Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat das Landgericht Hamburg eine alte Sprachnachricht der angeklagten Mutter abgespielt - aufgenommen wenige Stunden vor der Tat. «Es wird immer auswegloser», sagte Christina Block auf dieser Tonaufnahme an eine Freundin. Es sei kein gutes Jahr gewesen, sie habe nur noch wenig Hoffnung.
Die Hamburger Unternehmerin Block ist angeklagt, nach einem Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters Stephan Hensel zu entführen. Der damals 10 Jahre alte Junge und das 13-jährige Mädchen waren laut Anklage in der Silvesternacht 2023/24 in Süddänemark in ein Auto gezerrt und nach Deutschland gebracht worden.
Die 53-Jährige bestreitet die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Es gibt sechs weitere Angeklagte - fünf von ihnen beteuern ebenfalls, nichts Unrechtes getan zu haben. Nur ein Israeli hat seine Beteiligung an der Tat eingeräumt.
«Verzweiflung, Traurigkeit und Resignation»
Die Sprachnachricht war auf Wunsch von Blocks Verteidigung abgespielt worden. «Hoffnungslosigkeit in Reinform», wieder mit ihren Kindern in Kontakt zu kommen, zeige diese Handy-Nachricht, hatte ihr Anwalt Ingo Bott erklärt. Es sei «lebensfern», eine Nachricht so voller «Verzweiflung, Traurigkeit und Resignation» zu schicken, wenn seine Mandantin irgendetwas von einem geheimen Plan gewusst hätte.
Blocks Mobiltelefon war wenige Stunden nach der Entführung von der Hamburger Polizei sichergestellt worden. Die Daten wurden den Prozessbeteiligten aber erst kürzlich zur Verfügung gestellt.
«Juristisch kann ich nichts mehr machen»
Nach dem Abspielen der Sprachnachricht hatten die Prozessbeteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme. Nebenklagevertreter Philip von der Meden fasste sich kurz. Er verwies unter anderem auf einen anderen Satz aus Blocks Nachricht, der nach seiner Ansicht auffällt: «Juristisch kann ich nichts mehr machen.»
Kurz vor Ablauf einer für den 28. Oktober gesetzten Frist waren 860 Seiten an Anträgen beim Landgericht Hamburg eingegangen - sie mussten schriftlich gestellt werden. Allein 840 Seiten davon waren laut Vorsitzender Richterin von Blocks Anwalt gekommen.
Viele Beweisanträge abgelehnt
Zahlreiche Beweisanträge von Verteidigern lehnte die Kammer bereits ab. Darin ging es unter anderem um eine Befragung weiterer Zeugen, gebuchte Flüge für eine im Mai 2024 geplante Reise von Christina Block sowie verschiedene weitere Sprach- und Textnachrichten.
Es war bereits der 85. Verhandlungstag, erst kürzlich waren neue Prozesstermine bis Ende Februar bekanntgegeben worden. Der nächste Verhandlungstag ist der 11. November.
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