Für BASF-Chef Markus Kamieth wäre ein möglicher Zusammenschluss mit dem Spezialchemiekonzern ein logischer und sinnvoller Schritt zum richtigen Zeitpunkt. (Archivbild)
Florian Wiegand/dpa
Für BASF-Chef Markus Kamieth wäre ein möglicher Zusammenschluss mit dem Spezialchemiekonzern ein logischer und sinnvoller Schritt zum richtigen Zeitpunkt. (Archivbild)
Chemieindustrie

Evonik gegen Übernahme durch BASF - Tür aber offen

BASF wirbt mit Standortzusagen und dem Erhalt von Arbeitsplätzen um Evonik. Doch der Chemiekonzern lehnt Verhandlungen ab; welche Rolle spielen nun die Eigentümer und politischen Bedenken?

Der Chemiekonzern Evonik stellt sich gegen eine Übernahme durch den Wettbewerber BASF. Ein Schreiben der BASF über deren Interesse an einer Übernahme sei eingehend geprüft worden, und es sei entschieden worden, nicht in Verhandlungen einzutreten, teilte der MDax-Konzern mit.

«Der Vorstand bleibt auf die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung von Evonik als eigenständiges Unternehmen fokussiert», hieß es. Er sei aber bereit zu einem rein informativen und vertraulichen Austausch mit BASF, in dem beide Seiten ihre Positionen erläutern könnten. 

BASF betonte, dass die gebotenen 24 Euro je Aktie einer Prämie von fast 40 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs - also den vor ersten Medienberichten über ein Interesse - entsprächen. Daher sowie aufgrund umfangreicher Zusagen gegenüber den Beschäftigten und Standorten sei nicht nachvollziehbar, dass der Evonik-Vorstand nicht zu Verhandlungen bereit sei. Die Gesprächsbereitschaft der Essener werde aber zur Kenntnis genommen.

BASF-Chef Kamieth warb für Zusammengehen 

Erst vor wenigen Tagen hatte BASF das Werben um Evonik verstärkt. Ein möglicher Zusammenschluss mit dem Spezialchemiekonzern wäre ein logischer und sinnvoller Schritt zum richtigen Zeitpunkt, sagte BASF-Chef Markus Kamieth bei der Vorlage von Quartalszahlen jüngst. Das gelte nicht nur für BASF, sondern auch für die Chemieindustrie insgesamt, da die Konsolidierung in der Branche in Europa bereits begonnen habe. 

Die Portfolios und die Stärken beider Unternehmen ergänzten sich sehr gut, argumentierte Kamieth. Gemeinsam könnte so ein viel wettbewerbsfähigerer und deutlich widerstandsfähigerer Global Player entstehen.

Besonderes Gewicht mit Blick auf die Pläne der BASF hat die RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Evonik-Aktien hält. Aufgabe der RAG-Stiftung ist die Finanzierung der Folgekosten des 2018 eingestellten deutschen Steinkohlebergbaus. 

Auch politische Bedenken

Neben einem für die Stiftung lukrativen Preis im Fall einer Evonik-Akquisition spielen allerdings auch politische Bedenken eine wichtige Rolle - vor allem mit Blick auf Arbeitsplätze in der ohnehin schon kriselnden deutschen Chemieindustrie. Dem Kuratorium der Stiftung gehören 13 Mitglieder an, vor allem Politikerinnen und Politiker.

Fünf davon sind automatisch durch ihr Amt Mitglied: die jeweiligen Ministerpräsidenten von NRW und dem Saarland, die Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen sowie der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE. Das Kuratorium bestellt den Vorstand. «Über Entscheidungen von grundlegender Bedeutung wird das Kuratorium regelmäßig informiert», heißt es auf der Internetseite der Stiftung.

BASF würde bestehende Standortvereinbarungen übernehmen 

Um Bedenken entgegenzutreten, hatte sich BASF-Chef Kamieth erst in der vergangenen Woche in einer Video-Botschaft geäußert. Demnach würde die BASF im Zuge eines Evonik-Kaufs die bestehenden Standortvereinbarungen übernehmen. «Betriebsbedingte Kündigungen blieben bis 2032 ausgeschlossen. Tarifverträge und Sozialpartnerschaft bleiben unangetastet.»

Zudem betonte er, dass Essen und Nordrhein-Westfalen als Standort wichtig bleiben würden. «Mit mindestens einem Vorstandsressort und der Leitung von Geschäfts- und Funktionseinheiten. Wir werden prüfen, welche gemeinsamen Aktivitäten wir von Essen aus führen könnten. Wir möchten NRW als Forschungs- und Entwicklungsstandort stärken.» 

Kamieth stellte auch auf den von Evonik geplanten Verkauf des Chemieparkbetreibers Syneqt mit rund 3.500 Beschäftigten ab. «Wir glauben, dass wir die Parks in Marl und Wesseling selbst auch weiter betreiben könnten.»

© dpa-infocom, dpa:261030-930-917437/1
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