Das unbequeme K-Wort wollten sie bei Borussia Dortmund nach dem dritten sieglosen Spiel in Serie mit aller Macht zurückweisen. «Was heißt Krise? Ich würde sagen, das ist eine kleine Erfahrung, die wir gerade gemeinsam machen», versuchte Nationalspieler Waldemar Anton nach dem enttäuschenden 0:0 bei Union Berlin zu beschwichtigen.
Sportdirektor Ole Book ging sogar noch einen Schritt weiter und versuchte, der Ergebniskrise etwas Positives abzugewinnen. «Wir haben gerade eine große Gelegenheit und Einladung, als Mannschaft zu lernen und besser zu werden und die wollen wir doch dringend annehmen», appellierte der 40-Jährige an die Spieler.
BVB-Offensive: Wo bleibt der Mut?
Aus Dortmunder Sicht bleibt zu hoffen, dass dieser Lernprozess schnell Früchte trägt. Denn schon am Dienstag (18.45 Uhr) steht in Aserbaidschan bei Champions-League-Neuling Sabah FK die nächste Bewährungsprobe an. Vor allem die zuletzt harmlose Offensive muss wieder gefährlicher werden. «Wir haben in Bodö kein Tor geschossen, heute kein Tor geschossen. Ungewöhnlich für uns», analysierte Sportgeschäftsführer Lars Ricken etwas ungläubig.
Dem BVB fehlt derzeit der Mut im Spiel nach vorn - und offenbar auch der Glaube an die eigene Durchschlagskraft. «Um die Tiefe bespielen zu können, muss man auf dem ganzen Feld mutig Fußball spielen. Das ist das große Problem. Wenn wir mutiger werden, spielen wir auch echt guten Fußball. Wenn wir 1:0 zurückliegen in Norwegen. Heute, wenn wir das Gefühl haben, uns läuft die Zeit weg, werden wir auch deutlich besser. Das ist das Thema, dem wir uns widmen sollten», forderte Book.
Wie lange fällt Karetsas aus?
Trainer Niko Kovac vermisst zudem «die nötige Schnelligkeit und Präzision» - und muss in Aserbaidschan wohl erneut auf Konstantinos Karetsas verzichten. Der 18-Jährige verletzte sich gegen Union kurz nach seiner Einwechslung am Sprunggelenk. Der Neuzugang aus Griechenland humpelte gestützt von Betreuern vom Feld.
«Im Moment tut es mir für den Jungen Leid, der sicherlich, seitdem er hier ist, nicht unbedingt von Glück geküsst ist», sagte Kovac. Schon gegen Villarreal war der Neuzugang wegen Kreislaufproblemen zusammengebrochen und mit einer Trage vom Platz gebracht worden. Nun droht ihm die nächste Zwangspause.
Erst Polarkreis, jetzt über 20 Grad: Dortmunds «wilde Reise»
Karetsas dürfte also erst einmal fehlen, wenn der BVB an seinen Schwächen arbeitet. Falls im eng getakteten Reiseplan dafür überhaupt Zeit bleibt. Lange Flüge, wenig Schlaf und kaum Erholung prägen derzeit den Alltag der Dortmunder. Am Mittwoch spielten sie noch am Polarkreis in Norwegen, am Samstag in Berlin und schon am Dienstag geht es bei Temperaturen von mehr als 20 Grad in Aserbaidschan weiter.
«Jetzt fliegen wir nach Hause, dann ruhen wir uns ein paar Stunden aus und dann fliegen wir wahrscheinlich mit Zwischenstopp nach Aserbaidschan. Weil der Tank nicht groß genug ist für die Maschine», schilderte Ricken den Reiseplan nach dem Union-Spiel.
Keine Ausreden trotz Reisestrapazen
Als Ausrede für die sportlichen Probleme sollen die Reisestrapazen aber nicht herhalten. «Wenn du da auf dem Platz stehst, fragt keiner mehr, ob du nur sieben Stunden oder fünf Stunden geschlafen hast oder müde bist», sagte Anton. Es sei von Anfang an klar gewesen, «dass wir eine wilde Reise haben». Seine Devise für die kommenden Tage: «Viel schlafen, viel trinken.»
Nach nun drei enttäuschenden Auftritten steht der BVB unter Druck. In Aserbaidschan müsse die Mannschaft beweisen, «dass das Spiel in der Champions League in Norwegen ein Ausrutscher war», forderte Book. Eine weitere Enttäuschung dürfte es den Dortmundern schwer machen, das böse K-Wort weiter zu vermeiden.
Jordan Raza, dpa
© dpa-infocom, dpa:261018-930-855783/3
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten