«Freude ist unendlich»: München soll Olympia holen
Deutschland geht mit München ins internationale Rennen um die Austragung von Olympia. Die bayerische Landeshauptstadt gewinnt gegen Köln-Rhein-Ruhr - klarer als vorher erwartet.
Deutschland geht mit München ins internationale Rennen um die Austragung von Olympia. Die bayerische Landeshauptstadt gewinnt gegen Köln-Rhein-Ruhr - klarer als vorher erwartet.
Im letzten Moment der Kür von München zum deutschen Olympia-Bewerber unterlief DOSB-Chef Thomas Weikert doch noch eine kleine Panne. Eigentlich sollte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds den Siegerumschlag geöffnet für die Verkündung dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier reichen, doch da blitzte der Name des großen Gewinners schon hervor. «Wer es jetzt eben nicht gesehen hat, dem sage ich: Der Sieger ist München», sagte Steinmeier mit einem Schmunzeln.
Mit 91:50 Stimmen setzte sich die bayerische Landeshauptstadt bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden im Duell mit Köln-Rhein-Ruhr deutlicher als zuvor erwartet durch.
«Die Kölner haben es ganz schön spannend und schwer gemacht. Ihr habt uns ganz schön zum Zittern gebracht», sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und betonte: «Danke fürs Vertrauen.» Auch Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sprach von einer Zitterpartie und sagte: «Die Freude ist jetzt unendlich.»
Merz signalisiert Unterstützung
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst war einer der ersten Gratulanten. «Köln-Rhein-Ruhr hat seine Hausaufgaben gemacht und eine exzellente Bewerbung vorgelegt, am Ende entscheiden Nuancen», erklärte der CDU-Politiker. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte seine Unterstützung: «Wir wollen die Olympischen und Paralympischen Spiele zu uns holen - für Gänsehaut, große Erfolge, unvergessliche Momente und ein ganzes Land, das mitfiebert.»
München galt vor der geheimen Abstimmung als Favorit. Prüfer des DOSB hielten das Münchner Konzept schon vor dem Votum für am besten geeignet, wie aus einer Bewertung durch die Evaluierungskommission hervorging. Der Vorschlag Münchens schnitt dabei knapp besser ab als der des Kontrahenten Köln-Rhein-Ruhr. Mit Ausnahme von Fußballspielen in Stuttgart und den Segelwettbewerben in Kiel sollen sämtliche Wettkämpfe in Bayern stattfinden.
Letztmals 1972 Olympische Spiele in Deutschland
München hat die Chance, Olympia zum ersten Mal seit den Sommerspielen 1972 wieder nach Deutschland zu holen. Auch damals war München Gastgeber dieses sportlichen Großereignisses. Seitdem gab es mehrere gescheiterte deutsche Bewerbungen um Sommer- und Winterspiele.
Nun hofft der DOSB auf eine Rückkehr der Olympischen Spiele nach Deutschland. National punktete die bayerische Landeshauptstadt mit der Unterstützung der Politik und der Bevölkerung. Bei einer Bürgerbefragung im vergangenen Oktober sicherte sich München eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die Olympia-Pläne.
2013 war in der drittgrößten Stadt Deutschlands eine Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2022 noch an einem Bürgerentscheid gescheitert. Damals lehnte eine Mehrheit die Pläne ab.
DOSB-Chef Weikert würdigte den mehrjährigen Weg der Auswahl des nationalen Bewerbers um Olympia und Paralympics als modern, transparent und erfolgversprechend. «Mancher mag sagen, der Weg war typisch deutsch», ergänzte Weikert.
Hamburg und Berlin verabschiedeten sich vorzeitig
Neben München und Köln-Rhein-Ruhr hatten auch Hamburg und Berlin Olympia-Pläne geschmiedet. Doch anders als in München und auch in Köln-Rhein-Ruhr stimmte in Hamburg die Mehrheit der Bevölkerung bei einer Bürgerbefragung gegen das Olympia-Konzept.
Berlin zog die Bewerbung zwei Tage vor der Abstimmung zurück. Zum einen schnitt die Hauptstadt bei der DOSB-Evaluierung deutlich schlechter ab als die Konkurrenz. Zum anderen wurden die Olympia-Befürworter im Senat bei der Wahl des Abgeordnetenhauses am vergangenen Sonntag abgewählt. Stattdessen gewann die Wahl die Linke. Ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp, die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, lehnt Olympia in Berlin ab.
Nun geht's im internationalen Wettbewerb weiter
Für den DOSB und München als Bewerberstadt geht es darum, sich nun auch im internationalen Wettstreit in Stellung zu bringen und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Detailpläne und finanzielle Garantien vorzulegen. Mit ikonischen Wettkampfstätten wie dem Olympiapark und weltweiter Strahlkraft will München auch international punkten.
Der neue Sport-Staatsminister Ronald Rauhe warb für eine Bewerbung, die Menschen begeistern könne. «Vielleicht ist es genau das, was Deutschland gerade gut gebrauchen kann: ein großes gemeinsames Ziel. Wenn wir gemeinsam an etwas glauben, dann können wir gemeinsam etwas erreichen», sagte der Kanu-Olympiasieger.
Die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein. Die nächste Phase strategischer Verhandlungen würde dann bis Ende 2028 laufen, ehe in den letzten Monaten bis zur entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen verbleiben.
Offen ist, ob das IOC für 2036 einen Kandidaten aus Asien oder Europa bevorzugt. Indien und Katar gelten als mögliche Kandidaten für die Sommerspiele in zehn Jahren. Erwogen wird beim IOC auch eine Doppelvergabe der Spiele 2036 und 2040. Der DOSB will in jedem Fall dann mit einer überzeugenden Bewerbung bereitstehen, wenn Europa gefragt ist. Neben München haben in Europa Budapest und Istanbul Olympia-Pläne - auch Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana prüfen einen Anlauf.
Christian Johner und Christian Hollmann, dpa
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