Seit Sommer 2026 spielt Metzger in der Livebesetzung von Alphaville.
Uwe Anspach/dpa
Seit Sommer 2026 spielt Metzger in der Livebesetzung von Alphaville.
Vom Weinberg zur Welttournee

«Forever Young» - Rheinland-Pfälzer gibt Alphaville den Takt

Orchester war nichts für ihn. Jetzt spielt er vor Tausenden. Der Weg von Schlagzeuger Patrick Metzger begann unspektakulär bei Hochzeiten und der Kirmes.

Von Rheinland-Pfalz auf die Bühnen dieser Welt: Entspannt steht Musiker Patrick Metzger zwischen den idyllischen Weinreben von Hainfeld in der herbstlich gefärbten Landschaft. Weit weg sind der tausend kehlige Chor des Publikums und das Brausen eines Rockkonzerts. «Ich mag das genau deswegen», sagt Metzger. «Großstadt reizt mich nicht so sehr.»

Doch bald ruft der nächste Auftritt, und das mag der 46-Jährige auch. Seit kurzem ist Metzger Schlagzeuger der Band Alphaville, die mit Hits wie «Forever Young» und «Big In Japan» seit Jahrzehnten international Erfolge feiert. Vielleicht ist das die schönste Pointe dieser Geschichte: Der Drummer einer legendären Band kommt nicht aus einer fernen Musikmetropole. Er kommt aus der Pfalz.

Geboren im Saarland

Metzgers musikalisches Leben kennt beides - die Weinfeste der Region und die internationalen Bühnen. Schon morgen geht es nach Tschechien, Ungarn oder Portugal. Dazwischen liegt die Pfalz. «Ich habe Erfahrung», sagt Metzger. Zwölf Jahre hat er in der Liveband von Beatrice Egli für die Schweizer Entertainerin den Takt geschlagen. «Ich weiß, wie es auf der Bühne zugeht.»

Geboren in Homburg (Saarland), aufgewachsen in Schönenberg-Kübelberg, wo die riesigen Transportmaschinen der nahen US-Airbase Ramstein zum Alltag gehören. Durch die Realschulzeit rettet ihn die Schulband. «Ich war kein guter Schüler», erzählt er. Die Musik war «das Hauptding». Sein Vater trommelte in einer Tanzband. «Ich war halt als kleiner Junge schon immer dabei.»

Metzger macht eine Ausbildung zum Orthopädietechniker - «keinen Tag» arbeitet er später in diesem Beruf. Stattdessen fährt er am Wochenende mit seinem Schlagzeug durch die Region zu Hochzeiten und Kirmes. «Richtig Old School», sagt er. Ein alter Ford Escort Kombi, das Instrument hinten drin. Aus kleinen Bühnen werden große, aus Zufallsbekanntschaften Kontakte. Auftritte, bei denen man lernt, was später im Stadion selbstverständlich aussehen soll.

Als der erste kleine Dämpfer kam

Mit 20 zieht Metzger nach Dinkelsbühl und studiert vier Jahre an der Berufsfachschule für Musik. Klassisches Schlagwerk probiert er aus – Xylofon, Pauken, Glockenspiel, Orchesterwelt. Doch bald weiß er: «Ich sehe mich nicht in einem Orchester.» Der Weg führt über Maastricht schließlich nach Mannheim an die Popakademie. Beim ersten Versuch wird er abgelehnt. «Das war dann so der erste kleine Dämpfer in dem Job.» Beim zweiten Versuch klappt es. Metzger baut sich in Mannheim eine Schlagzeugschule auf und sammelt Erfahrung.

Dass er nun den Alphaville-Job macht, war nicht jahrelang schlau ausgetüftelt. Es ist eine jener Geschichten, wie sie die Branche schreibt: über Kontakte und den richtigen Namen zur richtigen Zeit. Alphaville brauchte Ersatz für zwei Konzerte, weil der Schlagzeuger verhindert war. Über Eglis damalige Agentur gab es Kontakt zu Metzger. Eineinhalb Wochen vor den Auftritten begann die Vorbereitung. Eine Probe gab es nicht. «Ich musste alles selbst vorbereiten.»

Ein Konzert in Darmstadt wurde zur Prüfung unter realen Bedingungen. Dabei galt es, den unverwechselbaren Alphaville-Sound zu treffen. «Zehn Schlagzeuger klingen zehnmal anders, aber der Klang ist Teil der Bandgeschichte. Du musst deinen Platz darin finden.» Es gelang: Metzger überzeugte auch beim zweiten Konzert auf Malta und bekam das Angebot.

«Jetzt stehst du mit Marian Gold, einem der Alphaville-Gründungsmitglieder, auf der Bühne und spielst genau diese Songs aus Mitte der 80er Jahre, die damals aus dem Autoradio kamen», sagt er und schmunzelt. «Ich meine - ich denke jetzt nicht ständig darüber nach. Aber es ist schon verrückt, wie es kommen kann. Und keine Ahnung, was noch alles kommt.»

Was ihn beeindruckt hat

Heute liegt zwischen Weinkerwe und Tournee eine musikalische Welt. Volksparkstadion statt Festplatz. Ankara statt Bad Dürkheim. Metzger ist mit vollem Einsatz dabei und weiß gleichzeitig, wie wechselhaft die Branche sein kann. «Schon im nächsten Jahr kann alles anders sein», meint er. «Ich sage immer nur: Falls es so kommt, möchte ich nicht der Grund dafür sein.»

Das Hin und Her um die Ausladung von Alphaville beim Glücksgefühle-Festival jüngst auf dem Hockenheimring will Metzger nicht groß kommentieren. Aber dass mehrere Künstler daraufhin demonstrativ den mehr als 40 Jahre alten Alphaville-Klassiker «Forever Young» gespielt hätten, habe ihn beeindruckt.

Auf der Bühne sieht das Publikum vor allem Sänger und Gitarristen. Der Schlagzeuger sitzt dahinter. Und doch ist er oft derjenige, der bestimmt, wohin die Reise geht. «Letztlich führst du die Band entscheidend mit», sagt Metzger. Übergänge einleiten, Tempo halten, die richtigen Einsätze geben. Und dann ist da noch etwas, das man nicht in Noten schreiben kann: «Du bist zentral verantwortlich für die Energie.» Die müsse gerade auf einer großen Bühne stimmen, «damit sich die Bandmitglieder wohlfühlen».

Sein musikalisches Handwerk hat er in den unterschiedlichsten Formationen geschärft. Seit 2021 ist Metzger auch als Lektor und Fachbereichsleiter Popmusik an der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik in Klagenfurt tätig. Zu Hause in Hainfeld steht im Keller ein großes Schlagzeug. Ein Stockwerk höher beginnt sein dreijähriger Sohn, auf Gegenständen zu trommeln.

Von Wolfgang Jung, dpa
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