Ex-Iron-Maiden-Drummer Nicko McBrain hat seine Autobiografie «Hello Boys and Girls!» veröffentlicht. (Archivbild)
Steven Paston/PA Wire/dpa
Ex-Iron-Maiden-Drummer Nicko McBrain hat seine Autobiografie «Hello Boys and Girls!» veröffentlicht. (Archivbild)
Drummer der Heavy-Metal-Ikonen

Iron-Maiden-Legende Nicko McBrain: «Ich war ein Arschloch»

Über 40 Jahre trommelte Nicko McBrain für Iron Maiden. Seine Memoiren über Allüren, einen Faustschlag und den Abschied nach einem Schlaganfall stellt er in Frankfurt, Köln, Berlin und München vor.

Nicko McBrain denkt mit Schrecken daran zurück, wie ihn Iron-Maiden-Manager Rod Smallwood 1984 im Tourbus zur Rede stellte. «Ich war ein Arschloch», sagt der Schlagzeuger im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London und lacht. Der Ruhm sei ihm damals zu Kopf gestiegen, ohne dass er es selbst bemerkt habe.

Auf der gigantischen «Powerslave»-Tour von Iron Maiden knöpfte sich Smallwood den Drummer vor. «Er sagte: Die Jungs haben mich gebeten, mal mit dir zu reden. Wenn du dich nicht zusammenreißt, wollen sie nicht mehr mit dir arbeiten», erzählt der 74-Jährige. «Ich war zu einem Ungeheuer geworden.»

Wie im Fußball gebe es bei Iron Maiden zwei Gelbe Karten, bevor man fliegt. McBrain riss sich zusammen - und seine Gelbe Karte wurde, wie er sagt, zerrissen. «Ich mochte dieses Verhalten selbst überhaupt nicht.»

Voller Selbstironie

Die Anekdote ist eine von vielen in seiner Autobiografie «Hello Boys and Girls!», die am 28. Oktober auf Deutsch erscheint und mit der McBrain auch in Deutschland auf Buchtour geht. Mit viel Selbstironie erzählt er darin von 42 Jahren bei Iron Maiden und spart auch die unangenehmen Momente nicht aus. Herausgekommen ist ein sehr unterhaltsames Buch - vor allem für Maiden-Fans.

Begonnen hatte er das Buch schon 2012 - kam dann aber nicht weiter und zahlte sogar einen Vorschuss zurück. Erst nach seinem Abschied von der Band stellte er es fertig. Smallwood hatte ihn dazu ermutigt.

McBrain erzählt, wie er mehrfach kurz davor war, die Band zu verlassen. 1983 geriet er mit Sänger Bruce Dickinson aneinander. Als der Streit eskalierte, habe Dickinson ihm in die Magengrube geschlagen. «Mir blieb die Luft weg», sagt McBrain. «Ich hatte fest vor, mich mit ihm zu prügeln und dann zu gehen.»

Doch Dickinson entschuldigte sich sofort. Der Streit war zufällig mitgeschnitten worden - und die Band hatte so viel Humor, dass sie die Aufnahme auf der B-Seite der Single «2 Minutes to Midnight» veröffentlichte. «Das zeigt unsere Einstellung», sagt McBrain. «Wir nehmen die Musik ernst, aber nicht uns selbst.»

Als Dickinson die Band 1993 verließ, kam es erneut zum Bruch. Der Drummer nahm es ihm übel. Bei Dickinsons Rückkehr 1999 half McBrain sein christlicher Glaube. «Für mich galt: Man muss vergeben und vergessen, die andere Wange hinhalten und seine Feinde lieben.»

In einem Pub räumten die beiden alles aus. Damals habe Dickinson ihm zum ersten Mal gesagt, dass er ihn liebe. «Danach haben wir nie wieder darüber gesprochen. Das Kapitel war abgeschlossen.»

Abschied nach dem Schlaganfall

Seine letzte Show mit Iron Maiden spielte McBrain im Dezember 2024 in São Paulo. Fast zwei Jahre zuvor hatte er einen Schlaganfall erlitten. «Die Arme und Handgelenke funktionieren, aber aus irgendeinem Grund bekomme ich die Geschwindigkeit nicht mehr in die Finger», sagt er.

Schnelle Passagen wie den Anfang des Maiden-Klassikers «Murders in the Rue Morgue» habe er nicht mehr spielen können. «Das war zu ungefähr 80 Prozent der Grund, warum ich aufgehört habe.» Seinen Nachfolger Simon Dawson lobt er ausdrücklich. «Simon macht einen wunderbaren Job. Er hat seine eigene Handschrift.»

Mit seiner Band Titanium Tart spielt der gebürtige Londoner in seiner Wahlheimat Florida weiter die Musik von Iron Maiden - nicht in großen Hallen, sondern in kleinen Clubs und Bars. Mitunter hört man sogar Songs, die Maiden selbst nie live gespielt haben - früher ein Tabu für Bandgründer Steve Harris. «Ich bin ja nicht mehr bei Iron Maiden, da habe ich freie Hand», sagt McBrain. Seine Ex-Kollegen fehlen ihm trotzdem. «Natürlich vermisse ich die Jungs jeden Tag.»

Vier Buchabende in Deutschland

Sein Buch stellt Nicko McBrain in Frankfurt (Alte Oper, 26.10.), Köln (Tanzbrunnen, 27.10.), Berlin (Passionskirche, 29.10.) und München (Backstage, 30.10.) vor. Schauspieler Aurel Manthei liest Passagen auf Deutsch.

Von Philip Dethlefs, dpa
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