Ein Jahr nach Tod von Simon Bohr – Trauer und Forderungen
Ein Jahr nach dem Tod von Simon Bohr haben rund 200 Polizisten und Angehörige in Völklingen an den Polizisten erinnert. Zum Gedenken kamen mahnende Worte
Ein Jahr nach dem Tod von Simon Bohr haben rund 200 Polizisten und Angehörige in Völklingen an den Polizisten erinnert. Zum Gedenken kamen mahnende Worte
Ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf den Polizisten Simon Bohr haben rund 200 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, Angehörige und Vertreter des Landes in Völklingen an den 34-Jährigen erinnert. Angeführt von seiner Witwe Selina Bohr, Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Innenminister Reinhold Jost (beide SPD) zog der Trauermarsch von der Polizeiinspektion Völklingen zur Gedenkstele am damaligen Tatort.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), die Stadt Völklingen und das Innenministerium legten Kränze nieder. Eine Trompete spielte «Von guten Mächten».
Bohr hinterlässt seine Frau und zwei Kinder
Jost erinnerte an den Menschen hinter der Uniform. «Vor einem Jahr verlor Simon Bohr im Dienst sein Leben. Ein Polizeibeamter, der sich dem Schutz anderer verschrieben hatte. Ein Ehemann. Ein Vater. Ein Sohn. Ein Freund. Ein Kollege», sagte der Innenminister.
Besonders bewegend erinnerte der Minister an einen Satz aus Bohrs Familie. Eines seiner beiden Kinder habe gesagt: «Wenn wir heute Nacht nach oben schauen, ist der hellste Stern der Papa.» Dieser Satz begleite ihn bis heute, sagte Jost.
Bohr war am Abend des 21. August 2025 nach einem Überfall auf eine Tankstelle an der Karolinger-Brücke im Einsatz gewesen. Zwei Beamte verfolgten den damals 18 Jahre alten Tatverdächtigen zu Fuß. Bei einem Handgemenge gelangte dieser an die Dienstwaffe eines Polizisten und schoss mehrfach. Bohr wurde von sechs Kugeln getroffen und starb an seinen Verletzungen.
Im späteren Strafverfahren wurde rekonstruiert, dass der 18-jährige Täter insgesamt 17 Schüsse abgegeben hatte. Das Landgericht Saarbrücken ordnete im April 2026 seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Wegen besonders schweren Raubes wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Von den Tötungsvorwürfen wurde er freigesprochen, weil das Gericht bei den Schüssen von Schuldunfähigkeit infolge einer psychischen Erkrankung ausging. Die Staatsanwaltschaft legte Rechtsmittel ein.
Gewerkschaften fordern Konsequenzen
Die GdP Saarland forderte zum Jahrestag, Konsequenzen aus der Tat zu ziehen. Der Landesvorsitzende Andreas Rinnert sagte, der 21. August 2025 habe sich «tief in das Gedächtnis der saarländischen Polizei eingebrannt». Viele Beschäftigte trügen die psychischen Folgen bis heute mit sich.
Die GdP fordert unter anderem eine stärkere psychosoziale Betreuung, verlässliche Arbeitsbedingungen und eine praxisgerechte Anerkennung posttraumatischer Belastungsstörungen als Dienstunfall.
«Der Mensch in Uniform darf nicht erst dann in den Mittelpunkt rücken, wenn etwas derart Schreckliches geschehen ist - er muss es jeden Tag», sagte Rinnert.
Der DPolG-Landesvorsitzende Markus Sehn sprach von einem Kollegen, Freund und Vorbild. «Simon bleibt für immer einer von uns.»
Die DPolG verband den Jahrestag mit einem 24-Stunden-Spendenlauf in Völklingen-Ludweiler zugunsten ihrer Stiftung für verletzte und traumatisierte Einsatzkräfte. Bundesvorsitzender Heiko Teggatz mahnte, Gewalt gegen Einsatzkräfte dürfe nicht als Berufsrisiko hingenommen werden.
«Du bist Teil unserer Polizeifamilie»
Der Leiter der Polizei des Saarlands, Eric Schweizer, stellte den Zusammenhalt innerhalb der Polizei in den Mittelpunkt. Polizei sei mehr als eine Organisation, sagte er. Sie sei eine Gemeinschaft von Menschen, die sich im Einsatz aufeinander verlassen müssten.
Schweizer mahnte, aus schweren Ereignissen zu lernen, Strukturen zu überprüfen und die Ausbildung weiterzuentwickeln. An Bohr gerichtet sagte er: «Simon, du wirst nicht vergessen. Du bist Teil unserer Polizeifamilie.»
Die katholische Polizeiseelsorgerin Carmen Folz leitete zu einer Gedenkminute über. «Gedenken bedeutet, einem Menschen seinen Platz in unserer Erinnerung zu bewahren», sagte sie. Zugleich gehe es darum, den Schmerz nicht zu übergehen und Bohrs Leben zu würdigen. Im Anschluss erklang «Moon River».
Laszlo Pinter, dpa
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