Pädagogik first beim Kitabau
«Die Kinder sollen im Mittelpunkt stehen», begründet die Bildungsministerin den Perspektivwechsel. Für die Umsetzung gibt es Millionenmittel vom Bund.
«Die Kinder sollen im Mittelpunkt stehen», begründet die Bildungsministerin den Perspektivwechsel. Für die Umsetzung gibt es Millionenmittel vom Bund.
Rheinland-Pfalz geht beim Bau und der Sanierung von Kitas neue Wege. Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) kündigte bei der Präsentation eines Leitfadens mit den kommunalen Spitzenverbänden einen Perspektivwechsel an: Weg vom Kitabau als reines Bau- und Kostenprojekt mit starren Vorgaben, hin zu langfristigen, kindgerechten und nachhaltig gedachten Kitas als zentraler Teil der sozialen Infrastruktur.
In Rheinland-Pfalz soll der Kitabau künftig mit der Pädagogik beginnen, kündigte die Bildungsminiserin an. «Pädagogik vor Bau. Und aus all den Kernfragen ergibt sich dann ein Gebäude. Nicht andersherum.» Die Kinder sollen im Mittelpunkt stehen.
Was bedeutet das für die Praxis?
Häufig beginne die Planung eines Kitabaus mit eindimensionalen Fragen nach Flächen, Räumen und dem konkreten Gebäude, erklärte die CDU-Politikerin. Durch vorgeschriebene Mindestquadratmeterzahlen pro Kind sei das pädagogische Konzept danach angepasst worden. Dieser Ansatz soll sich nun umkehren: Der Raum- und Flächenbedarf werde sich künftig aus Konzeption, Kinderzahl und örtlichem Bedarf ergeben.
Was ist das Ziel?
In den Kitas gibt es immer mehr offene oder teil-geschlossene Konzepte mit Platz zum Spielen und Lernen. Es gibt Funktionsräume etwa zum Theaterspielen oder Malen. Die kleinen Kinder sollen aber die Möglichkeit haben, nicht nur in eine Gruppe zu gehen, sondern sich freier nach ihrer Entscheidung in der Einrichtung bewegen zu können. Im Sinne der Kinder solle mehr auf die Matschschleuse geachtet als das klassische Schema Gruppenraum plus Nebenraum, sagte Thomas Przybylla, Vize-Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebunds.
Wichtige Komponenten seien auch Maßnahmen zum Hitzeschutz in den Kitas und gute Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen und Erzieher auch mit Blick auf den Lärmschutz, erklärte die geschäftsführende Direktorin des Städtetags, Lisa Diener.
Was soll der Leitfaden noch bringen?
Die Verfahren für den Bau sollen beschleunigt und Abläufe vereinfacht werden: «Etwas unbürokratischer und etwas pragmatischer», formulierte es die Bildungsministerin. Ein wichtiger Baustein des Konzepts ist auch die langfristige Nutzung der Räumlichkeiten für die Kommunen, um die Kosten für den Betrieb der Räume und Gebäude im Blick zu behalten.
Wie können die Kita-Räume noch genutzt werden?
Der von Land und kommunalen Spitzen ausgearbeitete Leitfaden sieht ausdrücklich die Mehrfachnutzung der Räumlichkeiten außerhalb der Öffnungszeiten vor: etwa am Wochenende als Seniorencafé oder Jugendtreff.
Welche Finanzmittel stehen zur Verfügung?
Rheinland-Pfalz stehen für den Neubau und die Sanierung der Kitas im Land 194 Millionen Euro ab dem laufenden Jahr bis 2029 zur Verfügung. Das Geld kommt aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität. Die Landesregierung entschied sich nach Angaben der Bildungsministerin, diese Bundesmittel vollständig in die Kitas zu investieren. In der gesamten vergangenen Legislaturperiode seien 165 Millionen Euro in diesen Bereich investiert worden.
Wann fließt das Geld?
Um das Geld schnell und möglichst unbürokratisch den Trägern zur Verfügung stellen zu können, werden die Förderrichtlinien im Land überarbeitet. Die neuen Regeln sollen noch im laufenden Jahr in Kraft treten.
Kommen noch Mittel aus dem Landeshaushalt hinzu?
Die Landesregierung werde auch noch eigene Mittel für die Kitas einsetzen, kündigte die Bildungsministerin an. In den nächsten Wochen liefen die Verhandlungen für den künftigen Landeshaushalt. Nach Abschluss der Gespräche könne sie konkrete Beträge nennen.
Wer sind die Verantwortlichen?
Die Landkreise sind die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Diese sind für die Betriebserlaubnisverfahren der Kitas zuständig. Die Orts- und Verbandsgemeinden tragen rund die Hälfte aller Kitas im Land. Neben den kommunalen Trägern gibt es etwa auch noch kirchliche, privat-gewerbliche und Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege.
Wie bewerten die kommunalen Spitzenverbände das Vorhaben?
Positiv. Przybylla spricht von einem guten Tag für die Kinder und Familien in Rheinland-Pfalz. Auch Diener und ihr Amtskollege vom Landkreistag, Andreas Göbel, hoben bei dem Kompendium «Der Kita-Bau in Rheinland-Pfalz» die Klarheit für die Kommunen hervor. Göbel betonte gerade die Möglichkeit für die Kommunen, auf die Gegebenheiten vor Ort ohne zu starre Vorgaben reagieren zu können.
Wie viele Kitas gibt es in Rheinland-Pfalz?
In Rheinland-Pfalz gibt es nach Angaben des Bildungsministeriums rund 2.700 Kitas. Derzeit verringert sich die Zahl der Kinder in den Einrichtungen. Bei der Altersstruktur ist erkennbar, dass immer mehr Eltern ihre Kinder mit einem oder zwei Jahren in die Kita bringen, wie Diener berichtete.
Wie lange wurde an dem Konzept gearbeitet?
Das Kompendium ist seit Ende 2023 unter Federführung der kommunalen Spitzenverbände und des Bildungsministeriums entstanden. Mitgewirkt haben unter anderem das Landesjugendamt, die Architektenkammer, die Unfallkasse, das pädagogische Landesinstitut und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion.
Von Bernd Glebe, dpa
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