Innenminister Schwickert sieht Rheinland-Pfalz für Drohnenangriffe gut aufgestellt. (Archivbild)
Boris Roessler/dpa
Innenminister Schwickert sieht Rheinland-Pfalz für Drohnenangriffe gut aufgestellt. (Archivbild)
Sprengstoff am Flughafen

Schwickert: Drohne in Leipzig ist Warnung für Deutschland

Der gravierende Vorfall in Sachsen zeigt dem Innenminister zufolge eine grundlegende Veränderung der Sicherheitslage im Luftraum. Wie Rheinland-Pfalz aufgestellt ist.

Der Fund der Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle ist nach Ansicht des rheinland-pfälzischen Innenministers Achim Schwickert «eine Warnung für ganz Deutschland». Neue Bedrohungen wie diese seien eine grundlegende Veränderung der Sicherheitslage im Luftraum und verlangten neue Antworten, sagte der CDU-Politiker in Mainz. 

Rheinland-Pfalz habe aber früh gehandelt und die Polizei - noch unter der alten Ampel-Regierung - vorbereitet. Das Bundesland gehöre mit der Air Base Ramstein und dem Flughafen Hahn im Hunsrück bundesweit zu den führenden Standorten der polizeilichen Drohnenabwehr.

Am Flughafen Leipzig/Halle war in der Nacht zum Mittwoch eine Sprengstoffdrohne auf der Start- und Landebahn Südpiste gefunden worden. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.

Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit verschwimmen 

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeige, dass Drohnen längst Teil moderner Konflikt- und hybrider Bedrohungsszenarien seien, sagte Schwickert. «Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit zunehmend verschwimmen.» 

Bis Ende 2027 investiere die Landesregierung weitere sieben Millionen Euro in moderne Technik, neue Einsatzkonzepte und die Ausbildung spezialisierter Einsatzkräfte, um den Schutz kritischer Infrastruktur, öffentlicher Veranstaltungen und anderer besonders sensibler Einrichtungen nachhaltig zu stärken.

«Wir sind heute deutlich besser vorbereitet als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig entwickeln sich auch die Bedrohungen ständig weiter», mahnte der neue Innen- und Verkehrsminister. Gerade militärisch genutzte oder technisch besonders leistungsfähige Drohnen stellten Sicherheitsbehörden weltweit vor neue Herausforderungen. «Deshalb entwickeln wir unsere Fähigkeiten konsequent weiter, wobei sich Risiken letztlich nie vollständig ausschließen lassen. Unser Anspruch ist es, die Menschen in Rheinland-Pfalz bestmöglich zu schützen.» 

Drohnenabwehr erfordert enge Zusammenarbeit 

Drohnenabwehr könne aber kein Bundesland allein bewältigen. «Rheinland-Pfalz setzt deshalb auf einen verbundorientierten Ansatz und arbeitet eng mit der Bundespolizei, der Bundeswehr, den US-Streitkräften, Betreibern kritischer Infrastruktur sowie weiteren Sicherheitsbehörden zusammen», betonte der Minister. «Ein wesentlicher Baustein ist dabei die einzigartige Kooperation zwischen der Polizei Rheinland-Pfalz und der US Air Force.» 

Gemeinsam würden Verfahren und technische Lösungen zur frühzeitigen Detektion unbemannter Luftfahrtsysteme entwickelt und erprobt. Es gebe auch gemeinsame Übungen, regelmäßige Planbesprechungen und einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch. «So trainierten Polizei und Bundeswehr zuletzt im Rahmen der bundesweiten Terrorismusabwehrübung GETEX in Lahnstein gemeinsam das Vorgehen bei komplexen Bedrohungslagen.»

Rheinland-Pfalz bringe seine Erfahrungen darüber hinaus aktiv in die bundesweite Weiterentwicklung der professionellen polizeilichen Drohnenabwehr ein, so beispielsweise im Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum. 

Wie die Lage bei der Ramstein Air Base ist

Einer britischen Analyse zufolge ist Deutschland wohl besonders von einer mutmaßlich russischen Drohnenkampagne betroffen: 58 Vorfälle wurden zwischen August 2024 und Februar 2026 registriert, darunter waren sechs ungeklärte Drohnenüberflüge über dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein. Das International Institute for Strategic Studies (IISS) wertete 144 Vorfälle in 13 Nato-Staaten aus und sieht darin ein Muster - auch wenn nicht jeder Fall Russland zugeordnet werden könne.

Als zentraler US-Luftwaffenstützpunkt in Europa ist die Air Base Ramstein bei Kaiserslautern ein lohnendes Ziel für Spionage, weil von dort aus militärische und logistische Aktivitäten der USA und der Nato koordiniert werden. Für einen potenziellen Aufklärer sind etwa Flugbewegungen, Transportkapazitäten und Sicherheitsvorkehrungen von Interesse.

Sichtungen auch bei BASF

Auch am Stammwerk des weltgrößten Chemieunternehmens BASF in Ludwigshafen tauchten immer wieder mysteriöse Drohnen auf. «Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat sich die Sicherheitslage weltweit verändert», teilte eine Sprecherin mit. Neue Technologien, darunter Drohnen, würden zunehmend für Spionage eingesetzt. «Auch bei BASF haben wir Drohnenüberflüge über unserem Werksgelände in Ludwigshafen registriert.»

Der Konzern nehme diese Vorfälle sehr ernst. «Wir haben die zuständigen Behörden informiert, mit denen wir eng zusammenarbeiten, um die Hintergründe zu klären und angemessene Schutzmaßnahmen zu ergreifen.»

Dazu gehörten die Verzahnung von physischen und digitalen Sicherheitsmaßnahmen, technologische Innovationen zur Drohnenabwehr sowie die verstärkte Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft, betonte sie. «Gleichzeitig sorgen wir über robuste Prozesse und etablierte Notfallmechanismen dafür, dass wir jederzeit handlungsfähig bleiben.»

Von Ira Schaible und Wolfgang Jung, dpa
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