Portugals großer Fußball-Star verabschiedet sich. (Archivbild)
Sam Hodde/AP/dpa
Portugals großer Fußball-Star verabschiedet sich. (Archivbild)
Fußball-Weltstar

«Der Beste von allen»: Ronaldo hört als Nationalspieler auf

Es ist eine Rekordkarriere. Niemand spielte häufiger für sein Land als Cristiano Ronaldo. Seinen Rücktritt aus Portugals Nationalmannschaft hat sich aber jeder anders vorgestellt.

Für diesen fußball-historischen Moment setzte sich Cristiano Ronaldo auf sein Sofa. Von einem Blatt Papier verlas er eine lange und emotionale Erklärung, warum er seine Karriere in der portugiesischen Fußball-Nationalmannschaft nach 23 Jahren, 234 Spielen und 146 Toren beendet. Beide Werte sind jeweils Weltrekord: die Anzahl seiner Länderspiele wie auch die seiner Treffer im rot-grünen Dress.

«Der Tag ist gekommen, das Trikot mit der Nummer 7 unserer Nationalmannschaft zurückzugeben», sagte der 41-Jährige in seinem via Instagram verbreiteten Statement. «Ich habe es nie als ausschließlich mein eigenes empfunden, aber 23 Jahre lang hatte ich das Privileg und die Verantwortung, es zu tragen, es zu verteidigen und es mit mir in die Stadien auf der ganzen Welt zu nehmen.» 

Der Ton war damit gesetzt. In seine pathetische Erklärung wob Ronaldo auch noch Sätze ein wie: «Es gibt keine Vereine, keine Farben, keine Klassen, keine Berufe, keine Meinungen - es gibt nur eine Leidenschaft: Portugal.» Er gehe «mit erhobenem Kopf, stolz auf den Weg, den ich zurückgelegt habe, und im Bewusstsein, dass ich alles gegeben habe, was ich für Portugal hatte.»

Staatspräsident dankt

Mitspieler, frühere Teamkollegen sowie wichtige Würdenträger reagierten sofort und voller Respekt. Allein ihre Reihe zeigt, welche Bedeutung der fünfmalige Ballon d'Or-Gewinner für das 10,5-Millionen-Einwohner-Land hat.

Staatspräsident António José Seguro schrieb: «Im Namen Portugals danke ich Cristiano Ronaldo für die Art und Weise, wie er die Nationalmannschaft vertreten, die Portugiesen inspiriert und den Namen Portugals in die Welt hinausgetragen hat.» Europas Fußball-Verband UEFA nennt Ronaldos Karriere «ein Vermächtnis, das für immer Bestand haben wird». Portugals Nationalspieler Fabio Silva von Borussia Dortmund fasste sich kurz: «Der Beste von allen», schrieb er.

Alle Würdigungen und alles Pathos können jedoch kaum verdrängen, was in den vergangenen Wochen zum Ende dieser internationalen Karriere führte: das große Zerwürfnis zwischen dem Superstar und Portugals Nationaltrainer Jorge Jesus.

Ronaldos fluchtartiger Abgang

Weil Ronaldo Ende September beim Nations-League-Spiel in Norwegen nicht zum Einsatz kam und auch vier Tage später gegen Dänemark nur auf der Bank sitzen sollte, verließ er über Nacht das Teamquartier und ließ sich in einem Privatflugzeug nach Madrid bringen.

Seine Erklärung ein paar Tage später, seine Vorwürfe an Jorge Jesus und seine bizarre Erwartung, der Trainer hätte öffentlich ein von Ronaldo selbst verfasstes Statement verlesen sollen, machten alles nur noch schlimmer. Selbst nach Meinung vieler Fans und Medien im Land war bei diesem Abgang zu viel Selbstsucht und zu wenig «Leidenschaft für Portugal» im Spiel.

Bis zum Schluss versuchte Verbandspräsident Pedro Proença zu vermitteln. Nach Ronaldos Rücktritt blieben ihm nur noch die großen Worte: «Für immer unser Kapitän. Die Türen des portugiesischen Fußball-Verbands stehen Cristiano Ronaldo jederzeit offen. Danke für alles - und für so vieles.»

EM-Titel 2016 als größter Erfolg

Am Ende bleiben die Zahlen und Fakten. Ronaldo gewann mit Portugal die Europameisterschaft 2016 sowie die Nations League 2019 und 2025. Die Anzahl seiner Länderspiele und Länderspiel-Tore gehört zu den wenigen Rekorden, die er seinem ewigen Rivalen Lionel Messi aus Argentinien voraus hat.

Sechs WM-Teilnahmen sind ebenfalls eine Bestmarke, die er sich mit Messi und dem Mexikaner Guillermo Ochoa teilt. Nur Weltmeister wurde Ronaldo nie. Sein letztes WM-Turnier endete am 6. Juli mit einer 0:1-Achtelfinal-Niederlage gegen Spanien. 

«Ich habe auch versagt, ich habe auch gelitten, es gab auch Momente, in denen ich den Portugiesen nicht das geben konnte, was sie sich so sehr wünschten. Aber ich habe nie aufgegeben», sagte Ronaldo zum Abschied.

Sebastian Stiekel, Jörg Soldwisch und Florian Lütticke, dpa
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