Zauberwerkstatt, das klingt natürlich toll - irgendwie nach Harry Potter, nach brodelnden Zaubertränken, geheimnisvollen Zutaten und Dingen, die sich von selbst in Luft auflösen.
In der Werkstatt der Ehrlich Brothers, tatsächlich als «Zauberwerkstatt» betitelt, geht es allerdings erst einmal ziemlich handfest zu: Überall liegen Schrauben, Rohre und Werkzeug. Es riecht nach Metall und Menschen, die anpacken.
Andreas und Chris Ehrlich, die beiden Brüder, fühlen sich hier sichtlich zu Hause, das merkt man rasch. Schwups, schon hat Andreas ein Schleifgerät in der Hand, Funken fliegen. Nebenbei fliegt auch noch ein Seitenhieb in Richtung von Bruder Chris - die Ecke in der Werkstatt ist etwas unübersichtlich. «Was mein Bruder manchmal vergisst, ist das Aufräumen.»
Andreas und Chris Ehrlich gelten als bekanntestes Zauberkünstler-Duo Deutschlands. Mit ihren Shows füllen sie große Hallen. Dass Tausende Menschen dort staunen, hat allerdings mit ziemlich viel Handarbeit zu tun. In Bünde im Kreis Herford, am wirklich äußersten Rand von Nordrhein-Westfalen, unterhalten die Brüder ihre «Zauberwerkstatt». Hier werden die Illusionen ausgetüftelt, gebaut, getestet. Hogwarts, gewissermaßen. Nur eben in Ostwestfalen.
Der ganz normale Zauberwahnsinn
Und Zaubern ist vor allem auch: Arbeit. «Viele Menschen denken, wir könnten wirklich zaubern. Das wäre schön, wir wünschen uns das häufig», sagt Andreas Ehrlich. «Aber es ist nicht mit einem Fingerschnipp getan, sondern bedarf zum Teil jahrelanger Vorbereitung.» 50 fest angestellte Mitarbeiter beschäftigen die Ehrlich Brothers, 35 davon arbeiten in der Werkstatt. Es geht zu wie in einer Montagehalle.
Wer gleichwohl glaubt, nur in einem besonders gut sortierten Baumarkt gelandet zu sein, wird bald irritiert. Auf einem Podest steht ein meterhoher Riesenroboter mit breiten Schultern, der aussieht, als könne er gleich loslaufen und die Werkstatt übernehmen. Ein paar Schritte weiter ist ein Mondfahrzeug zu sehen - es kann seitlich fahren und soll, so das Versprechen, bei den Shows durch die Arenen fliegen. In einer anderen Ecke steht eine überdimensionierte Popcorn-Maschine.
Die Prototypen für ihre Shows kosten fünf- bis sechsstellige Summen. Der Riesenroboter - er heißt «Titan» - geht ins Siebenstellige. All das wird in Ostwestfalen erdacht und montiert.
Andreas Ehrlich warnt aber davor, ihre Kunst als Spielart des Ingenieurberufs zu interpretieren. Die beiden sind mehr als Konstrukteure mit Glitzerkostümen. «Die Menschen kommen nicht zu uns, um eine technische Show zu sehen, sondern um eine tolle Zeit abseits des Alltags zu haben», sagt er. «Die Show soll nicht nur den Kopf erreichen, sondern auch ins Herz gehen.» Es sei die Freude am Spielen und Ausprobieren, die sie antreibe, sagt Chris Ehrlich. «Dieses Kind im Herzen.»
Hinzu kommt: Eine Illusion funktioniert nur, solange niemand merkt, wie viel Arbeit dahintersteckt. Hakt etwas oder läuft nicht perfekt, ist der Zauber dahin. Die Brüder denken deshalb lieber einmal zu viel über mögliche Fehler nach als einmal zu wenig. «Wir sind fast nerdig darin, Fehlerpotenzial zu sehen und Lösungen zu finden, damit man den gleichen Fehler nicht noch einmal macht», sagt Chris Ehrlich.
Und Fehler, die hat es schon gegeben. Bei einem Trick etwa sollte Chris mal in einer Arena auf eine große Zielscheibe geschossen werden. «Bei 350 Shows hat das funktioniert», erzählt Andreas. «Dann aber kam die 351. Show – und plötzlich stand da keine Zielscheibe mehr.» Sie war fälschlicherweise schon abgebaut worden.
Gerade sind die beiden wieder in einer heißen Vorbereitungsphase - ihre neue Show «Wonderworld» startet Mitte November.