Burnham bietet Merz Kampfjet-Kooperation an
Der neue britische Premierminister Andy Burnham stellt sich beim Kanzler vor. Die beiden setzen einen weitreichenden Vertrag in Kraft. Und dann macht der Premier noch ein überraschendes Angebot.
Der neue britische Premierminister Andy Burnham stellt sich beim Kanzler vor. Die beiden setzen einen weitreichenden Vertrag in Kraft. Und dann macht der Premier noch ein überraschendes Angebot.
Der britische Premierminister Andy Burnham hat Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Antrittsbesuch in Deutschland überraschend die gemeinsame Entwicklung eines neuen Kampfjets angeboten. Konkret geht es um den Einstieg Deutschlands in das sogenannte GCAP-Programm, an dem auch schon Japan und Italien beteiligt sind.
Er habe seine «Offenheit signalisiert, dass sich Deutschland an GCAP, dem Kampfflugzeug der nächsten Generation, beteiligen kann», sagte Burnham bei seinem Treffen mit Merz im Kanzleramt. «Das ist etwas, das wir in der kommenden Zeit vorantreiben möchten.»
Noch keine Vorentscheidung über Kampfjet
Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, die Verteidigungsminister seien mit der Prüfung einer Kooperation beauftragt worden. Es wurde aber gleichzeitig betont, dass das weder eine Entscheidung noch eine Vorentscheidung sei. «Es ist ein erster kleiner Schritt auf dem deutschen Weg, eine neue Kooperation in diesem Bereich nun zu suchen und eventuell zu finden.» Man sei in einem «sehr frühen Stadium der Neuevaluierung der Optionen».
Das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS war in diesem Sommer gescheitert, weil sich beide Seiten nach jahrelangen Vorbereitungen nicht auf die Konditionen einigen konnten. Seitdem läuft die Suche nach einer Alternative. Bisher galt eine Kooperation des Airbus-Konzerns mit dem schwedischen Rüstungsunternehmen Saab als wahrscheinlichste Variante.
Kensington-Vertrag stärkt Kooperation in vielen Bereichen
Die Verteidigungskooperation ist Teil des neuen deutsch-britischen Freundschaftsvertrags, den Merz und Burnham mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden im Kanzleramt in Kraft setzten. Er war bereits im Juli 2025 beim Antrittsbesuch des Kanzlers in London unterzeichnet worden.
Der 27 Seiten starke Freundschaftsvertrag wird auch Kensington-Vertrag genannt - nach dem Unterzeichnungsort, dem Londoner Stadtteil Kensington. Der Vertrag wird von einem Aktionsplan mit 17 Punkten flankiert.
Damit soll auch die Zusammenarbeit in der Wirtschaftspolitik, bei der Eindämmung irregulärer Migration und der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität vertieft werden. Es sind aber auch konkrete Reiseerleichterungen wie Visafreiheit für Klassenfahrten von Schülergruppen geplant sowie eine direkte Bahnverbindung zwischen beiden Ländern.
Merz: Gehören zusammen
Merz sprach von einem historischen Tag. Der Vertrag eröffne neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit beider Länder, nachdem Großbritannien leider die Europäische Union verlassen habe. Vor allem beinhalte er für Schülerinnen und Schüler sowie Studenten bessere Reisemöglichkeiten. «Dafür machen wir das, damit die junge Generation auch in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland als Teil der Europäischen Union und Großbritannien einfach merkt, wie gut wir Europäer zusammenarbeiten und wie sehr wir auch zusammengehören», sagte der Kanzler.
Burnham: Brauchen Zusammenarbeit von höchster Güte
Burnham stimmte zu. «In herausfordernden Zeiten, und es sind herausfordernde Zeiten, brauchen wir eine Zusammenarbeit von höchster Güte mit unseren engsten Partnern, und Deutschland ist in der Tat einer unserer engsten Partner», sagte der Premierminister. Der Kensington-Vertrag werde die Sicherheit in Europa verbessern, die Wirtschaften beider Länder wachsen lassen und den Lebensstandard der Bevölkerung erhöhen.
Konkret vereinbarten beide Länder eine stärkere Zusammenarbeit bei der Abwehr hybrider Bedrohungen - also Angriffen über das Internet, Sabotage von Infrastruktur, Desinformation oder auch Drohnen-Attacken. «Die hybride Bedrohung durch unsere Gegner - insbesondere Russland - erstreckt sich über Europa und darüber hinaus und bedroht unsere gemeinsame Sicherheit», teilte die britische Regierungszentrale mit.
Eine gemeinsame Pressekonferenz, wie sie bei Besuchen - gerade bei Antrittsbesuchen - europäischer Regierungschefs im Kanzleramt üblich ist, gab es nach dem Treffen von Merz und Burnham nicht, sondern nur kurze Statements.
Burnham war zuerst in der Ukraine und in den USA
Der Besuch des britischen Premierministers findet auch in Großbritannien große Beachtung. Seine erste Auslandsreise im neuen Amt hatte Burnham als Unterstützer und Geldgeber in die Ukraine geführt, die zweite in die USA zu den Vereinten Nationen und US-Präsident Donald Trump. Deutschland als erstes EU-Ziel kann als Signal des Premierministers verstanden werden, ähnlich wie Vorgänger Keir Starmer eine enge Beziehung zu Berlin pflegen zu wollen. Starmer war im Sommer 2024 knapp zwei Monate nach Amtsantritt von Merz' Vorgänger Olaf Scholz in Berlin empfangen worden.
Der frühere Bürgermeister der Metropolregion Manchester tritt in einem anderen Stil auf - als Starmer und auch als Merz. Burnham will volksnäher wirken, zumindest im Moment profitiert seine Labour-Partei von einem Aufschwung nach dem Wechsel in der Downing Street.
Als erster britischer Premier seit dem Brexit hatte Burnham in der vergangenen Woche konkret von der Möglichkeit zur Rückkehr in die EU gesprochen. Der Weg dahin wäre auch bei einer Entscheidung für entsprechende Gespräche weit.
Von Michael Fischer, Jan Mies und Jörg Blank, dpa
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