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Corona-Impfstoff: Testperson berichtet exklusiv bei RPR1.

Es ist der Goldrausch des 21. Jahrhunderts: Wer bringt den ersten Corona-Impfstoff auf den Markt? Samuel aus Bingen ist aktuell Proband in der letzten Impfstoff-Testphase eines rheinland-pfälzischen Pharmaunternehmens – doch wie fühlt sich das an? Er erzählt uns, wieso er sich für die Studien-Teilnahme entschieden hat und berichtet an dieser Stelle regelmäßig von seinen Erfahrungen rund um die Impfstoffsuche.

Exklusive Einblicke bei RPR1.

Die ganze Welt schaut gespannt auf diesen Wettlauf: Wer bringt den ersten Corona-Impfstoff auf den Markt? Rheinland-Pfalz ist mit der Mainzer Firma Biontech ganz vorne mit dabei. Die RPR1. Guten Morgen Show begleitet Samuel aus Bingen (Name anonymisiert), einen Probanden in der letzten Testphase des Pharmaunternehmens.

 

Wie läuft so ein Impf-Test ab?

Er gibt uns exklusive und regelmäßige Updates in den kommenden Monaten: Samuel erzählt Laura und Ben von seinen Beweggründen, Ängsten und seinem Gesundheitszustand. Das ganze Land fiebert mit ihm mit – schließlich könnte er einen großen Anteil daran haben, ob es bald einen Impfstoff für alle geben wird.

 

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Freitag, 25.09.2020 - Erneuter Check-Up 

Samuel, gestern wurdest du nochmal genauer untersucht. Wie geht es dir?

"Mir geht es wunderbar, ich habe offenbar alles gut verkraftet. Hab auch mit meinen Kollegen dort gesprochen - die sind auch alle fit. Es war beim Check-Up gestern alles, wie es immer war. Du kommst rein und bekommst Fieber gemessen, dann werden dir ganze zwölf Röhrchen Blut abgenommen. Es wird also alles gecheckt und getestet. Mein Resümee bisher: Keine Beschwerden!"

 

Freitag, 18.09.2020 - Zweite Injektion

Samuel, du wurdest jetzt zum zweiten Mal geimpft. Wie geht es dir diesmal?

„Ich habe gestern um 10 Uhr meine Spritze gekriegt. Es lief auch alles ganz gut, ich hatte keine Schmerzen und keine Probleme, kein Fieber und nichts. Da wurde auch drei Mal gemessen. Aber dann nachmittags gegen 15/16 Uhr habe ich tierische Kopfschmerzen gekriegt und mir wurde richtig übel. Dann bin ich nach Hause gegangen und habe nochmal Fieber gemessen, hatte aber wieder keine erhöhte Temperatur. Im Anschluss habe ich dann eine Tablette genommen, dort angerufen und ein bisschen abgewartet. Zum Glück ging es dann nach kurzer Zeit wieder weg.

Wir wurde aber auch relativ schnell klar, dass das eigentlich ein kleiner Migräneanfall gewesen sein musste. Also nicht ursächlich der Corona-Medikamente – weil ich hatte keine erhöhte Temperatur, es waren nicht die typischen Erkältungssymptome. Heute Morgen geht es mir auch wieder super!“

 

Was ist das für ein Gefühl, wenn man merkt: Mir geht es grade nicht gut und es kommt eventuell vom Impfstoff…

„Ja, war schon ein komisches Gefühl…muss ich ganz ehrlich sagen. Ich wusste ja, man kann Schnupfen bekommen, man bekommt eine Kopfschmerztablette mit, im Falle eines Ausbruchs der typischen Grippe-Symptome.

Als es dann nachgelassen hat und es mir wieder besser ging, war ich echt beruhigt. Weil ich denke mir: Es wäre länger gegangen und wohl intensiver gewesen, wenn es tatsächlich mit der Impfung zusammen gehangen hätte.“

 

Was sagen die anderen Probanden? Du unterhältst dich ja auch bestimmt mal mit ihnen…

„Denen geht es eigentlich wie mir. Recht relaxt. Neulich habe ich allerdings zwei Damen kennengelernt, 71 und 69 Jahre alt, und die haben wohl richtig Anfeindungen für ihre Teilnahme am Impfstofftest gekriegt! Es fielen Sätze wie: ‚Da werdet ihr erst gechipt und mit dem Corona-Virus infiziert…‘. Da muss ich schon sagen, dass ich diese Anfeindungen und Unterstellungen ganz schön heftig finde. Dass Leute, die da gar nicht vor Ort sind und die Bedinungen gar nicht kennen, irgendwelche Sachen behaupten und das dann auch noch weitertratschen…“

 

Impfstoffhersteller Biontech ist relativ optimistisch, dass dieser Impfstoff auf den Markt kommen könnte. Hast du diesbezüglich schon irgendwas mitbekommen?

