Mentalitätsdebatte? Nein, ein Entwicklungsschritt. Borussia Dortmund bleibt mit dem FC Bayern auf Augenhöhe. Die Dortmunder Protagonisten werteten den Punktgewinn im Topspiel der Fußball-Bundesliga als deutliches Zeichen einer besonderen Willenskraft. In den vergangenen Jahren hatte es stattdessen oft Diskussionen über die Mentalität des Teams gegeben.
«Es hat mir gefallen, dass die Mannschaft sich nicht aufgegeben hat. Es ist schon seit längerer Zeit sehr unangenehm, gegen Borussia Dortmund zu spielen», frohlockte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken nach dem 2:2 (0:1) in München. «Wir haben nicht nur zweimal einen Rückstand aufgeholt, wir sind weiter ungeschlagen.»
Formation aus der frühen Klopp-Zeit
Und das auch dank einer taktischen Variante, die der ehemalige Münchner Coach und aktuelle BVB-Trainer Niko Kovac vornahm: Eine 4-4-2-Formation, die man aus Tagen unter dem einstigen Trainer Jürgen Klopp kannte. «Wenn man gegen die Bayern etwas reißen möchte, muss man sie auch mal überraschen - und das mit einer etwas mutigeren Vierer-Abwehrkette», erklärte Ricken.
Mit jeweils 18 Punkten liegen die beiden Erzrivalen in der Tabelle weiter gleichauf vorn. In der vergangenen Saison waren es zum selben Zeitpunkt sieben Punkte Rückstand für Schwarz-Gelb auf den Meister. «Natürlich sind Punkte in München keine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil», sagte Kovac.
Er lobte besonders die Widerstandskraft. «Die Mannschaft hat von der ersten bis zur letzten Minute dran geglaubt. Sie hat gekämpft, hat sich aufgeopfert und ist nach zwei Rückständen zurückgekommen. Das zeigt, welche Mentalität die Mannschaft besitzt, welche Kraft, welche Energie», schwärmte der Kroate, der von Juli 2018 bis November 2019 Bayern-Trainer war.
Ansage vom Abwehrchef
In der Vorsaison hatten die Dortmunder noch beide Ligaspiele gegen den FC Bayern verloren. Diesmal geht es nach der Supercup-Niederlage in der Liga besser los. «Es ist aber leider auch nur ein Punkt, aber auch einer mehr gegen die Bayern als letztes Jahr. Daraus können wir Selbstvertrauen ziehen», sagte Kapitän Nico Schlotterbeck.
Die Ansage von Schlotterbeck, der die Viererkette genau wie Kollege Waldemar Anton aus dem Nationalteam gewohnt ist, unterstrich die neuen Dortmunder Ansprüche. Bundestrainer Jürgen Klopp dürfte sich auf der Tribüne gefreut haben, dass sich die DFB-Leistungsträger in den beiden Teams in einem spannenderen Titelkampf vielleicht gegenseitig zu Topleistungen antreiben.
Dortmunder Joker-Rekord
Zudem scheinen die Dortmunder um den zum 1:1 erfolgreichen Torjäger Serhou Guirassy mehr Qualität als in den Vorjahren auf der Bank zu besitzen. «Wir sind drangeblieben und immer wieder zurückgekommen», sagte Sportdirektor Ole Book.
Der Treffer zum Endstand war eine Co-Produktion von zwei Einwechselspielern. Vorlage Konstantinos Karetsas, erfolgreicher Abschluss Fabio Silva. Acht Joker-Vorlagen zu Toren nach acht Spieltagen sind eine Bundesliga-Bestmarke.
Bedeutung für den weiteren Saisonverlauf? Das sagt Kovac
«Wenn wir unsere Qualitäten auf den Platz bekommen, dann sind wir auch richtig gut - und das gibt mir jetzt auch Mut für die nächsten Wochen», sagte Ricken. Erst einmal folgt das Heimspiel am Mittwoch in der Champions League gegen Real Betis aus Sevilla.
Was der Auftritt in München für den weiteren Saisonverlauf bedeutet, wollte Kovac nicht näher bewerten. «Ich schaue gar nicht auf die Position, sondern ich versuche erst mal, dass die Mannschaft sich weiterentwickelt. Das macht sie», sagte der 55-Jährige, der die frühere Wirkungsstätte sehr zufrieden verließ.