Der erste Sieg für Verstappen in diesem Jahr.
Aijaz Rahi/AP/dpa
Der erste Sieg für Verstappen in diesem Jahr.
Formel 1

Verstappen-Triumph und WM-Vorentscheidung im Malaysia-Chaos

Erst Wolkenbrüche, dann Autos, die nicht fahren können. Im Formel-1-Chaos von Sepang bleibt einer cool: Max Verstappen. Unterdessen scheint der WM-Kampf entschieden.

Nach dem erlösenden ersten Saison-Triumph stürmte Max Verstappen in die Arme seiner Crew und genoss die Ovationen der Zuschauer für die turbulente Malaysia-Rückkehr der Formel 1. Wolkenbrüche, Gewitter, eine Technikposse wegen des Regens und anderthalbstündige Startverspätung - nichts konnte Verstappen auf dem Weg zum ersten Sieg seit dem 7. Dezember 2025 aufhalten. «Was für ein fantastisches Wochenende», funkte Verstappen an die Box: «Wir können stolz sein.»

2017 hatte Verstappen auch das bis Sonntag letzte Rennen auf dem Sepang International Circuit gewonnen, es war damals sein zweiter Karriereerfolg. Diesmal war es Nummer 72.

Bitteres Ende für Russell

Vier Tage nach seinem 29. Geburtstag verwies er im Red Bull den WM-Führenden Kimi Antonelli im Mercedes auf den zweiten Platz. «Das war das Maximale, das wir rausholen konnte», sagte der Italiener. Schlecht für Mercedes, gut für ihn: Titelrivale und Teamkollege George Russell blieb wenige Runden vor dem Ende wegen eines Motorendefekts stehen - null Punkte für den Briten. Er liegt nun 84 Punkte hinter dem 20 Jahre alten Antonelli. 

Dritter wurde Lewis Hamilton. Der Rekordweltmeister legte unter dem Jubel der Fans eine famose Aufholjagd hin, nachdem ihn eine seltsame Ferrari-Taktik auf dem zunächst noch nassen Kurs von Startplatz zwei weit nach hinten gespült hatte. «Was für ein hartes Rennen», sagte der siebenmalige Champion: «Ich habe auf dem Bildschirm gesehen, dass wir eine Minute zurück sind. Aber ich bin cool geblieben.»

Nico Hülkenberg verpasste im Audi als Elfter knapp die Punkteränge. 

Pünktlich zum Showdown machte Sepang seinem Ruf alle Ehre. In den Trainings und in der Qualifikation hatte es noch keinen Regen gegeben. Hieß auch: Keine Daten, keine Infos, sollte es nass werden. Hinzu kommt: Mit der neuen Fahrzeuggeneration in diesem Jahr gab es noch gar kein klassisches Regenrennen. 

Es wurde also Zeit - und Malaysia war bereit. Regenschirme, dichtes Drängeln auf dem Grid, die Mechaniker machten sich an den Autos zu schaffen, um sie auf die hochgradig herausfordernden Bedingungen anzupassen. Es goss von oben, Blitz und Donner verstärkten die Sorgen. 

Warum es der Große Preis von Bahrain ist

Nicht überraschend für Malaysia. 2009 war dort der Grand Prix nach 31 Runden sogar abgebrochen worden. Immer wieder hatte es dort in der Zeit als Dauerstation im Rennkalender von 1999 bis 2017 Regenschlachten gegeben. Diesmal war das Rennen der Nachhol-Grand-Prix für Bahrain nach der Absage im April wegen des Iran-Kriegs. 

Geduld war gefragt. Verstappen saß mit Papa Jos auf einem Klappstuhl in der Garage, auf den Wiesen verharrten die Fans unter großen Regenschirmen. Mit Besen versuchten die Helfer, das Wasser von Strecke zu fegen. 

Autos reagieren nicht: «Ich kann nicht beschleunigen»

Mit mehr als 40 Minuten Verspätung ging es auf zwei Formationsrunden hinter dem Safety Car von Bernd Mayländer. Doch dann funkte Verstappen an die Box: «Ich kann nicht beschleunigen.» Auch Hamilton rollte nur vor sich hin. Ein paar Autos reagierten einfach nicht nach den vorgenommenen Software-Einstellungen auf den Regen. Keine Werbung für die Formel 1. Dass das Formel-1-Regenradar ausgefallen war, passt ins Bild. Das Startprozedere wurde wieder abgebrochen.  

Dann die Ankündigung: Start um 16:33 Uhr Ortszeit, 1:33 Stunden später als geplant. Um die Uhrzeit wären die Fahrer eigentlich fast schon ins Ziel gekommen. Gegen 19.00 Uhr Ortszeit würde auch die Sonne untergehen.

Verstappen, Antonelli und Russell entschieden sich für Mischreifen, Hamilton hatte die soften Slicks drauf. «Das ist noch so rutschig», funkte er an die Box und sagte nach dem Rennen: «Das war die falsche Entscheidung.»

Antonelli erwischte einen Raketenstart und schoss an Verstappen und Hamilton von Startplatz drei nach vorn. Im Windschatten Russell. Hamilton wurde durchgereicht, hatte nach wenigen Runden mit seinen Rutschreifen über eine Minute Rückstand. Verstappen erholte sich dagegen schnell von seinem miesen Start und schnappte sich Russell. 

Besser hätte es für Verstappen auch nicht laufen können

Dann rutschte Valtteri Bottas mit dem Cadillac ins Kiesbett - das Safety Car musste erneut raus. Besser hätte es für alle mit den Mischreifen nicht laufen können: Nun konnten sie ohne Zeitverlust die Slicks aufziehen lassen. Als Mayländer wieder reinfuhr, lieferten sich Antonelli, Verstappen und Russell einen packenden Dreikampf. 

Der Niederländer nutzte die noch schnelleren soften Reifen, passierte Antonelli, der wie Russell auf der mittleren Reifenmischung unterwegs war. Der Brite, zuletzt Sieger in Baku attackierte Antonelli ebenfalls - und kam ebenfalls vorbei. Das Duell um die WM. Und Antonelli klärte das auf seine Weise und überholte Russell nach nicht mal der Hälfte der Renndistanz.

Als dann Alexander Albon mit dem Williams stehen blieb und eine erneute Safety-Car-Phase auslöste, holte sich Verstappen noch mal frische Reifen. Er kam hinter Antonelli raus, ehe auch dieser die Reifen wechseln ließ und damit die alte Reihenfolge wieder hergestellt war. Bis Russell stehen blieb. Wohl das Ende für den kleinen WM-Traum.

Jens Marx und Christian Hollmann, dpa
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