„Hinter vorgehaltener Hand – auf dem Flurfunk dort – haben die Mitarbeiter mit signalisiert, dass sie wirklich guter Dinge und Hoffnung sind, dass das mit dem Impfstoff tatsächlich gelingt. Es gibt wohl noch keine richtigen Nebenwirkungen, die sie festgestellt haben. Die Tests verlaufen wohl gut. Und sie sind sehr, sehr zuversichtlich, dass es bald – vielleicht schon Anfang nächsten Jahres – dann in die richtige Impfung gehen kann.

Und dann ist es wohl doch ganz gut, dass ich da als Proband mitgemacht habe…“

 

Hier kannst du dir das ganze Interview anhören:

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Freitag, 04.09.2020 - eine Woche nach der Injektion

Wie geht es dir eine Woche nach der Injektion?

„Mir geht es super. Ich muss jetzt jeden Abend Fieber messen und eine Tabelle ausfüllen, ob ich irgendwie Beschwerden habe. Bis jetzt bemerke ich gar nichts. Fühle mich pudelwohl und hab keinen Grund zu klagen.“

 

Bemerkenswert, wie positiv du mit dieser ganzen Thematik umgehst. Hast du wirklich bis heute nicht einen Moment Bedenken gehabt?

„Nein, wirklich überhaupt nicht. Ich wusste, dass das super Ärzte sind. Sie sagen dir immer: Schreib alles auf, melde dich, etc. Die gucken wirklich alles von oben bis unten an und sind darauf bedacht, dass es dir gut geht.

Ganz einfach: Ich habe die Leute bewundert, die in Kaufhäusern, in Kliniken, in Altenheimen ihren Job getan haben, Briefe ausgetragen haben, Busse und Straßenbahnen gefahren sind. Die wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollen. Aber: Sie waren für uns da. Und wenn das jetzt so ein Stückchen weit die Möglichkeit ist, was zurückzugeben, dann mache ich das gerne. Und – ganz ehrlich – wenn der Impfstoff da ist, wer will ihn dann nicht haben? Also muss es davor eben auch jemanden geben, der stellvertretend für alle testet.“

 

Hast du dich mit anderen Probanden unterhalten können, wie es denen so geht? Hatten die Zweifel oder irgendwelche Nebenwirkungen?

„Also bei mir in der Gruppe hatte niemand etwas. Das kann natürlich auch daran liegen, dass wir – vermutlich, wir wissen es nicht – eine ganz geringe Dosis bekommen haben, weil wir abends wieder nach Hause fahren durften und nicht über Nacht bleiben mussten…

Ich habe gestern durch Zufall eine andere Frau getroffen, die hatte ihren letzten Tag und ist jetzt quasi durch mit ihrer Studie. Und sie hat mir erzählt, sie hatte doch schon Nebenwirkungen gehabt. Sie hatte komischerweise an den Waden Probleme und Erkältungssymptome. Und es sei wohl in ihrer ganzen Gruppe so gewesen, dass alle leichte Erkältungssymptome hatten. Also, es mag schon irgendwelche Nebenwirkungen geben – wohl, wenn die Dosis höher ist. Aber wie hoch deine Dosis tatsächlich war, das erfährst du selbst erst am Ende der Studie.“

 

Du warst gestern, eine Woche nach Injektion, bei deinen Ärzten – was wurde da genau gemacht?

„Das war die ganze normale Kontrolluntersuchung. Blutdruck und Fieber werden gemessen und alles, was der Arzt macht, um deine allgemeine Befindlichkeit zu überprüfen. Zum Beispiel auch die Urinprobe – übrigens wirklich super unangenehm, da mit seinem Morgenurin im Probebecherchen rumzulaufen…;-)

Wenn man dann durch ist mit den Untersuchungen darf man wieder nach Hause.“

 

Hier kannst du dir das ganze Interview anhören:

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Montag, 31.08.2020 - wie geht es Samuel nach dem Wochenende?

