Vorsichtiges Aufatmen beim Großbrand in Hürtgenwald in der Eifel - und zugleich neue Sorgen im nur rund 20 Kilometer entfernten Monschau: Die grenznahe nordrhein-westfälische Stadt hat am Samstagabend wegen eines weiteren Waldbrandes im nahegelegenen Hohen Venn in Belgien Bewohner mehrerer Siedlungen aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten.
Betroffen seien die Menschen in Ruitzhof, Leyloch, Vennhof, Haus Sonnentau, Plattevenn und Geisberg, teilte die Stadt auf Facebook und Instagram mit. Konkret gehe es um 47 Häuser, sagte eine Sprecherin der Stadt.
Wenn möglich, sollten Anwohner bei Verwandten oder Freunden unterkommen. Die Einrichtung von Notunterkünften werde vorbereitet, hieß es. Es handele sich zunächst um eine vorbeugende Maßnahme. Auf belgischer Seite sei am Samstag die Evakuierung der Ortschaften Küchelscheid und Leykaul eingeleitet worden. Konkrete Hinweise, dass eine Räumung auch für Monschauer Bewohner nötig werde, gebe es bislang nicht, betonte die Sprecherin.
Es brennt auf 2.700 Hektar
Der in Belgien an der Grenze zu Deutschland wütende Waldbrand hat mittlerweile etwa eine Fläche von 2.700 Hektar erfasst, so der Stand am Samstagabend laut dem Gouverneur der Provinz Lüttich. Zum Vergleich: Im Hürtgenwald sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald von dem Brand betroffen.
Das Feuer sei «der größte Brand, den Belgien je erlebt hat», zitiert unter anderem der öffentlich-rechtliche Sender RTBF lokale Politiker. Zuvor hatte Belgien am Samstag andere Länder der Europäischen Union um Unterstützung gebeten. Nach Angaben örtlicher Behörden sind auch deutsche Feuerwehrleute vor Ort. Weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden wurden mobilisiert, schrieb die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X.
Etwa 600 Menschen in zwei belgischen Orten wurden laut Belga angewiesen, ihre Häuser zu verlassen - wegen des sich rasch ausbreitenden Brandes, wechselnder Windrichtungen und starker Rauchentwicklung. Das Feuer war am Freitagnachmittag ausgebrochen.
Hoffnung im Hürtgenwald
Unterdessen entspannt sich die Lage beim Brand im Hürtgenwald: Die Bewohner des Ortsteils Gey dürfen in ihre Häuser zurück. Das hat der Landrat des Kreises Düren am Abend entschieden. Die gut 1.800 Bewohner hatten in der Nacht auf Freitag wegen des Waldbrandes in der Nordeifel das Gebiet verlassen müssen. Nun sei es gelungen, Gey so zu sichern, dass Flammen nicht auf den Ort übergreifen könnten, teilte der Kreis mit.
Landrat Ralf Nolten (CDU) hatte am Abend noch ein Gewitter und mögliche starke Winde, welche die Flammen wieder hätten anfachen können, abgewartet, bevor die Entscheidung für die Rückkehr der Bewohner gefallen war.
Die Lage habe sich inzwischen «deutlich entspannt», hieß es. Bis zu 1.800 Kräfte hätten zusammengearbeitet. Der Einsatz von Lösch-Hubschraubern wurde am frühen Abend gestoppt, weil er nicht mehr notwendig sei. Komplett gelöscht sei der Brand nicht, er sei aber eingegrenzt worden.
Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen
Folgen der Brände waren auch im benachbarten Rheinland-Pfalz zu spüren: Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, aufgrund der Brände in Belgien und Nordrhein-Westfalen in Verbindung mit dem aktuellen Wind und Wetterbedingungen breiteten sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag in der Region aus, insbesondere in der Eifel und an der Mosel. An vielen Orten sei deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise liege Asche in der Luft.
«Es sind derzeit keine Flächen- oder Waldbrände im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums bekannt und es droht derzeit keine Gefahr durch diese Brände», hieß es allerdings weiter.
Wegen des Rauchs wurde zudem am Samstag eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz unterbrochen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier mitteilte. Die Verantwortlichen halten demnach die Entwicklung der Lage kontinuierlich im Blick. Bei der am Freitag gestarteten Säubrennerkrimes handelt es sich um eines der größten Feste in der Region.
«Bitte schließen Sie Fenster»
Laut einer von der Polizei verbreiteten Mitteilung der Kreisverwaltung kommt es im gesamten Kreisgebiet Bernkastel-Wittlich zu einer starken Rauchentwicklung durch den Brand in Belgien. Es komme zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase. «Bitte schließen Sie Fenster, Türen, und schalten sie Lüftungs- und Klimageräte aus», hieß es.
Der Rauch sei auch in Trier angekommen, sagte der Polizeisprecher. Es rieche nach Brand und sei diesig.
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