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Beckenverwringung: Was steckt hinter der mysteriösen Erkrankung?

Die Diagnose "Beckenverwringung" ist nur wenigen Menschen ein Begriff - dennoch leiden viele unter der Erkrankung, oftmals ohne es überhaupt genau zu wissen!

Inhalt

Was ist eine Beckenverwringung überhaupt?

Wo liegt die Ursache?

Wie wird eine Beckenverwringung ausgelöst?

Verschiedene Anzeichen möglich

Diagnostik

So funktioniert der Selbsttest

Therapieansätze

Blockaden lösen

 

Was genau ist eine Beckenverwringung?

Das Krankheitsbild klingt erst einmal skurril und ist dabei doch weit verbreitet. Nur wenigen Menschen ist der Name tatsächlich ein Begriff. Bei dieser Erkrankung ist das Becken durch Verspannungen des großen Lenden-Darmbeinmuskels (Musculus iliopsoas) in sich verdreht. Diese Blockade kann schmerzhafte Auswirkungen auf Beine, Rücken und Schultern haben. Kopf- und Nackenschmerzen sowie Schwindelanfälle können ebenfalls auftreten.

Betroffen sind alle Altersgruppen. Insbesondere bei Kindern mit Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen ist eine Beckenverwringung häufig mitursächlich.

 

Wo liegt die Ursache?

Der Lenden-Darmbeinmuskel ist als Hüftbeuger mitverantwortlich für die Beweglichkeit der Beine und stabilisiert den Körper beim Stehen und Gehen. Kommt es zu einer enormen Ausschüttung von Stresshormonen, kann es infolgedessen besonders in der Körpermitte, wo unter anderem der Iliopsoas liegt, zu starken Verspannungen kommen, die den Bewegungsapparat nachhaltig einschränken.

Bei der Beckenverwringung bildet sich demnach eine Blockade zwischen dem Lenden-Darmbeinmuskel, Rückenmuskeln und Adduktoren, also Muskeln, die für das Heranziehen von Körpergliedern verantwortlich sind. Die Folge ist eine Verdrehung des Beckens, durch die ein Bein muskulär höher gezogen wird. Es kommt zu einer sogenannten funktionellen Beinlängendifferenz. Ein Bein ist länger als das andere. Diese Fehlstellung ist wiederum Ausgangspunkt für weitere Fehlhaltungen und Verspannungen und ist äußerst schmerzhaft. Für Betroffene ein Teufelskreis.

 



 

Wie wird diese folgenschwere Verspannung des Hüftbeugers ausgelöst?

Neben psychischem Stress gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die eine Verdrehung des Beckens verursachen oder aber auch verstärken können. Darunter fällt unter anderem eine Überlastung der Rückenstrecker-Muskeln, die insbesondere durch langes Stehen, Verheben oder ein Verkühlen entstehen kann. Außerdem kann langes Sitzen zu einer Muskelverkürzung führen. Irritationen oder Verletzungen von Gelenken, die muskulär mit der Lendengegend verbunden sind, können ebenfalls Auslöser der Verdrehung sein.

 

Unterschiedliche Anzeichen möglich

Ist die Becken-Lendengegend verdreht und sind infolgedessen die Beine unterschiedlich lang, kann sich das auf die Spannung der gesamten Wirbelsäule auswirken. Darüber hinaus können Nervenbahnen angebundener Organe und Regionen betroffen sein.

Neben Rückenschmerzen kann es zu Schmerzen in der Hüfte, Leiste, den Beinen sowie Schultern und Armen kommen. Symptomatisch können ebenfalls Kopf- und Nackenschmerzen sowie Schwindel, Sehstörungen, Tinnitus oder eine Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) sein.

 

Zeitintensive Diagnostik

Um eine sicherer Diagnose stellen zu können, muss der Arzt eine gründliche Anamnese durchführen. Neben der Schmerzgeschichte muss auch die allgemeine Lebenssituation, sowie eventuell zurückliegende Stürze, Verletzungen oder Operationen in Betracht gezogen werden.

Daneben ist eine ausführliche körperliche Untersuchung und Funktionsprüfung der Gliedmaßen nötig. Diese doch zeitintensive Untersuchung und Begutachtung ist ein Grund, warum die Beckenverwringung häufig unentdeckt bleibt.

Erst die genaue Betrachtung des Beckens macht es dem Arzt möglich, eine Aussage über dessen Statik und die Längen der Beine zu treffen. Im beckenbreiten Stand des Patienten ist es möglich, die Beckenhöhen und Symmetrie zu begutachten. Besteht eine Dysbalance wird das sichtbar an der Taille und einer Verdrehung der Wirbelsäule mit einem einhergehenden Beckentiefstand.

Neben den genannten Untersuchungen erfolgt schließlich ein Funktions- und Reflextest. Hierbei wird die Funktion des Hüftbeugers auf beiden Seiten getestet, die Beinlängen werden verglichen und durch das Triggern bestimmter Punkte werden muskuläre Spannungen überprüft.

 



 

So kann man selbst testen, ob das Becken verdreht ist!

Man legt sich zuerst einmal flach auf den Rücken. Dann zieht man nacheinander ein Knie so weit wie möglich hoch an die Brust. Das andere Bein soll dabei flach lieben bleiben. Ist der Lenden-Darmbeinmuskel verspannt, wird sich der Oberschenkel des gestreckten Beines beim Anziehen des gegenseitigen Knies etwas aufwärts bewegen wollen.

 

Therapieansatz

Um Verspannungen des Beckens und daraus resultierende Fehlfunktionen nachhaltig zu beseitigen, sollte zunächst die eigentliche Ursache eingegrenzt und wenn möglich behoben werden. Dauert die Über- bzw. Fehlbelastung an, kann sich die Beckenverwringung nicht vollständig lösen oder kehrt nach kurzer Zeit wieder zurück. Infolgedessen kann es zu einem chronischen Schmerzverlauf kommen. Wird das psychische Leiden durch die andauernde Belastung nicht behandelt, kann das zu einer Störung im vegetativen Nervensystem führen, wodurch es zu ständig wiederkehrenden Verspannungen kommt.

 

Bewegung und Blockaden lösen

Um die verspannten Muskeln rund um das Becken zu lockern, eignen sich neben täglichen Dehn- und Entspannungsübungen auch mehrmals wöchentliche Bewegungsübungen sowie eine manuelle Therapie durch einen Physiotherapeuten.

Darüber hinaus ist Wärme wohltuend für schmerzgeplagte Betroffene. Außerdem ist eine Eigenbehandlung der muskulären Triggerpunkte mit einem Massageball ebenfalls eine gute Alternative, um Linderung zu verschaffen.

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