Merz «zutiefst empört» über Schröder bei Putin
Ein Ex-Kanzler feiert mit Putin Geburtstag, während Drohnen und Raketen in ukrainischen Städten einschlagen. Kanzler Merz verurteilt das Verhalten seines Vorgängers mit deutlichen Worten.
Ein Ex-Kanzler feiert mit Putin Geburtstag, während Drohnen und Raketen in ukrainischen Städten einschlagen. Kanzler Merz verurteilt das Verhalten seines Vorgängers mit deutlichen Worten.
Nach seinem Besuch der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau steht Altkanzler Gerhard Schröder massiv in der Kritik. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichneten den Besuch als Schande. Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner verteidigte den Altkanzler dagegen. Nach Kreml-Angaben hatte Schröder am Mittwoch mit Kremlchef Putin dessen 74. Geburtstag gefeiert.
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.
Kreml: Putin lud Schröder ein
Der Kreml hatte auf der Plattform Telegram mitgeteilt, Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren. «Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein», hieß es weiter. Gezeigt wurden auch Fotos, die zeigen, wie die beiden Männer lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.
Vor der Party hatte Schröder am Morgen eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in der russischen Hauptstadt besucht und eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens gehalten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.
CDU-Politiker: «Wunderheilung à la Rasputin»
Göring-Eckardt schrieb zu Schröders Besuch bei Putin auf der Plattform X: «Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.» Aber leider habe sie schon nichts anderes mehr von ihm erwartet.
Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner. «Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.»
Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte auf X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und «eine frische Ladung Rubel». Er fügte hinzu: «Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder». 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.
Stegner: Schröder kann Türen zu Putin öffnen
Der SPD-Außenpolitiker Stegner sagte hingegen dem «Tagesspiegel», man müsse «in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen.» Stegner fügte hinzu: «Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg.»
Der Altkanzler sei einer der wenigen Menschen, die Zugang zu Putin hätten. Diesen Zugang müsse man nutzen, sagte der Bundestagsabgeordnete. «Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: "Mach weiter mit dem Krieg!'», sagte Stegner weiter.
Dem Nachrichtenportal «t-online» sagte der SPD-Abgeordnete: «Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist.»
Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, hatte Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein «Geburtstagsgeschenk für Putin».
Putin brachte Schröder als Vermittler ins Gespräch
Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung waren Putins Äußerungen aber auf deutliche Skepsis gestoßen. Der russische Präsident hatte die großangelegte Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 befohlen - und seine Kriegsziele bisher nicht erreicht.
Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre für russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb - die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) versagte die Betriebsgenehmigung.
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