Solche Aufsteller werden genutzt, um etwa Spaziergänger auf die laufende Jagd aufmerksam zu machen. (Symbolbild)
Philipp Schulze/dpa
Solche Aufsteller werden genutzt, um etwa Spaziergänger auf die laufende Jagd aufmerksam zu machen. (Symbolbild)
Vorfall in der Pfalz

Wie Jäger bei der Jagd auf ihre Sicherheit achten

Es gibt verschiedene Formen der Jagd. Es gelten klare Regeln, erst recht, wenn mehrere Personen beteiligt sind.

Am Rande einer Jagd in der Pfalz stirbt ein 48-Jähriger. Er wird leblos mit einer Schussverletzung gefunden - wie es dazu kam, ist bisher nicht bekannt. Die Polizei ermittelt zu den Hintergründen. Den Beamten zufolge nahmen 183 Menschen an einer sogenannten Drückjagd teil. Wie läuft eine solche Jagd ab, wer darf teilnehmen und welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es?

Welche Formen der Jagd gibt es?

Jäger gehen nach Angaben des Deutschen Jagdverbands entweder alleine oder in Gruppen zur Jagd. Einzeljäger harren bei der häufigsten Art zu jagen - beim sogenannten Ansitz - über längere Zeit auf einem Hochsitz aus. Dort beobachten sie möglichst reglos vorbeiziehendes Wild und geben Schüsse auf die Tiere ab. Auf der Pirsch bewegen sie sich stattdessen langsam auf die Tiere zu.

Arbeiten mehrere Jäger in Gruppen zusammen, handelt es sich um sogenannte Gesellschaftsjagden, wie Frederik Grüneberg erklärt, der Geschäftsstellenleiter des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz. Diese würden in Treib- und Drückjagden unterteilt.

Was sind die Besonderheiten einer Drückjagd? 

Diese finden vor allem in den Monaten Oktober bis Dezember statt. Dabei wird Wild durch langsam gehende Treiber aufgescheucht. Bei einer Treibjagd dagegen wird es meist intensiver Richtung Jäger getrieben.

Den Jägern geht es bei einer Drückjagd um größere Tiere wie Rehe, Wildschweine oder Damwild. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Durch das eher langsame und ruhige Vorgehen der Treiber und Hundeführer sollen die Schützen ihre Beute sicher anvisieren können.

Die Jäger, die das Wild erlegen, positionieren sich dafür auf mobilen Hochsitzen, die ohne Dach auskommen und etwa zwei bis drei Meter hoch sind. Die Position der Schützen sowie die Abstände zueinander werden vorher genau geplant und nicht verändert, wie Grüneberg erläutert. Das diene der Sicherheit aller Teilnehmenden.

Wer darf an einer Drückjagd teilnehmen?

Jagden werden von Landesforsten, dem Pächter eines Jagdreviers oder dem Besitzer eines Waldes organisiert. Um teilnehmen zu können, wird man vom Waldbesitzer persönlich eingeladen. Eine Mitgliedschaft im rheinland-pfälzischen Jagdverband oder einer regionalen Jagdkreisgruppe sei dagegen freiwillig und nicht zwingend notwendig für eine Teilnahme, so der Verband. Unbedingt notwendig ist aber ein Jagdschein - in Rheinland-Pfalz haben diesen nach Angaben des Landesverbandes rund 23.000 Menschen. 

Welche Waffen werden bei einer Drückjagd verwendet?

Bei einer Drückjagd kommen demnach Büchsen mit gezogenen Lauf zum Einsatz, die pro Schuss nur ein einzelnes Geschoss abgeben. Anders sei es, wenn die Beute klein und flugfähig ist: Auf Flügelwild wie Enten wird mit Flinten geschossen, die gleich eine ganze Ladung mehrerer, kleiner Projektile abgeben.

Welche Sicherheitsvorkehrungen treffen die Teilnehmer?

Dunkle Farben zur Tarnung und ein rotes, signalfarbenes Band um den Jägerhut - das war einmal. Die Kleidervorschriften für Jäger haben sich über die vergangenen Jahrzehnte gewandelt: Sowohl Schützen als auch Treiber tragen Signalfarben-Kleidung etwa in Orange, erklärt Grüneberg. Auch die Jagdhunde tragen auffällige Halsbänder, Geschirre sowie mitunter Schutzwesten etwa gegen Angriffe durch Wildschweine. 

Um zu verhindern, dass Spaziergänger in ein Gebiet geraten, in dem gerade eine Jagd läuft, informieren häufig Zettel mit genauem Zeitraum der Jagd, Absperrbänder und Aufsteller über das Geschehen. 

Geschossen werden darf nicht einfach überall: Um Querschläger zu verhindern, sollte das Geschoss unmittelbar in erdigen Waldboden einschlagen können, erläutert der Landesjagdverband weiter. Ungeeignet seien daher Untergründe aus Teer oder Schotter. Auch von Baumstämmen oder Felsbrocken könnten Projektile abprallen.

Wer macht die Regeln für die Jagd?

Bei Gesellschaftsjagden habe die Einhaltung strenger Sicherheitsstandards für alle beteiligten Jäger oberste Priorität, betont Grüneberg. Zentrale Grundlage ist demnach die sogenannte Unfallverhütungsvorschrift der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

Schützen müssen bei einer Drückjagd in einem ausreichend großen Sicherheitsabstand zueinander gestellt werden, um gegenseitige Gefährdungen zu vermeiden. Zur Orientierung im Wald werden Gefahrenbereiche und Zonen, in denen nicht geschossen werden darf, mit Pfeilen und Symbolen markiert.

Wie häufig passieren Jagdunfälle?

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Landesjagdverbandes kommen Todesfälle bei einer Jagd nur selten vor. Aus den letzten fünf Jahren seien ihm drei tödliche Unfälle bekannt, sagte Geschäftsstellenleiter Grüneberg. Das sei angesichts der hohen Zahl von Gesellschaftsjagden sehr wenig.

Im September gab es einen Fall im Westerwald: Bei einem Jagdunfall starb nahe Dürrholz ein 50-Jähriger. Den ersten Ermittlungen zufolge war der Jäger auf einem rund drei Meter hohen Hochsitz von einem Schuss getroffen worden.

Den Schuss soll ein anderer Jäger abgegeben haben. Gegen den Mann werde wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt, hatte damals die Staatsanwaltschaft Koblenz mitgeteilt.

Von Nina Gross, dpa
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