40 Jahre nach Rekordkundgebung: «Bedrohung hat zugenommen»
1986 versammelten sich mehr als 180.000 Menschen zum größten Protest der Landesgeschichte. Mitorganisatorin Heidrun Kisters warnt heute erneut vor einem Wettrüsten.
1986 versammelten sich mehr als 180.000 Menschen zum größten Protest der Landesgeschichte. Mitorganisatorin Heidrun Kisters warnt heute erneut vor einem Wettrüsten.
40 Jahre nach der größten Protestkundgebung in der Geschichte von Rheinland-Pfalz sieht die damalige Mitorganisatorin Heidrun Kisters die Warnungen der Friedensbewegung wieder als hochaktuell an. Die Erinnerung an die Demonstration am 11. Oktober 1986 im Hunsrück sei auch eine Mahnung für die Zukunft, sagte Kisters der Deutschen Presse-Agentur. «Wir, die wir älter geworden sind, haben die Aufgabe, Erinnerungen und Mahnungen weiterzutragen.» Kisters aus Kirchberg war damals im Koordinierungsausschuss der bundesweiten Friedensbewegung.
Im Raum Hasselbach protestierten seinerzeit Zehntausende gegen die Stationierung von US-Marschflugkörpern. Kisters erinnert sich vor allem an die schier unüberschaubare Menge in Bell: «Das erste Bild, das mir vor Augen kommt, sind die vielen Menschen, die ohne Ende auf den Platz strömen.»
Das Thema noch stärker in Schulen tragen
Sorge, dass die Demonstration aus dem Ruder laufen könnte, habe sie nicht gehabt. Die Bewegung habe Erfahrung mit großen friedlichen Demonstrationen gehabt. Zudem habe es im Vorfeld engen Kontakt zu den Gruppen und zur Polizei gegeben. «Sie ist ihrerseits eine deeskalierende Strategie gefahren.»
Heute gebe es mit der Modernisierung von Atomwaffen neue Gründe zur Sorge, sagte Kisters. Auch unberechenbare Autokraten und Künstliche Intelligenz könnten die Gefahr einer Eskalation erhöhen. «Der Einsatz von Atomwaffen lässt sich nicht begrenzen und würde den Großteil der Menschheit vernichten.»
Im «Haus der regionalen Geschichte» in Kastellaun dokumentiert eine Ausstellung den Kalten Krieg und die Friedensbewegung im Hunsrück. Regelmäßig kämen Schulklassen und Studierende zu Führungen. «Es ist wichtig, dieses Thema noch stärker in die Schulen zu tragen», betonte Kisters. «Gerade jetzt, wo die Bedrohung des atomaren Wettrüstens zugenommen hat.»
Was Heidrun Kisters den Demonstranten heute sagen würde
Und was würde sie sagen, wenn sie heute wie 1986 vor Zehntausenden stehen würde? «Ich würde auf der Bühne fordern, dass auch Deutschland den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet.»
Dem Institut für Geschichtliche Landeskunde zufolge demonstrierten mehr als 180.000 Menschen im Hunsrück. Auf der Bühne standen unter anderem der Musiker Udo Lindenberg und der Zukunftsforscher Robert Jungk. Aufgrund eines Vertrags zwischen den USA und der UdSSR wurden die Raketen bis Mitte 1990 abgezogen. Heute ist das Areal als Ort des Techno-Festivals Nature One bekannt. Mahnmale wie Holzkreuze erinnern aber an die damalige Zeit.
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