Trier hat «Maximiner Riesenbibel» zurück
Die Werke seien aus Privatbesitz als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden, sagte Kulturdezernent Markus Nöhl bei der Vorstellung.
Die Werke seien aus Privatbesitz als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden, sagte Kulturdezernent Markus Nöhl bei der Vorstellung.
Nach gut 200 Jahren hat die «Maximiner Riesenbibel» dauerhaft den Weg zurück an den Ort ihrer Entstehung nach Trier gefunden. Die drei kunstvoll illustrierten Bände, die im frühen 16. Jahrhundert in der Trierer Abtei St. Maximin gefertigt wurden, haben nun ihren festen Platz in der «Schatzkammer» der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier. Die Werke seien aus Privatbesitz als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden, sagte Kulturdezernent Markus Nöhl (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung des Werks.
«Wir haben damit einen Höhepunkt der südwestdeutschen Buchkunst wieder nach Trier zurückgebracht. Ein einmaliger Glücksfall», sagte Nöhl. Der Einzug der 60 mal 40 Zentimeter großen und zwölf bis 15 Zentimeter dicken Bände in die Vitrinen sei «einer der bedeutendsten Neuzugänge» der Bibliothek. Die «Riesenbibel» sei ein Highlight der Ausstellung. Der Besitzer, dem man sehr dankbar sei, wolle anonym bleiben. Er hatte das Werk um 2006 von einem Antiquar erworben.
Die Handschrift der «Maximiner Riesenbibel» sei in der Zeit von 1511 bis 1526 entstanden, sagte Bibliotheksdirektor Michael Embach. Zwei der Bände enthielten kunstvolle figürliche Miniaturen, der dritte Band weise eine Reihe von ornamentalen Initialen auf. Mit dem Werk wollten die Maximiner Mönche ihre eigene Bedeutung hervorheben, sagte Embach. St. Maximin sei über Jahrhunderte «eine der wohlhabendsten Abteien im deutschen Reichsgebiet» gewesen.
Die «Maximiner Riesenbibel» sei auch von Bedeutung, weil sie ein seltenes Beispiel für eine handgeschriebene Prachtbibel nach Erfindung der Buchdruckerkunst sei, sagte Embach. Mit einem Umfang von 716 Blatt übertreffe sie sämtliche gedruckte Bibeln der Zeit, ebenso wie die meisten von Hand geschriebenen Exemplare. Es handele sich zudem um eine neue Ausgabe der Bibel, die bei der Anordnung der biblischen Bücher eigene Wege gehe.
Die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier verfügt über insgesamt rund 430 000 Titel, darunter viele Handschriften aus dem Mittelalter. Zu den historischen Schätzen gehören der älteste erhaltene deutsche Bildzyklus zum Leben Jesu, der «Codex Egberti» sowie das «Ada-Evangeliar». Ein Internationales Zentrum für Handschriftenforschung ist dort angesiedelt.
Dass die Bibliothek Trier so reich bestückt sei, verdanke sie der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts, sagte Embach. Klöster in und um Trier hätten damals ihre wertvollen Bestände an die damalige Stadtbibliothek gegeben. «Die Trierer Bibliothek wurde ein Sammelbecken für herrenlos gewordene Klosterbibliotheken.»
Quelle: dpa