dem Balkon für angemessen:

  • Amtsgericht Bonn: Einmal pro Monat mit 48-stündiger Vorankündigung bei Nachbar*innen.
  • Bayerisches Oberlandesgericht: Fünfmal im Jahr.
  • Landgericht Stuttgart: Dreimal im Jahr.
  • Amtsgericht Westerstede: Bis zu zehnmal im Jahr. 
  • Amtsgericht Berlin-Schöneberg: Grillen nicht länger als zwei Stunden und nicht später als 21 Uhr.

Allgemein gilt: Es muss immer so gegrillt werden, dass niemand beeinträchtigt wird und man gegenseitig Rücksicht nimmt. Das bedeutet, dass Nachbar*innen durch den Grillgeruch nicht zu häufig belästigt werden sollten. Diese müssen jedoch ein gelegentliches Grillen hinnehmen. 

 

    In Kürze: Was beim Grillen auf dem Balkon zu beachten ist!

    • Hausordnung und Mietvertrag vorab lesen.
    • Um Streit zu vermeiden, lieber Nachbar*innen informieren (48 Stunden vorher).
    • Nachtruhe ab 22 Uhr einhalten, eventuell Grillparty nach innen verlegen.
    • Standort des Grills: Möglichst in einer Ecke aufbauen.
    • Art des Grills: Grillen mit offenem Feuer auf dem Balkon ist untersagt. Lieber Elektrogrill benutzen.
    • Rauchbeeinträchtigung vermeiden.

     

    Quelle: Süddeutsche, ImmoweltDAHAG Rechtsservices

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