Das Tor, mit dem zu dem Zeitpunkt kaum einer rechnen konnte.
Martin Meissner/AP/dpa
Das Tor, mit dem zu dem Zeitpunkt kaum einer rechnen konnte.
Fußball-Nationalmannschaft

Wildes Remis bei Klopps erster Bundestrainer-Show

Wild, mitreißend, nicht immer überzeugend. Jürgen Klopp hat einen Prestigesieg beim Debüt in Amsterdam in letzter Minute verpasst. Dennoch eine Initialzündung für eine «wunderbare Zukunft»?

Ein Handschlag für Kollege Xavi, Umarmungen für seine leidenschaftlichen Fußball-Kämpfer: Was für eine Klopp-Show auch ohne Happy End. In einem wilden Fußball-Ritt mit ganz viel Gift und Leidenschaft hat die Nationalmannschaft beim Debüt von Bundestrainer Jürgen Klopp einen Prestigesieg knapp verpasst. 87 Tage nach dem bitteren WM-Scheitern im Amerika klappte beim 1:1 (1:0) in den Niederlanden noch nicht alles. 

Doch nach einem Auftritt voller Energie und dem von Klopp prophezeiten «Chaos» lebt trotz des späten Gegentores die Hoffnung auf bessere Zeiten für die DFB-Elf. Felix Nmecha (32.) brachte Deutschland in der stimmungsvollen Johan Cruyff Arena beim Auftakt in die Gruppenphase der Nations League in Führung. Cody Gakpo (90.+2) verhinderte mit seinem Tor für Oranje aber einen Traumstart für Klopp.

Ter Stegen erst mit Wacklern, dann starker Rückhalt

Auch das doppelte Verletzungsaus von Jamal Musiala kurz vor dem Anpfiff und Kai Havertz schon nach einer halben Stunde brachte die DFB-Elf nicht aus dem Konzept. Klopps modernes Fußball-Credo von Aggressivität und Tempo war in seinem Team mit drei Länderspiel-Debütanten erkennbar. 

Defensiv gab es allerdings noch mehrere Wackler und kritische Momente – anfänglich auch beim später starken Torwart-Rückkehrer Marc-André ter Stegen. Kapitän Joshua Kimmich und seine Kollegen mussten nonstop kämpfen Klopp musste wie die deutschen Fans auch ganz schön zittern und leiden. Der späte Ausgleich war ein kleiner Nackenschlag. Die Stimmung ist vor dem ersten Heimspiel am Sonntag in Augsburg gegen Griechenland aber zumindest wieder hoffnungsvoll.

Klopps Zukunfts-Ansage vor dem Anpfiff

«Heute kann der erste Tag unserer wundervollen Zukunft sein. Theoretisch», sagte Klopp vor dem Anpfiff bei RTL. Wenige Minuten später durchkreuzte bereits der Ausfall Musialas die Pläne des neuen Bundestrainers. Mitten unter seinen Spielern verfolgte er das Aufwärmprogramm und musste dann schnell handeln: Für Musiala, der etwas im Oberschenkel verspürt hatte, schickte Klopp Nadiem Amiri in die Startformation. 

Erste Minuten wie aus dem Klopp-Lehrbuch

Nicht zaudern, handeln - so legte auch seine Mannschaft los. Nach der Schweigeminute für die jüngst verstorbene Ehefrau des ehemaligen Bondscoaches Ronald Koeman war gleich Zug drin. Hohes Pressing, Aggressivität, Klopp-Style. Karim Adeyemi wurde in der zweiten Minute erst im Strafraum gestoppt. 

Ein Start, der Mut machte und die riesigen Hoffnungen, die mit dem Engagement von Klopp verbunden sind, befeuerte. Nur, dass es so nicht weiterging. Deutschland verlor nach den erfrischend druckvollen Anfangsminuten schneller als gedacht die Kontrolle und hatte gleich zweimal großes Glück in einem stetig ansteigenden Reizklima auf dem Rasen. 