Es war soweit: Du hast den Corona-Impfstoff am Freitagmittag gespritzt bekommen…

"Ja, ganz genau. Das lief ganz normal ab – du gehst da rein, wirst getestet, dass du keine Krankheiten aufweist. Musst sogar einen Alkoholtest machen. Und dann kriegst du den Impfstoff in die Schulter gespritzt. Nach einer Stunde wird schon wieder Blut abgenommen und gecheckt, wie sich das Ganze auswirkt."

 

Wie ging es dir übers Wochenende?

"Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich am ersten Tag der Applikation Kopfschmerzen hatte – aber das lag nicht unbedingt am Medikament. Du darfst nämlich morgens keinen Kaffee trinken…und ich bin eigentlich so ein Kaffee-Junkie. Das könnten tatsächlich Entzugserscheinungen davon gewesen sein.

Also als das dann vorbei war und ich abends meinen Kaffee trinken konnte, dann war es eigentlich ganz okay. Und ich hatte dann das ganze Wochenende über tatsächlich keine Beschwerden."

 

Nicht mal einen schweren Arm, was man sonst vom Impfen kennt?

"Nein, überhaupt nichts. Ich habe sogar Tabletten gekriegt, falls ich Grippe-Symptome oder Ähnliches bekomme. Aber das habe ich alles nicht gebraucht."

 

Was sagen eigentlich deine Freunde und deine Familie dazu? Gab es auch mal kritische Stimmen?

"Es gab natürlich Leute – die gerne feiern, gerne rauchen und sich nicht wirklich gesund ernähren – die zu mir gesagt haben: Sag mal, hast du keine Angst? Dann hab ich die Gegenfrage gestellt: Sag mal, hast DU keine Angst?

Also es ist für mich eine ganz sichere Sache. Ich stehe unter ärztlicher Kontrolle, es ist ein kontrollierter Ablauf. Und die Sachen, die kommen können, kommen auch wie bei jeder Spritze, die man beispielsweise bei einer OP bekommt – aber: Es muss auch nicht eintreten. Und genauso ist es jetzt auch bei mir. Es ist bisher echt überhaupt nichts."

 

Wie oft musst du dich jetzt melden? Hast du eine Notfallnummer bekommen?

"Ja, man bekommt eine Notfallnummer, wo man sich immer melden kann. Ich muss jeden Abend Temperatur messen und eine Statistik erstellen, ob es mir gut geht, ob ich Schmerzen habe, ob ich Beschwerden habe, etc. Der nächste Termin in der Klinik ist dann am Donnerstag. Da werde ich dann nochmal von Kopf bis Fuß durchgecheckt.

Die nächste Applikation ist dann Mitte September. Das ist nämlich eine Studie, wo du den Impfstoff zwei Mal bekommst. Damit wird geprüft, ob die Dosis 1x besser wirkt oder 2x in kleinen Dosen."

 

Wurde dir schon gesagt, wann der Impfstoff auf den Markt kommen könnte, wenn das alles gut bei euch anschlägt?

"Abgeschlossen ist die Studie im November. Es gibt für die Patienten nochmal zwei Kontrolltermine im März und Februar nächsten Jahres. Und das wird vermutlich auch die Zeit sein, wo das auf den Markt kommen könnte…"

 

Hier kannst du dir das ganze Interview anhören:

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Freitag, 28.08.2020 - der Morgen vor der Impfung

Wie fühlst du dich jetzt kurz vor der Impfung?

"Ich bin gar nicht aufgeregt oder so. Ich weiß ja, was auf mich zukommt. Es gibt 'ne Spritze, dann wird Blut abgenommen und dann ist der Tag halb rum und dann geh ich wieder nach Hause. Für mich ist das nach wie vor eine sichere Sache, ich durchlaufe das Ganze unter strengster ärztlicher Kontrolle."

 

Wie läuft das jetzt heute mit der Impfung ab?

"Ich bekomme heute die Spritze mit dem Impfstoff drin. Dann wird zwei Stunden Pause gemacht und danach wird stündlich Blut abgenommen, um zu schauen: Wie verträgt sich das, wie schlägt das im Blut an und sieht man möglicherweise schon etwas?

Es wird dann noch mehrere Folgetermine geben - nach drei Tagen, einer Woche – wo nochmal kontrolliert wird, wie ist die Verteilung im Körper und wie ist mein persönliches Befinden und ob ich auch wirklich alles vertragen habe."

 

Du bist optimistisch, dass das gut geht?

"Natürlich! Das ist jetzt die dritte Testphase und ich gehe davon aus, dass damit jetzt nur noch das Häkchen gesetzt wird und das Go für den finalen Impfstoff kommt."

