Unbekannte haben E-Mail-Konten der AfD angegriffen
Christoph Reichwein/dpa
Unbekannte haben E-Mail-Konten der AfD angegriffen
Cyberattacke auf Partei

Hacker greifen E-Mail-Konten der AfD an

Die AfD ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Im Netz brüsten sich Unbekannte, rund 421.000 AfD-E-Mails veröffentlicht zu haben. Ob die Dateien echt sind, ist allerdings noch unklar.

Bei einem Hackerangriff auf die AfD sind nach Angaben der Partei vermutlich Daten aus ihren E-Mail-Konten erbeutet worden. «Im September 2026 kam es zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister unserer Partei, bei dem offenbar Teile einiger weniger Mail-Postfächer – von denen die meisten seit Jahren nicht mehr genutzt waren – widerrechtlich kopiert wurden», teilte die AfD auf Anfrage mit. Aktuelle E-Mail-Postfächer des AfD-Bundesverbands seien nicht betroffen gewesen. Zuvor hatte die «Bild» berichtet. 

Unbekannte veröffentlichten im Internet nach eigenen Angaben Daten, bei denen es sich um rund 421.000 AfD-E-Mails handeln soll. Ob diese authentisch sind oder nicht, ist unklar. Sie behaupten, dass es sich um Daten aus zehn Postfächern handele, darunter ein Account auf den Namen des früheren AfD-Parteichefs Alexander Gauland sowie ein Konto, das von der AfD früher als Kontakt für die Bundesgeschäftsstelle genannt wurde.

Im Internet kursiert der Link zu einer Webseite, auf der eine Übersicht der angeblichen AfD-Mails dargestellt ist. Die anonyme Seite wurde nach dpa-Recherchen erst Mitte Oktober registriert. Sie gibt keine Auskunft über die Herkunft der Daten und veröffentlicht keine Mailinhalte. Diese liegen angeblich auf einem weiteren Download-Server. Die Echtheit der Mail-Informationen ließ sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Cyberangriff wurde laut AfD rasch beendet

Die AfD erklärte weiter, der Angriff sei rasch erkannt und beendet worden. Alle Nutzer seien entsprechend informiert worden. «Die jetzt erfolgte Onlineveröffentlichung vermutlich eines Teils dieser Daten wird geprüft», hieß es. Eine erste Einschätzung dazu könne erst nach Abschluss dieser Prüfung gegeben werden.

Aus Parteikreisen hieß es weiter, die im Internet veröffentlichten Inhalte seien anscheinend authentisch. Allerdings sei in den offenbar mittels KI erstellten Zusammenfassungen einiges durcheinandergebracht worden. Dadurch seien teils falsche Zusammenhänge hergestellt worden. 

Betroffen von dem Hackerangriff sei offenbar das zur AfD gehörende Unternehmen Alternita. Unter anderem hätten die Hacker Zugriff auf Mails der Landesverbände Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern gehabt. Es gehe dem Anschein nach um Postfächer, die schon älter seien, wenn auch die Mails an sich mitunter relativ aktuell seien. 

Den Angaben zufolge funktionierten vor einigen Wochen bestimmte AfD-Mailpostfächer nicht. Die Bundesgeschäftsstelle habe damals erklärt, es gebe einen Angriff, die Postfächer seien daher abgeschaltet worden.

Cyber-Kriminelle greifen immer wieder Parteien an 

Cyberangriffe auf Parteien und staatliche Stellen sind nichts Neues. Gerade erst brachen Hacker in das E-Mail-Konto der Heilbronner CDU ein und verschickten von dort Tausende Phishing-Nachrichten an Ministerien, andere politische Kontakte und auch an Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Die Nachricht - die auch an die Redaktion der dpa gesendet wurde - enthielt einen Einladungslink zu einer Veranstaltung mit prominenten Gästen. 

Die Bundes-CDU wurde im Mai 2024 Ziel einer großen Cyberattacke. Vorsichtshalber wurde die IT-Infrastruktur damals teilweise vom Netz genommen. Die Ermittlungen übernahm später der Generalbundesanwalt, da man von Spionage ausging. Bereits Ende 2022/Anfang 2023 waren E-Mail-Konten in der SPD-Parteizentrale Ziel eines Angriffs gewesen. Diesen ordneten die Sicherheitsbehörden später einer vom russischen Militärgeheimdienst GRU gesteuerten Gruppierung zu.

Dieselbe Gruppierung soll auch für den Cyberangriff 2015 auf den Deutschen Bundestag verantwortlich gewesen sein. Der Bundestag schaltete damals sein internes Datennetz zeitweise komplett ab und musste es später weitgehend neu aufbauen.

© dpa-infocom, dpa:261020-930-864844/3
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