Zweimal Glück: Kein Elfmeter und Holland-Tor aberkannt

10. Minute: Brian Brobbey kommt im deutschen Sechzehner zu Fall. Elfmeter? Der Referee sieht kein Vergehen. Aufatmen bei Jonathan Tah nach seinem schlechten Stellungsspiel. Kurz danach blockt der Bayern-Profi den Ball zur Ecke, die Klopp den zweiten unerwünschten Aufreger beschert: Der Ball ist im Tor, zuletzt berührt von der Schulter von Hollands Kapitän Virgil van Dijk, einst Klopps rechte Hand auf dem Feld während der gemeinsamen erfolgreichen Liverpool-Zeiten. 

Ter Stegen wurde allerdings auch so bedrängt, dass der VAR das Tor aberkannte. Wenig später leistete sich der mittlerweile für Ajax Amsterdam spielende ter Stegen einen echten Lapsus: Sein Pass in die Füße von Cody Gakpo blieb aber folgenlos. 

Das Havertz-Drama

Dann auch das noch: Nach dem Ausfall von Musiala musste nach nicht mal einer halben Stunde auch Mittelstürmer Havertz verletzt raus. Ein Debüt für Klopp mit maximalen Herausforderungen gegen eine fest entschlossene niederländische Mannschaft und die Oranje-Fans im Stadion. «Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, nicht für die Spieler mehr, für keinen mehr», hatte Rekordnationalspieler und RTL-Experte Lothar Matthäus vor der Partie betont. 

Und die deutsche Mannschaft lieferte! Zunächst verpasste der gerade erst für Havertz eingewechselte Younes Ebnoutalib die Führung, als dann über Kapitän Joshua Kimmich Neuling Treu das erste Zeichen eines Klopp-Neulings setzte. Seine Hereingabe konnte Adeyemi noch nicht im Tor unterbringen, dafür aber Nmecha den Abpraller.

Rudelbildung nach dem deutschen Tor

Danach große Aufregung und Rudelbildung: Die Gastgeber wüteten. Brobbey hatte sich ohne sichtbare Fremdeinwirkung kurz vorm deutschen Treffer verletzt. Die Niederländer waren fuchsteufelswild, weil die deutsche Mannschaft einfach weiter gespielt hatte. Der Referee hatte aber auch keinen Anlass gesehen, das Spiel zu unterbrechen. 

Längst war Klopps Debüt Härtetest und Reifeprüfung in einem für eine deutsche Mannschaft, die sich im großen Umbruch befindet. Druck aushalten war das Motto der zweiten Hälfte. Eine Niederlage im Prestige-Duell mit dem Nachbarn im ersten Spiel von Xavi - für Oranje eigentlich keine Option. 

Schwerstarbeit auch in der Coaching-Zone

Und nun konnte sich auch ter Stegen richtig auszeichnen, als er in der 60. Minute glänzend gegen Denzel Dumfries parierte und etwas später gegen Mexx Meerdink. Machtlos wäre er gewesen, wenn eben dieser den Ball frei vorm Tor nach einer scharfen Hereingabe von der rechten Seite noch berührt hätte. Dafür wehrte ter Stegen einen Schuss von Ruben van Bommel in den letzten Minuten aber spektakulär ab.   

Schwerstarbeit für die Mannschaft und für Klopp, der in der kleinen Coaching-Zone ständig unterwegs war. Und auch seine Spieler ackerten und rannten, konnten Klopp am Ende aber doch keinen siegreichen Einstand bescheren.

Arne Richter, Klaus Bergmann und Jens Marx, dpa
© dpa-infocom, dpa:260924-930-740028/5
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

ACCEPT mit BREAKER

RPR1. – der beste Musikmix für Rheinland-Pfalz

RPR1. – der beste Musikmix für Rheinland-Pfalz


Es läuft:
ACCEPT mit BREAKER