Ungeduscht und unantastbar: BVB auf Guirassys Schultern
Serhou Guirassy trifft in der Champions League wie sonst nur Harry Kane oder Kylian Mbappé - und sorgt dafür, dass die weite Reise nach Baku den Herbstblues in Dortmund nicht weiter anfacht.
Serhou Guirassy trifft in der Champions League wie sonst nur Harry Kane oder Kylian Mbappé - und sorgt dafür, dass die weite Reise nach Baku den Herbstblues in Dortmund nicht weiter anfacht.
In seiner kurzen gelben Hose und ungeduscht verließ Serhou Guirassy das Olympiastadion von Baku. Als der Matchwinner von Borussia Dortmund in den Mannschaftsbus einstieg und hinten Platz nahm, herrschte unter den Mitspielern Erleichterung und gute Laune - der Stürmer hatte den BVB mit seinem Doppelpack bei Aserbaidschans Meister FK Sabah vor einer Blamage in der Champions League bewahrt.
«Serhou ist eine Maschine, mehr muss ich wirklich nicht zu ihm sagen», lobte Torhüter Gregor Kobel nach dem 2:1 (1:1), bei dem Guirassy sogar noch mehr Chancen hatte.
Zügiges Verschwinden aus der Arena - wegen der Duschen
So ungewöhnlich wie die Fünf-Stunden-Reise ans entfernte Kaspische Meer nach Baku war auch das zügige Verschwinden, das die Dortmunder Profis in der EM-Arena von 2021 zu später Stunde am Dienstag hinlegten.
«Wir haben auch gestern nach dem Training nicht geduscht - und treten nun die schnelle Rückreise ins Hotel an. Uns wurde gesagt, dass wir hier nicht duschen sollen», sagte BVB-Trainer Niko Kovac, der nach drei sieglosen Spielen endlich aufatmen konnte. Das 2:2 gegen Werder Bremen, das schmerzhafte 0:1 bei Norwegens FK Bodö/Glimt sowie das 0:0 bei Union Berlin hatten der Stimmung beim BVB zugesetzt.
In Baku stimmte immerhin das Ergebnis, wenn die Rahmenbedingungen schon gewöhnungsbedürftig waren. «Ich glaube, die Duschen waren etwas einladender im Hotel. Deshalb gucken wir, dass die Spieler schnell dahin kommen», sagte Dortmunds Sportdirektor Ole Book in der Interviewzone. Präzisieren wollte Book seine Aussagen zu den Duschen nicht. «Das kann man sich ja ein bisschen ausmalen», sagte der Funktionär. Sie seien «nicht ganz so schick».
BVB-Tross nach Strapazen erschöpft
Nach einer wilden Reisewoche mit Bodö, Berlin und Baku innerhalb von nur sieben Tagen war beim Dortmunder Tross eine gewisse Erschöpfung zu spüren. «Ich bin auch ganz froh, dass wir wieder zu Hause spielen», sagte Book. Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) kommt Eintracht Frankfurt.
Dass das Ende des Ergebnistiefs mit dem Ende der Flaute von Torjäger Guirassy zusammenfiel, war kein Zufall. Der 30 Jahre alte Stürmer ist ein Garant im Team von Trainer Kovac. «Es war sehr wichtig für uns als Mannschaft, denn nach den letzten Ergebnissen war die Stimmung ziemlich im Keller», sagte Guirassy. «Das macht dann eine große Mannschaft aber aus: Sie gewinnt solche Spiele.»
Nur Kane und Mbappé vor Guirassy
Von einer großen Mannschaft wirkte der BVB seit der Länderspielpause ein ordentliches Stück entfernt. Dafür zeigte Guirassy einmal mehr, welch verlässlicher Torjäger er auf europäischer Bühne inzwischen ist. Seit er 2024 vom VfB Stuttgart zu Schwarz-Gelb wechselte, hat er 21 Treffer in der Königsklasse erzielt. Besser in diesem Zeitraum waren nur Bayerns Harry Kane und Kylian Mbappé von Real Madrid. Guirassy ist beim BVB unantastbar.
Auch Cheftrainer Kovac wirkte erleichtert. Seit er vor gut einer Woche seinen Vertrag bis 2029 verlängerte, hatten der sportliche Flop in Norwegen, die Nullnummer bei Union und die Bänderverletzung von Konstantinos Karetsas die Stimmung getrübt. «Viele denken, du fährst nach Norwegen und Aserbaidschan und es ist einfach. Nein, es ist nicht einfach», erklärte Kovac. Der erst 2017 gegründete Club FK Sabah sei «keine Kirmestruppe».
Veerman: «Wirklich guter Stürmer»
Mit dem auch diesmal starken Schlussmann Kobel und dem treffsicheren Guirassy hat der BVB ganz vorn und ganz hinten zwei absolute Fixpunkte gefunden. Dazwischen variiert Kovac, ließ diesmal Jobe Bellingham und Maximilian Beier auf der Bank. Dafür durfte der niederländische Neuzugang Joey Veerman die Partie dirigieren. Seine Flanke vor dem zweiten Tor von Guirassy war spielentscheidend. «Obwohl immer zwei Spieler an ihm dran sind, ist er bei Flanken wirklich gefährlich. Für uns ist er ein wirklich guter Stürmer», sagte Veerman.
Von Patrick Reichardt, dpa
© dpa-infocom, dpa:261021-930-869539/3
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten