Kaugummi verschluckt: Ist das wirklich schädlich?

Ups, und schon ist es passiert, plötzlich hat man den Kaugummi verschluckt. Verklebt jetzt der Magen, wie es uns unsere Eltern immer prophezeit haben? Wie gefährlich ist das Hinunterschlucken wirklich?

INHALT

Verklebt Kaugummi den Magen?

Was passiert mit dem heruntergeschluckten Kaugummi?

Nicht zu häufig schlucken!

Kurioser Fall aus England

Wirken Kaugummis abführend?

Kann Kaugummikauen das Hungergefühl ausblenden?

Kann ein Kaugummi das Zähneputzen ersetzen?

 

 

Verklebt den Magen oder wirkt abführend?

Wie klebrig so ein augespuckter Kaugummi sein kann, hat der ein oder andere schon erlebt, wenn er aus Versehen reingetreten ist oder sich hineingesetzt hat. Das liegt daran, dass sich die Struktur super an alle Oberflächen - bis ins kleinste Detail - anpassen und praktisch damit verschmelzen kann. Ärgerlich, wenn sich die klebrige Masse dann in jede Rille der Jeans heftet.

Eltern warnen daher davor Kaugummi hinunterzuschlucken, sonst könnte sich im Magen ein riesiger, klebriger Ball entwickeln. Ganz so schlimm ist es aber nicht: Im Körper hat der Kaugummi nicht die Möglichkeit dazu haften zu bleiben, denn überall - im Mund, in der Speiseröhre, im Magen oder Darm, legt sich ein Feuchtigkeitsfilm auf den Kaugummi, der somit den direkten Kontakt mit der Körperoberfläche verhindert, heißt es beim "Spiegel". Er bleibt also nicht kleben!

 

Was passiert mit dem heruntergeschluckten Kaugummi?

Unser Körper kann mit dem Großteil eines Kaugummis nichts anfangen. Es werden nur winzige Mengen verwertet wie der Zucker und Zusätze wie Aromen. Diese werden bei der Verdauung herausgelöst und gelangen über die Blutbahn in den Organismus. Der Rest der Kaumasse ist für den Körper nicht verwertbar und wandert vom Magen über den Dünndarm hin zum Dickdarm. Wie der Kindergastroenterologe am Klinikum Stuttgart, Axel Enninger gegenüber dem "Spiegel" erklärt: "Was oben reingeht, kommt auch unten wieder raus." Heißt, am Ende landet der unverdauliche Klumpen in der Toilette. 

 

Nicht zu häufig schlucken!

Wer aus Versehen ein Kaugummi verschluckt, muss sich also keine Gedanken machen. "Ein Kaugummi per se ist nicht schädlich", bestätigt auch die Bundeszahnärztekammer. Das hänge allerdings von der Menge ab. Es ist zwar nicht schädlich, doch sollte man nicht verdauliche Stoffe besser nicht herunterschlucken. Zudem sollte man bedenken aus was der kleine Klumpen besteht, denn das ist alles andere als appetitlich. Vorwiegend stecken Zucker bzw. Zuckerersatzstoffe, Aromen, Weichmacher und Füllstoffe drin. Grundstoff für die Kaumasse sind Polymere – also Kunststoffe. Und die werden letztendlich aus Erdöl gewonnen. Aus ähnlichem Material werden zum Beispiel Gummihandschuhe und Klebstoffe gemacht. Weil natürliche Rohstoffe knapp sind, benutzt man für Kaugummis synthetische Thermoplaste.

 

Kuriose Geschichte aus England

Dennoch sollte man Kaugummi nicht häufig schlucken, sonst macht man unter Umständen die gleiche Erfahrung wie eine Britin aus Bristol. Aufgrund von Übelkeit und Schluckbeschwerden suchte die 40-Jährige ein Krankenhaus auf und was die Ärzte laut "Spiegel" während der Untersuchung fanden, war ein fünf mal fünf Zentimeter großer Kaugummiklumpen, der in der Speiseröhre feststeckte. Es stellte sich heraus, dass die Dame täglich den Inhalt von drei Kaugummipackungen herunterschluckte! Mit dieser unglaublichen Masse kam der Körper dann tatsächlich irgendwann nicht mehr klar.

 

Besser nicht zu viele Kaugummis kauen

Auf der Verpackung von Kaugummis findet man oft den Hinweis "können bei übermäßigem Verzehr abführend wirken". Dr. med. Hans Michael Mühlenfeld, Arzt für Allgemeinmedizin bestätigt dies gegenüber T-Online. Viele Kaugummis enthalten  Zuckerersatzstoffe wie Sorbit, diese haben eine abführende Wirkung. Dieser Effekt kann also beim Verzehr von fünf bis sieben Kaugummis durchaus eintreten. Aus diesem Grund sollte man innerhalb kürzerer Zeit nicht zu viele Kaugummis kauen.  

 

Hungergefühl durch Kaugummikauen austricksen

Kann das Kauen von Kaugummi wirklich das Hungegefühl reduzieren? Auch darauf hat Dr. Mühlenfeld eine klare Antwort: Das Gegenteil sei eher der Fall. Auch wenn dieser Effekt nicht gleich auftritt, der Körper bekomme aber durch das Kauen signalisiert, dass gleich Nahrung kommen würde, doch das geschieht nicht. Zeitweise könne man das Hungergefühl zwar verringern, doch anschließend tritt es noch stärker auf. 

 

Kaugummikauen statt Zähneputzen?

Mediziner sind sich einig: Das Kaugummikauen kann das Zähneputzen nicht ersetzen, aber es kann die Mundhygiene unterstützen, da die Produktion von Speichel angeregt wird und dieser wiederum dabei hilft, die Zähne nach dem Essen "zu reparieren", indem er den Mineralverlust ausgleicht. Gegenüber T-Online erklärt der Dr. Mühlenfeld: "[...] das Kauen zuckerfreier Kaugummis [ist] durchaus geeignet, Speisereste aus Zahnzwischenräumen zu entfernen." Damit sei eine Vorreinigung möglich.

 

Quelle: Spiegel

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