 

Macht dir der Impfstoff-Wettlauf keine Angst? Also, dass da möglicherweise alles zu schnell geht und nicht so sicher ist wie bei anderen Medikamenten?

"Ich vertraue einfach darauf, dass wir ganz scharfe Gesetze haben. Es ist ja hierzulande nicht so wie beispielsweise in den USA, dass irgendjemand einfach mal so irgendwas bestimmen und freigeben kann. In Deutschland gibt es ganz klare Regelungen. Es gibt zeitgleich sieben Gruppen, die den Impfstofftest getrennt voneinander durchlaufen. Für mich ist das dadurch eine sichere Nummer, dass man mit dem Impfstoff gut umgehen kann. Da vertraue ich drauf."

 

Du bekommst von der Firma Biontech aus Mainz die Imfpung?

"Genau, diese Firma hat den Impfstoff hergestellt, ihn in Auftrag gegeben und damit durchlaufen wir jetzt in Mannheim diese Prüfung."

 

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RPR1.Corona Kompass Spezial

 

 

Donnerstag, 27.08.2020 - ein Tag vor der Impfung:

Warum machst du das überhaupt?

„Ich habe zu Corona-Hochzeiten im April alle bewundert, die an den Kassen saßen, Post ausgetragen haben, in Krankenhäusern, Pflegeheimen gearbeitet haben. Mein Beitrag zu dieser Zeit war einfach nur: Zu Hause sitzen. Und da dachte ich mir – ich mach jetzt auch mal was positiv-unterstützendes, indem ich bei der Corona-Impfstoff-Studie mitmache und so meinen Beitrag für die Gesellschaft  leiste.“

 

Und was ist mit dem Risiko? Wie hat dir das Pharmaunternehmen das erklärt? 

"Es wurde mir gesagt, dass sich das wie bei einer Masernschutz-Impfung verhält. Da bekommt man auch die Antikörper gespritzt, aber zur Hälfte quasi ausgeräumt – sodass die Informationen drinnen sind, aber das Virus nicht ausbrechen kann. Das Immunsystem erkennt dann: Das ist ein Fremdkörper, der darf nicht andocken. Wenn dann die richtigen Erreger kommen, erkennt der Körper sofort, dass er diese bekämpfen muss bevor sie andocken können. Also ist es eigentlich – aus meiner Sicht – eine sichere Sache. Es ist quasi wie eine Masernschutz-Impfung.“

 

Du gehst davon aus, dass alles gut gehen wird?

"Ja, das geht alles gut. Wenn ich mit irgendwelchen Bedenken da reingehen müsste, würde ich es nicht machen. Das verhält sich für mich nicht anders als bei einer Spritze im Krankenhaus zum Beispiel: Es können immer allergische Reaktionen auftreten oder es können die unterschiedlichsten Dinge passieren – aber dann bräuchte ich auch nicht mehr über die Straße zu laufen.“

 

Die Frage zum Schmerzensgeld: Was bekommst du dafür?

"Die eigentliche Studie geht bis in den November. Wenn man das alles hochrechnet, dann sind es pro Tag unter 10 Euro – also des Geldes wegen mache ich das bestimmt nicht. Falls übrigens etwas passieren würde, wäre ich versichert über eine halbe Million Euro. Aber davon gehen wir mal nicht aus, dass ich dadurch reich werde. ;-)

Das ist auch abgeklärt durch ein Bundesverfassungsgerichts-Urteil, dass das ein vorab gezahltes „Schmerzensgeld“ ist, und damit sind aber keine Ansprüche abgegolten, falls tatsächlich etwas passieren sollte."

 

Wie läuft das jetzt heute ab?

"Ich wurde schon mal vorab von Kopf bis Fuß durchgecheckt – Blut, Urin, Drogentest, eben alles, was man so machen kann. Und heute kommt noch ein finaler Check-Up mit Temperaturtest und Rachenabstrich, um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich kein Corona habe. Sonst würde der Impfstoff-Test ja gar nicht richtig funktionieren. Morgen gibt es dann die richtige Impfstoff-Injektion."

 

 

Hier kannst du das erste Gespräch mit Samuel anhören:

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RPR1.Corona Kompass Spezial

 


Disclaimer: Der Name ist aus personenschutzrechtlichen Gründen anonymisiert. RPR1. und Samuel erheben keinerlei Anspruch auf Richtigkeit der Aussagen rund um die Details zur Impfung. Samuel schildert an dieser Stelle lediglich seine persönlichen Erfahrungen und Gefühle in dieser besonderen Situation.

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